Rezension “Hard Land” von Benedict Wells – Diogenes Verlag

  • Gebundene Ausgabe : 352 Seiten
  • Herausgeber : Diogenes; 1. Edition (24. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • ISBN-10 : 3257071485
  • ISBN-13 : 978-3257071481
  • Originaltitel : Hard Land
  • D: 24,00 Euro

Inhalt:

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden. Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

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Der Autor:

Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin. Dort entschied er sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben, seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Seine Bücher erschienen bisher in 38 Sprachen, sein vierter Roman “Vom Ende der Einsamkeit” stand über achtzig Wochen auf der Bestsellerliste. Er wurde u.a. mit dem European Union Prize For Literature ausgezeichnet und zum Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels 2016 gewählt. Nach einigen Jahren in Barcelona lebt Wells inzwischen in Zürich.

Quelle: Amazon

Rezension:

Grady in Missouri ist eine typische Kleinstadt, die es sehr gut auch bei uns geben haben könnte. Ein altes Kino und ein in die Jahre gekommener Diner prägen das Stadtbild. Hier treffen sich abends die Teens, doch fast jeder träumt davon auszubrechen, in die weite Welt zu ziehen. Und dennoch zieht es Manchen auch wieder zurück. Wo konnte man sich noch so frei, jung und voller Träume fühlen?

„…In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb…“

Für Sam beginnt ein Sommer, der viele Dinge verändern wird. Dieser Sommer bedeutet große Verluste, aber auch unwiederbringliche, wichtige neue Erfahrungen, Freunde, Lebensfreude und Erinnerungen.

1985 war ich 12 Jahre alt, also etwas jünger als Sam, aber doch alt genug, dass dieser Roman auch in mir Erinnerungen wach gerufen hat. Die Musik und Filme der 80er klangen noch einmal in meinen Ohren bzw. liefen in Bildern vor meinen Augen ab und weckten nostalgische Gefühle. Es ist eine Hommage an eine besondere Zeit.

Ein neuer Roman von Benedict Wells löst immer wieder einen wahren Hype aus. Die Erwartungen sind hoch und üben sicher einen enormen Druck aus.
Im Fall von “Hard Land” ist der Hype berechtigt und die Erwartungen werden bei Weitem übertroffen. Dieser Roman ist einfach grandios.

Klug und mit gut gesetzten Dialogen, lässt uns Benedict Wells ein wahres Wechselbad der Gefühle durchleben. Wir versinken in tiefer Melancholie und Trauer, schweben in Träumen der Wirklichkeit davon. Wehmütig bedauern wir verpasste Momente, lassen uns auf Wagnisse ein und blicken voller Hoffnung in die Zukunft. Mit jedem neuen Satz wurden ausdrucksstarke Bilder vor meinen Augen lebendig, nahmen mich mit. Ich habe mich mit Sam geängstigt, getrauert, bin mit ihm über mich selbst hinaus gewachsen. Wir haben gemeinsam gelacht und das Kribbeln der ersten Leibe im Bauch gespürt.

Es ist der Moment des Erwachsenwerdens, den wir alle einmal erleben dürfen. Für den Einen ist diese Phase einfacher als für andere. Wir fühlen uns unsterblich, sind voller Tatendrang und doch ängstigen wir uns vor einer ungewissen Zukunft.
Für Sam bedeutet diese Zeit Ende und Neuanfang. Er überschreitet Grenzen und findet in sich unverhoffte Kraft und eine große Portion Mut.

„…Kind sein ist wie einen Ball hochwerfen, Erwachsenwerden ist, wenn er wieder herunterfällt…“ 

Die Idee, wir müssten den Ball nur hoch genug werfen, um die Zeit des Erwachsenseins, hinauszögern, von uns schieben zu können, klingt verlockend. Manche Veränderungen mag niemand und doch sind sie wichtig. Erlebnisse und Begegnungen prägen uns und bestimmen unsere Wege. Wir können die Zeit nicht aufhalten, aber beeinflussen, wie sie verläuft.

Sams neue Freunde scheinen auf den ersten Blick die typischen In-Kids zu sein. Cameron der reiche, sorglose Junge, Kirstie das hübsche Mädchen, das an jedem Finger einen Jungen abschleppt und Hightower, der beliebte Sportler, den alle bewundern. Aber auch hier bewegt sich Benedict Wells nicht auf der üblichen Coming-of-Age-Schiene. Lasst Euch auf sie ein. Sie werden werden Euch überraschen.
Sensibel und tief geht die Figurenzeichnung des Autors. Er eröffnet uns einen weiten Blick in die Seelen seiner Protagonisten.

Der fiktive Gedichtband “Hard Land” und die in Grady situierten 49 Geheimnisse sowie deren Auslegung, sind faszinierend. Das wohl am besten gehütete Geheimnis von Grady, gilt es zum Schluss zu lüften. Wen wundert es noch, wenn ich verrate, dass dies in Kapitel 49 erfolgt.

