Rezension “Der Junge” von Alex Dahl – Goldmann Verlag

  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (21. Januar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • übersetzt von Eva Kemper
  • ISBN-10: 3442488125
  • ISBN-13: 978-3442488124
  • Originaltitel: The Boy at the Door
  • D: 10,00 Euro

Inhalt:

Cecilia Wilborg führt ein Leben, von dem die meisten Menschen nur träumen können. Sie wohnt mit ihrem erfolgreichen Mann und den gemeinsamen Töchtern in einer friedlichen und wohlhabenden Kleinstadt in Norwegen. Doch eines Tages wird sie gebeten, sich um einen kleinen Jungen zu kümmern, der plötzlich in der örtlichen Schwimmhalle aufgetaucht ist. Keiner weiß, wo Tobias herkommt oder wer er ist. Dann wird eine tote Frau gefunden, die man für seine Mutter hält. Aber Tobias kommt auch Cecilia merkwürdig vertraut vor. Hat sie ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt? Und wie weit ist sie bereit zu gehen, um es zu schützen?

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Die Autorin:

Alex Dahl ist halb Norwegerin, halb Amerikanerin und lebt in Norwegen und London. Sie ist eine entfernte Verwandte von Roald Dahl, spricht fließend Deutsch und Französisch und hat einen Master in Kreativem Schreiben.

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Rezension:

Dieses Buch hat mich sehr aufgewühlt. Ich wollte es mit Distanz lesen, doch als Mutter konnte ich nicht aus meiner Haut und hatte dadurch meinen ganz eigenen Blick auf die Ereignisse.

Cecilia ist privilegiert, weiß aber ihr Leben und die damit verbundenen Annehmlichkeiten nicht zu schätzen. Sie ist egoistisch und unzufrieden. Dann wiederum entdeckt man eine Verletzlichkeit und Unsicherheit in ihr, die dazu beitragen, dass man als Leser trotz allem ein wenig Sympathie und vor allem Mitleid mit ihr empfindet.

Als Tobias auftaucht und Cecilia mit der Verantwortung für diesen kleinen Jungen konfrontiert wird, gerät ihr bis dahin geordnetes Leben aus den Fugen. Wer ist Tobias und woher kommt der kleine Junge? Was verbindet Cecilia mit Tobias?

Nach und nach erfahren wir mehr über die Ereignisse, die Jahre zurück liegen und nun ihre Schatten auf die Gegenwart legen. Cecilia ist eine notorische Lügnerin, die sich ihr Leben auf der Sonnenseite mit Halbwahrheiten und Schönrednerei, ähnlich einem Kartenhaus, errichtet hat. Als sich die Ereignisse zuspitzen, gerät dieses Konstrukt gefährlich ins Wanken.

Wichtig für die Ereignisse ist eine weitere Person, die mich fasziniert hat. Anni.

Anni hat in ihrem Leben sehr viele Fehler begangen und geriet immer wieder an die falschen Personen. In ihr steckte so viel Potential. Leider hat sie sich viele Möglichkeiten selbst kaputt gemacht, doch der gute Kern blieb immer erhalten.

Im Laufe der Handlung drängt sich ein Vergleich zwischen Cecilia und Anni geradezu auf. Dabei muss man zum Schluss Anni, trotz aller Fehler, ein großes Maß an Hochachtung zollen. Dagegen schüttelt man über Cecilias Gedankengänge und Handlungen immer wieder den Kopf.

Alex Dahl ist mit “Der Junge” eine kritische Gesellschaftsstudie in Form eines intelligent ausgearbeiteten Psychothrillers gelungen. Der Spannungsbogen hat mich bis zum Schluss gefangen gehalten. Ihm ist es gelungen, keinen der Charaktere als grundsätzlich böse darzustellen. In den Lesern wird für jede der handelnden Personen auch ein gewisses Maß an Verständnis, Mitgefühl und Sympathie zum Leben erweckt. Wir erleben dadurch eine große Bandbreite an Emotionen.

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Rezension “Mutterherz – Geschichten für die beste Frau der Welt” – dtv Verlag

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (29. März 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423217251
  • ISBN-13: 978-3423217255
  • D: 12,00 Euro

Inhalt:

Alles Gute zum Muttertag!

Eine unterhaltsame Geschichtensammlung und ein attraktives Geschenkbuch, um Müttern eine Freude zu machen, um zu zeigen, dass man an sie denkt – oder um ganz einfach mal »Danke« zu sagen. Mit heiteren, nachdenklichen und originellen Erzählungen rund um »die beste Frau der Welt«. Eine schöne Geschenkidee für viele Gelegenheiten.


Mit Geschichten u.a. von: Arno Geiger, Rafik Schami, Daniel Glattauer, Wladimir Kaminer, Dora Heldt, Frank Goldammer, Ulrike Herwig und viele mehr

Quelle: Amazon

Rezension:

Dieses kleine, aber feine Büchlein kam bereits im vergangenen Jahr zum Muttertag heraus und fand einige Wochen später den Weg in mein Bücherregal. Ursprünglich wollte ich es direkt am 12. Mai dieses Jahres vorstellen, doch das Leben geht manchmal andere Wege…

Ich möchte die darin enthaltenen Geschichten und Anekdoten aber gar nicht so sehr auf einen einzigen Tag im Jahr