Benedict Wells schreibt mit einem feinen Gespür für den Facettenreichtum und die Tiefe unserer Emotionen. Sein Blick ist klar, teils philosophisch und vor allem auch humorvoll. Tragik und Freude gehen eng miteinander einher, so wie das Leben selbst.
Mich hat diese Reise nach Grady sehr berührt und in mir viele Erinnerungen wach werden lassen.

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Rezension “Glückskinder” von Teresa Simon – Heyne Verlag

  • Taschenbuch : 512 Seiten
  • Herausgeber : Heyne Verlag; Originalausgabe Edition (8. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • ISBN-10 : 3453424069
  • ISBN-13 : 978-3453424067
  • D: 10,99 Euro

Inhalt:

München 1945. Auf dem Schwarzmarkt in der Möhlstraße treffen sich alle, die nach Glück und ein wenig Leben suchen. Nylons, Kaffee, Schokolade und Schmuck wechseln hier die Besitzer. Auch Toni, die ihr Zuhause verloren hat und nun bei ihrer Tante Vev wohnt, versucht, auf dem Schwarzmarkt das Nötigste für die Familie zu organisieren. Als sie die Holländerin Griet kennenlernt, spürt Toni zunächst eine tiefe Abneigung. Sie ahnt nicht, dass Griet eine schwere Zeit hinter sich hat, über die sie nie wieder sprechen möchte. Sie könnten einander helfen. Doch das geht nur, wenn sie ehrlich zueinander sind und ihre Vorurteile überwinden …

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Die Autorin:

Teresa Simon ist das Pseudonym der promovierten Historikerin und Autorin Brigitte Riebe. Sie ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale und lässt sich immer wieder von historischen Ereignissen und stimmungsvollen Schauplätzen inspirieren. Die SPIEGEL-Bestsellerautorin ist bekannt für ihre intensiv recherchierten und spannenden Romane, die tiefe Emotionen wecken. Ihre Romane Die Frauen der Rosenvilla, Die Holunderschwestern und Die Oleanderfrauen wurden alle zu Bestsellern.

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Rezension:

Wer nach einer Lektüre sucht, die mit einem gründlich recherchierten historischen Hintergrund brilliert, eine spannende Handlung und mutige, starke Charaktere miteinander vereint, ist hier genau richtig. Teresa Simon versteht es perfekt, all dies in ihren Geschichten zu verpacken und sorgt immer wieder für gute Unterhaltung.

“Glückskinder” weicht von den bisherigen Romanen, die wir von der Autorin kennen ab. Wir wechseln dieses Mal nicht zwischen unterschiedlichen Zeitebenen hin und her. Die Ereignisse gestalten sich dennoch nicht weniger fesselnd.

Wir bewegen uns zurück in der Zeit. Das Ende des zweiten Weltkrieges steht kurz bevor und die Konzentrationslager werden geräumt. Auf Gewaltmärschen bei klirrender Kälte, verloren noch viele Frauen und Männer ihre Hoffnung und ihr Leben. Auf diesem Weg begegnen wir Griet van Mook, die mit unerschütterlicher Willenskraft nicht nur ihr Leben sondern auch das einer Freundin rettet. Viele glückliche und teils schicksalhafte Fügungen bringen sie am Ende nach München.

Im München erleben die Frauen der Familie Brandl die letzten Kriegstage und den Einmarsch der Alliierten mit gemischten Gefühlen. Wir treffen auf sehr unterschiedliche Charaktere, die diese widrigen Zeiten durch einen engen Familienzusammenhalt überstehen.

Hier treffen nun Griet und Toni aufeinander. Anfangs scheinen sie wie Feuer und Wasser und haben doch sehr viele Gemeinsamkeiten.

Eine sehr polarisierende Persönlichkeit in der Handlung ist Benno. Verseucht mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten, fällt es ihm schwer, sich der neuen Situation zu stellen. Auf seine Handlungen in Kriegszeiten ist er schon bald nicht mehr stolz. Doch es scheint ein langer Weg zurück in die Normalität.
Teresa Simon versteht es auf ihre besondere Art, uns sogar auf den ersten Blick unsympathische Personen näher zu bringen. Wer sagt, dass Menschen sich nicht ändern können.

Anschaulich und bewegend werden diese Jahre für uns lebendig. Wir spüren die Gefahr auf dem Schwarzmarkt, fühlen die Sorgen und Nöte, die Kälte und den Hunger, die die Menschen beherrschen. Aber auch die Sehnsucht nach Normalität und einem besseren Leben, das Erwachen von Träumen, sind greifbar. Wir bangen und hoffen mit Ihnen, lachen und weinen. Wir begegnen windigen Glücksjägern und bodenständigen Helden. Und ein Geheimnis gibt es auch noch zu lüften.

“Glückskinder” hat schon nach wenigen Seiten einen intensiven Sog entwickelt, der mich bis zum letzten Satz nicht losgelassen hat. Emotional fordert Teresa Simon wieder sehr viel von uns Lesern, belohnt aber durch wunderbare sprachliche Bilder. Es ist eine besondere Zeitreise, auf die wir uns einlassen.
Dieses Buch überhaupt aus der Hand zu legen, fiel mir extrem schwer. Es ist eines meiner absoluten Lesehighlights für 2021.

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Rezension “Mein Bruder heißt Jessica” von John Boyne – FISCHER KJB

  • Gebundene Ausgabe : 256 Seiten
  • Herausgeber : FISCHER KJB; 2. Edition (23. September 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • übersetzt von: Adelheid Zöfel
  • Lesealter : 12 Jahre und älter
  • Originaltitel : My Brother’s Name is Jessica
  • ISBN-10 : 3737342199
  • ISBN-13 : 978-3737342193
  • D: 14,00 Euro

Inhalt:

Der neue aufwühlende Roman von Bestsellerautor John Boyne – emotional, empathisch und ehrlich

Als Einzelgänger hat Sam Mühe, Freunde zu finden, und seine vielbeschäftigten Eltern geben ihm oft das Gefühl, unsichtbar zu sein. Zum Glück war sein älterer Bruder Jason immer für ihn da. Der ist nett, beliebt, supergut im Fußball, und die Mädchen stehen Schlange für ein Date. Doch eines Tages teilt Jason seiner Familie mit, dass er schon seit langem mit einem Geheimnis kämpft. Ein Geheimnis, das bald alle auseinanderzureißen droht. Seine Eltern wollen nichts davon wissen, und Sam versteht es einfach nicht. Denn was machst du, wenn dein Bruder dir sagt, er ist überhaupt nicht dein Bruder? Dass er denkt, er ist eigentlich … deine Schwester?

Das einfühlsame Panorama von Reaktionen auf das Outing einer Transperson – erzählt aus der Sicht des jüngeren Bruders

»Eine Geschichte mit so viel Herz, dass die Seiten praktisch pulsieren. Ein Muss für alle Altersgruppen.«
Irish Independent

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Der Autor:

John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben und bekam bereits als Student erste Auszeichnungen. Nach zahlreichen Kurzgeschichten hat er inzwischen sieben Romane geschrieben, von denen bisher drei auf Deutsch veröffentlicht wurden. Sein 2006 erschienener und bereit kurz darauf erfolgreich verfilmter Roman ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹ wurde in über 40 Sprachen übersetzt, mit zahlreichen nationalen wie internationalen Auszeichnungen und Preisen geehrt und hat weltweit über fünf Millionen Leser gefunden.

Quelle: Amazon

Rezension:

Dieses Buch ist ein typischer John Boyne Roman. Schon auf der ersten Seite bringt die Sprachmelodie seiner Worte ganz besondere Schwingungen auf. Dabei bleibt er im Sprachgefüge gewohnt sporadisch.

Das Thema „Gender“ ist nicht neu, wird aber einmal nicht aus der Sicht des direkt Betroffenen erzählt. Wir finden uns in der Gedankenwelt des zwölfjährigen Bruders Sam wieder. Jason war immer sein Vorbild, sein Idol. Doch plötzlich ist alles anders. Der von allen geliebte und bewunderte Bruder wird zum Außenseiter. Niemand spricht mehr von errungen Erfolgen.
Sam gerät dadurch noch mehr in den Focus seiner Mitschüler, die ihn verbal und körperlich kleinmachen. Hohn und Spott prasseln auf Sam herab.

Den so dringend benötigten Halt finden beide Brüder leider auch nicht in der Familie. Die Eltern sind viel zu sehr mit ihrer beruflichen Karriere beschäftigt. Das Familienleben ist ins Abseits geraten. Verständnis und Zeit fehlen überall. Die Kinder werden mit der Zeit zu schmückendem Beiwerk auf dem Weg zu Ruhm und Erfolg, bis alle ihr Handeln noch einmal überdenken müssen.

Nachdem Jason sich geoutet hat, versinken alle im Chaos. Er bleibt allein mit seinen Ängsten und Zweifeln auf der Suche nach dem richtigen Selbst. Auch Sam treibt orientierungslos durch eine auf den Kopf gestellte Gefühlswelt.

Leider bleiben die Charaktere im Laufe der Handlung irgendwie blass. Ich konnte niemanden wirklich greifen. So war ich zwar stille Beobachterin, aber gefühlsmäßig nicht sonderlich involviert. Einige Passagen sind emotional gut ausgearbeitet, doch meist plätschern die Gedanken und Ereignisse nur zart an der Oberfläche entlang.
Dieser Roman wirkt auf mich halbherzig und zum Ende hin rasch erzählt. Das kann John Boyne eigentlich besser.

„Mein Bruder heißt Jessica“ ist eine nette Geschichte, die auf der Welle der Genderbewegung mitschwimmt, aber nicht sonderlich heraussticht.

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Rezension “Die siebte Zeugin: Justiz-Krimi (Eberhardt & Jarmer ermitteln, Band 1)” von Florian Schwiecker & Michael Tsokos – Knaur TB

  • Herausgeber : Knaur TB; 2. Edition (1. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 320 Seiten
  • ISBN-10 : 3426527553
  • ISBN-13 : 978-3426527559
  • D: 12,99 Euro

Inhalt:

Hochspannend und 100% authentisch:
»Die siebte Zeugin« ist der 1. Teil einer neuen Justiz-Krimi-Reihe aus Berlin mit Insider-Einblicken des ehemaligen Strafverteidigers Florian Schwiecker und des Rechtsmediziners und Bestseller-Autors Michael Tsokos.

An einem Sonntagmorgen wie jeder andere auch verlässt der Verwaltungsbeamte Nikolas Nölting sein Haus in Berlin-Charlottenburg. Er winkt seiner kleinen Tochter zu, schwingt sich aufs Fahrrad und fährt zu einer Bäckerei. Dort schießt er plötzlich aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung um sich. Ein Mensch ist tot, zwei weitere verletzt – und Nikolas Nölting schweigt.
Nöltings Anwalt Rocco Eberhardt steht vor einem Rätsel: Welches Motiv könnte der unauffällige Familienvater für eine solche Tat gehabt haben? Das Ganze erscheint völlig sinnlos – bis der Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer eine überraschende Entdeckung macht, die Rocco Eberhardt mitten in einen Sumpf aus Korruption, Geldwäsche und Clan-Kriminalität führt. Doch wer sich mit der Unterwelt von Berlin anlegt, bringt nicht nur sich selbst in größte Gefahr …

In ihrer Justiz-Krimi-Reihe um den Berliner Anwalt Rocco Eberhardt und den Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer gewähren die Autoren tiefe Einblicke in ihren eigenen Berufsalltag: Florian Schwiecker arbeitete lange Jahre als Strafverteidiger, Bestseller-Autor Michael Tsokos leitet das Institut für Rechtsmedizin der Berliner Charité.

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Die Autoren:

Florian Schwiecker ist 1972 in Kiel geboren und hat viele Jahre in Berlin als Strafverteidiger gearbeitet. Während seiner Tätigkeit für ein internationales Wirtschaftsunternehmen in den USA entstand die Idee zu seinem ersten Thriller „Verraten“. Außerdem empfiehlt Florian Schwiecker regelmäßig Krimis in seiner Thriller-Kolumne auf freundin.de.

Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher sind allesamt Bestseller. Einige seiner True-Crime-Thriller und Sachbücher wurden bereits mit hochkarätiger Besetzung erfolgreich verfilmt. Weitere TV-Produktionen sind in Arbeit. Instagram: @dr.tsokos

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Rezension:

Es ist ein ungewöhnlicher Fall für Anwalt Rocco Eberhardt. Sein Mandant ist eindeutig schuldig. Nölthing selbst äußert sich zu allem, nur nicht zu der Tat selbst oder deren Hintergründen.

Als Strafverteidiger, der für seinen Mandanten das Beste herausholen möchte, eine frustrierende Situation. Doch ebenso sind die ermittlerischen Instinkte von Rocco Eberhardt geweckt. Hilfe findet er unverhofft bei Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer.

Nölthing selbst konnte mich als Person nicht wirklich berühren. Er bleibt, obwohl ständig präsent, doch farblos. Dagegen ist Rocco Eberhardt der perfekte Sympathieträger. Hier wird uns ein tiefer Einblick in sein Familienleben und seine Gefühlswelt gewährt. Seine Ansatzpunkte und Denkweisen in diesem Fall sind spannend in Szene gesetzt. Dr. Justus Jarmer bleibt noch ein wenig im Hintergrund. Seine Persönlichkeit ist auf jeden Fall interessant. Aus Eberhardt und Jarmer könnte sich ein perfektes Duo für weitere spannende Ermittlungen entwickeln.

Realitätsnah erfolgen die Schilderungen zur Tat selbst, aber auch den Hintergründen. Wie lang sind die kriminellen Fallstricke, die überall existieren? In diesem Fall geht es um ethische Grundsätze, die Liebe eines Vaters und Clan-Kriminalität. Das Autorenduo Tsokos und Schwiecker haben einen authentisch wirkenden Fall erschaffen, bei dem der Leser selbst mit einigen Gewissensfragen konfrontiert wird. Wir sind von Beginn an mittendrin.

Was muss passieren, damit ein Mensch keinen anderen Ausweg mehr sieht, wie es bei Nölthing der Fall war? Wie weit würdest Du selbst gehen, um jemanden, den du liebst zu beschützen?

Uns wird ganz nebenbei ein interessanter Einblick in unsere Justiz und die Facetten der Rechtsprechung gewährt.

„Die 7. Zeugin“ beginnt mit einem Pauckenschlag. Wenig später lassen uns Tsokos und Schwiecker bereits erste Verbindungen erahnen.
Gefesselt hat mich hier nicht die Tat selbst oder deren Hintergründe. Es ist das Drumherum, die Ereignisse, die sich an die Schießerei anschließen sowie die Vorgehensweise bei den Ermittlungen und die unverhofften Wendungen, die mich bei diesen Justiz-Krimi gefesselt haben.

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Rezension “Der Zauber von Immerda 2 – Ein Hellseher sieht schwarz” von Dominique Valente – FISCHER Sauerländer

  • Gebundene Ausgabe : 304 Seiten
  • Herausgeber : FISCHER Sauerländer; 1. Edition (25. November 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • übersetzt von: Sandra Knuffinke 
  • Illustration: Sarah Warburton
  • Originaltitel : Starfell – Willow Moss and the Forgotten Tale
  • ISBN-10 : 3737356882
  • ISBN-13 : 978-3737356886
  • D: 15,00 Euro

Inhalt:

Die kleine Hexe Anemona hat mithilfe ihrer magischen Fähigkeiten gerade die Welt gerettet – aber plötzlich scheint ihr Talent, Dinge wiederzufinden, zu schwinden. Ausgerechnet jetzt! Denn der Dunkelseher Arno Dazumal braucht dringend ihre Hilfe: Entführer wollen ihn verschleppen und er hofft, dass Anemona ihn wiederfinden kann. Um Arnos Spur aufzunehmen, müssen Anemona und ihre Freunde in die gefährliche Unterwelt von Nimmerda reisen. Werden sie Arno Dazumal hier wirklich retten?
Der zweite Band der phantasievollen Serie um Anemona und die magische Welt von Immerda: bezaubernd und sprachwitzig! Ausgestattet mit vielen Bildern von Sarah Warburton.

Alle Bände der Serie »Der Zauber von Immerda«:

Die Suche nach dem verschwundenen Dienstag (Band 1)
Ein Hellseher sieht schwarz (Band 2)

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Die Autorin und Mitwirkende:

Dominique Valente wurde in Südafrika geboren und lebt heute in Sussex, England. Bevor sie mit dem Schreiben von Büchern begann, hat sie als Journalistin für Magazine gearbeitet. Da sie aber – wie sie vermutet – an dem Phänomen leidet, mit zunehmendem Alter immer jünger zu werden, zieht sie es heute vor, tagsüber die meiste Zeit im Pyjama zu bleiben und von mürrischen Monstern, schrulligen Drachen und Magie zu träumen. »Der Zauber von Immerda. Die Suche nach dem verschwundenen Dienstag« ist ihr Kinderbuchdebüt.  

Sarah Warburton ist Illustratorin, Mutter und Besitzerin eines Border Terriers, und ihr Zuhause befindet sich in einem überwucherten Garten und einem hübschen Atelier mit vielen Keksen und großen Tassen heißem Tee. Sie lebt in Bristol, England.

Quelle: Amazon

Rezension:

Trotz überstandener Gefahren und unglaublicher Abenteuer, fühlt sich Anemona noch immer minderwertig. Niemand aus ihrer Familie erkennt ihre Kräfte und Leistungen an. Umso mehr leidet sie unter dem Verlust der Großmutter, die sie immer so akzeptierte wie sie war und in ihren Handlungen bestärkte. Als dann auch noch ihre Magie beginnt aus dem Ruder zu laufen, ist Anemona schier am Verzweifeln. Eigentlich findet sie verloren gegangene Dinge wieder, doch plötzlich lässt sie sie auch verschwinden. Sogar ihre Mutter und Schwestern sind davon betroffen.

Ihre Sorgen und Nöte stehen allerdings hinten an, als ein  Freund in Not um Hilfe bittet. Arno Dazumal ist in Schwierigkeiten und nur Anemona ist in der  Lage ihm zu helfen. Unsere kleine Heldin überlegt nicht lange und schon befinden wir uns mitten in einem neuen Abenteuer im Land Immerda bzw. Nimmerda. Neue und alte Weggefährten pflastern dabei ihren Weg.
Holloway und Spig müsst ihr unbedingt kennenlernen. Auch Oswald ist wieder mit dabei und Ihr dürft euch auf seine komischen Sprüche schon jetzt freuen.

Ich habe Anemona und auch das magische Land Immerda bereits mit Band 1 ins Herz geschlossen. Dieses Mal wird es sogar ganz schön düster und um einiges gefährlicher für unsere Nachwuchshexe.

Dominique Valente verpackt in ihrer wahrlich zauberhaften und abenteuerlichen Geschichte erneut wichtige Botschaften. Freundschaft, Vertrauen, Zusammenhalt, Mut und Einfallsreichtum sind gefragt. Wir lernen neue Ecken von Immerda kennen. Die Bücherstadt Libraria ist gewaltig. Ihr würde ich auch sehr gern einen Besuch abstatten.

Untermalt wird die Geschichte erneut von den wundervollen Zeichnungen Sarah Warburtons.

„Der Zauber von Immerda – Ein Hellseher sieht schwarz” birgt ein absolutes Lesevergnügen in sich, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Fantasie und Humor, Spannung und Gefahr, aber auch ganz viel Gefühl beinhaltet diese Fortsetzung.

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Rezension “Talus: Die Hexen von Edinburgh” von Liza Grimm – Knaur Taschenbuch

  • Herausgeber : Knaur TB; 2. Edition (1. Oktober 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 352 Seiten
  • ISBN-10 : 342652628X
  • ISBN-13 : 978-3426526286
  • D: 12,99 Euro

Inhalt:

Eine skeptische Studentin, die plötzlich einem echten Geist gegenübersteht.
Ein begabter Tarotleger, der sich vor der Zukunft fürchtet.
Eine junge Hexe, die ihre Begabung verflucht.
Ein stolzer Wasserhexer, der die Wahrheit sucht.

Sie alle haben einen Herzenswunsch – und als das sagenumwobenene Artefakt Talus auftaucht, scheint die Erfüllung ihrer größten Träume zum Greifen nah. Aber ein so mächtiger Gegenstand ruft auch böse Mächte auf den Plan. Und je näher sie Talus kommen, desto dunkler werden die Geheimnisse, die das Artefakt enthüllt.

Ein Magiekonzept, das ebenso unwiderstehlich ist wie der Zirkel junger Magier: Lassen Sie sich von den Hexen von Edinburgh verzaubern!

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Die Autorin:

Liza Grimm studierte in München Germanistik und verliebte sich währenddessen in Geschichten. Nach ihrem Studium absolvierte sie ein Volontariat bei Neobooks, inzwischen arbeitet sie als Fantasy und Science Fiction Lektorin. Wenn sie gerade nicht schreibt, twittert sie leidenschaftlich gerne über ihren Hund und dreht YouTube-Videos rund um Bücher. 

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Rezension:

Gemeinsam mit Liza Grimm reisen wir nach Schottland, Edinburgh. Was niemand weiß, hier existiert die Welt der Hexen und Zauberei parallel zu der unsrigen. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass sich beide Welten irgendwann berühren und auch vermischen.

Das Setting ist für mich perfekt gewählt. Edinburgh ist mal ein anderer Ort für einen Fantasyroman. Hier treffen Geschichte, alte Bauwerke, verwinkelte Gassen, Geheimnisse und das gewisse Flair an Mystik aufeinander. Alte und neue Elemente verschmelzen miteinander.

Mit jeder Seite wuchsen mir die vier Hauptcharaktere mehr ans Herz. An einigen Stellen bleiben sie noch ein wenig farblos, doch hier erhoffe ich mir bei der Fortsetzung eine Intensivierung.

Es ist diese atmosphärische Stimmung, die zwischen Normalität, Magie und möglichen Geheimnissen schwankt, die mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Die Geschichte selbst entwickelt sich aufgrund der häufigen Perspektivwechsel langsam und dennoch wohnt ihr ein besonderer Zauber inne. Vielleicht, weil es mir beim Lesen wie Erin geht, die sich nach der Magie in ihrem Leben sehnt, von ihr angezogen wird und dieser doch ein wenig skeptisch gegenübersteht.

Es läuft immer auf die eine Frage: „Was wäre wenn?“ hinaus. In der Vergangenheit schlummern Geheimnisse, die in diesem Buch noch nicht gelüftet wurden. Nicht immer sind unsere innigsten Herzenswünsche die, die wir denken, dass sie es sind. Auch hier hege ich große Erwartungen, wohin sich die Geschichte in der Fortsetzung entwickeln wird. Es bleibt spannend.

Liza Grimm ist mit „Talus: Die Hexen von Edinburgh„ ein mystischer, facettenreicher und magischer Fantasyroman gelungen. Stellenweise recht düster, ist die Geschichte doch von einem feinen Humor durchzogen, der diese Stellen immer wieder aufhellt.

Der Cliffhanger am Schluss ist richtig fies. Gerade hier wollte ich doch weiterlesen, wissen, was an diesem Wendepunkt passiert. Ich hoffe, ich kann Band 2 bald in den Händen halten.

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Zwiebelchens Plauderecke meldet sich zurück

Zwei Monate war es hier ruhig, doch nun melde ich mich mit neuem Elan zurück.

Die Diagnose mit sofortiger Augen-OP Ende November hat mit kalt erwischt und ganz schön aus der Bahn geworfen. Trotz schlechter Prognose hat sich das Auge wieder ganz gut erholt. Zwar ist die Sehkraft geringer und viele Dinge anstrengender als zuvor, doch ich bin optimistisch.

Über Wochen hinweg kein Buch in die Hand nehmen zu dürfen bzw. es auch gar nicht zu können, ist echt blöd. Vor allem, wenn man wie ich Bücher und die damit verbundenen Reisen in andere Welten für seinen seelischen Ausgleich braucht. Neben meinem ungeliebten Job (wenn ihr also ein tolles Angebot für mich habt…..) und dem Homeschooling am Nachmittag mit meinen beiden jüngeren Kindern sowie den alltäglichen Dingen, ist Lesen für mich Balsam. In all den unterschiedlichen Geschichten finde ich die notwendige Auszeit, um meinen Akku wieder aufzutanken. So langsam wurde ich für meine Familie unerträglich.

Doch nun geht es aufwärts. Ich habe sogar mein erstes Buch für 2021 ausgelesen und es ist schon jetzt eines meiner besonderen Highlights für dieses Jahr. “Hard Land” von Benedict Wells erscheint zwar erst am 24.02.2021, doch diesen Termin solltet ihr euch bereits dick im Kalender markieren. Mehr darf ich an dieser Stelle noch nicht verraten.

Ab morgen starten auf dem Blog wieder die Rezensionen.

Mein Lesevolumen muss ich zwangsweise noch drosseln, so dass ich nicht genau abschätzen kann, wie oft und wie viele Bücher ich Euch in der nächsten Zeit vorstellen kann.
Ein paar Bücher, die ich bereits vor der Operation gelesen hatte, warten auf ihre Besprechung. Hinzu kommen stapelweise Hörbücher. Wer selbst nicht lesen darf, muss sich eben vorlesen lassen. Mein Verhältnis zu Hörbüchern hat sich wesentlich verbessert. Sie sind jedoch kein langfristiger Ersatz für das eigene Erlesen von Geschichten. Es ersetzt nicht die Gefühle und Bilder, die sich mir beim Selbstlesen erschließen. Auch hier gibt es ein paar wahre Schätze, die ich Euch ans Herz legen werde.
Neben “Hard Land” kommen in den nächsten Monaten weitere tolle Bücher heraus, auf die ich mich sehr freue. Langeweile kommt so auf keinen Fall auf.

Ich freue mich schon wieder sehr auf die Zeit mit Euch und meinem Blog.

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Zwiebelchens Plauderecke geht in Zwangspause

Wie Ihr sicher mitbekommen habt, ist es hier seit einer Woche sehr ruhig.
Auf Grund einer akuten Netzhautablösung und erfolgter OP muss Zwiebelchens Plauderecke in die Zwangspause. Derzeit sind Lesen und Schreiben verboten. Jetzt heißt es abwarten und Daumen drücken.

Doch ich möchte Euch auf jeden Fall (mit Hilfe meiner lieben “Sekretärin”) eine schöne Adventszeit und ein wundervolles Weihnachtsfest wünschen.Trauert nicht dem nach, was hätte sein können, genießt das, was Ihr habt und vielleicht öffnet sich ja auch eine bisher verborgene Tür für ganz neue Wege.

Alles Liebe
Eure Anja / Zwiebelchen

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Rezension “Trümmermädchen – Anna Traum vom Glück” von Lilly Bernstein – Ullstein Taschenbuch

  • Taschenbuch : 512 Seiten
  • Herausgeber : Ullstein Taschenbuch; 1. Edition (2. November 2020)
  • Sprache: : Deutsch
  • ISBN-13 : 978-3548063416
  • ISBN-10 : 3548063411
  • D : 10,99 Euro

Inhalt:

Eine zerstörte Bäckerei in einer zerbombten Stadt. Ein eisiger Winter, der tausende Opfer fordert. Und mittendrin zwei Frauen, die ums Überleben kämpfen, um die Liebe und die Erfüllung ihres Traums

Köln, 1941. Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, einem Bäckerehepaar. Das Mädchen liebt die Backstube über alles, besonders den großen Ofen aus Vulkanstein. Doch mit dem Krieg kommt das Unglück: Matthias wird eingezogen und die Bäckerei bei Luftangriffen zerstört. Während Köln in Trümmern liegt und vom kältesten Winter des Jahrhunderts heimgesucht wird, schließt Anna sich in ihrer Not einer Schwarzmarktbande an und steigt zur gewieftesten Kohlediebin der Stadt auf. Als sie am wenigsten damit rechnet, verliebt sie sich – eine verbotene Liebe mit gefährlichen Folgen. Von Kälte, Hunger und Neidern bedroht, halten Anna und ihre Tante verzweifelt an dem Traum fest, die Bäckerei wiederaufzubauen. Und an der Hoffnung, dass die Männer, die sie lieben, irgendwann zu ihnen zurückkehren.

Quelle: Amazon

Die Autorin:

Lilly Bernstein ist das Pseudonym der Kölner Journalistin und Autorin Lioba Werrelmann, deren Debütroman Hinterhaus 2020 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. Sie stammt aus einer Bäckersfamilie und wuchs zwischen Laden und Backstube auf. Ihre Mutter ist ebenfalls Bäckerskind und hat die Nachkriegszeit noch in lebendiger Erinnerung. Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück ist Lilly Bernsteins persönlichster Roman. Mit seiner Veröffentlichung geht für die Autorin ein Herzenswunsch in Erfüllung.

Quelle: Amazon

Rezension:

Herausgerissen aus einer sorglosen und behüteten Kindheit bei ihrer Tante Marie und Onkel Matthias muss Anna viel zu früh erwachsen werden. Dabei ist sie klug und mutig. Eigenschaften, die ihr helfen diese Zeit zu überstehen.
Der kleine Karl wird in eine Trümmerlandschaft voller Entbehrungen hineingeboren. Seinen Vater kennt er nur aus Erzählungen und einer Fotografie.

Für Marie sind diese Kriegsjahre nicht einfach. Die Sorge um ihre beiden Kinder reibt sie auf und doch ist sie bereit alles für Anna und Karl zu opfern. Auch nach Kriegsende wird es nicht leichter. Matthias bleibt verschollen und der harte Winter hungert die Menschen aus.

Dennoch gibt es in dieser kleinen Familie eine warme und tiefe Liebe zueinander. Trotz aller Härten verlieren sie ihre Menschlichkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft nicht.

Lilly Bernstein hat einen sensiblen und berührenden Roman geschrieben, der uns die volle Tragweite der geschichtlichen Ereignisse in dieser Zeit vor Augen führt, aber auch die großen und kleinen Wunder, die geschehen können. Manchmal ist es ein winziger Moment, ein glücklicher Zufall, der das Schicksalsrad in eine andere Richtung lenkt.

Kälte, Angst und Hunger, aber auch Hoffnung und Liebe sind so präsent, dass man es als Leser direkt spürt. Der verlockende Duft frischgebackenen Brotes liegt förmlich in der Luft.

Wie schmerzhaft Hunger und Kälte sein können, ist für uns kaum noch vorstellbar. Die Qual, geliebte Menschen, allen voran Kinder leiden zu sehen, ohne helfen zu können, muss unerträglich sein.
Der Genuss einer winzigen Mahlzeit, die trotz beißendem Hunger andächtig genossen wird, hinterlässt ein klammes Gefühl.

Lilly Bernstein lässt uns mit ihren Protagonisten lachen und weinen, bangen und hoffen, lieben und mutig vorangehen.

Gerade heute sollten wir diesen Roman lesen und darüber nachdenken, wie gut es uns geht. Welches Glück wir haben, im Hier und Heute leben zu dürfen. Wie falsch und anmaßend aktuelle Vergleiche mit Menschen sind, die diese Zeit wahrer Entbehrungen erleben mussten oder im Kampf für eine bessere Zukunft ihr Leben gaben.

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Rezension “Wenn das Licht gefriert” von Roman Klementovic – Gmeiner Verlag

  • Taschenbuch : 349 Seiten
  • Herausgeber : Gmeiner-Verlag; 2020. Edition (9. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch
  • ISBN-10 : 3839227704
  • Abmessungen : 13.5 x 3 x 21.1 cm
  • ISBN-13 : 978-3839227701
  • D : 16,00 Euro

Inhalt:

Seit 40 Jahren schon ist Elisabeth mit Friedrich verheiratet – glücklich, trotz einiger Schicksalsschläge. Auch seine Alzheimererkrankung kann ihre Liebe nicht erschüttern. Doch eines Abends ist er besonders verwirrt. Während eines TV-Beitrags über den seit 22 Jahren ungeklärten Mord an der besten Freundin ihrer Tochter gibt er Verstörendes von sich. Er erwähnt Details, die er gar nicht kennen dürfte. In Elisabeth regt sich ein schlimmer Verdacht …

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Der Autor:

Roman Klementovic, geboren 1982 in Wien, arbeitete viele Jahre im Marketing bevor er seine Liebe zum Schreiben entdeckte. Seitdem ist er kaum von seinem Notebook zu trennen und tüftelt ständig an neuen Geschichten.

Quelle: Amazon

Rezension:

Es ist ein Cold Case, der durch die Reporter einer Fernsehsendung nach fast 22 Jahren erneut aufgerollt wird. Nicht verheilte Narben brechen mit Macht auf und entfachen einen Sturm aus Gewalt.

Elisabeth scheint in diesen Fall auf tragische Weise involviert zu sein. Die Demenzerkrankung ihres Mannes und damit verbundene Äußerungen werfen Fragen auf und das Misstrauen erwacht.
Wer schützt wen? Was geschah damals wirklich? Und dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Die Schatten der Vergangenheit manifestieren sich im Heute.

Trauer und unverarbeitete Gefühle, Verdächtigungen, die wie Pech an den Betroffenen kleben, summieren sich zu einer brisanten Mischung. Wir erleben, wie dieser eine Tag, der mit einem Mord endete, das Leben der Menschen im Umfeld von Anna beeinflusst und verändert hat. Solange der Mörder nicht gefasst wird, werden die Bewohner dieser Kleinstadt nicht zur Ruhe kommen.

Überraschende Wendungen und ein spannendes Szenario machen diesen Thriller zu einem Leseerlebnis. Geschickt verknüpfte Perspektivwechsel geben uns ein umfassendes Bild. Es sind die leisen Zwischentöne, die eine düstere und teils bedrohliche Atmosphäre schaffen. Dabei verzichtet der Autor auf blutige Gemetzel. Gut platzierte Cliffhanger machen die kleineren Längen wieder wett. Dabei hat mir die Ausgestaltung der Dialoge sehr gefallen.

Roman Klementovic führt uns in die Irre, legt falsche Spuren und wir kommen der Wahrheit nur soweit nahe, wie er es zulässt. Am Ende setzt der Autor noch ein Pünktchen oben drauf und wartet mit einer Überraschung auf. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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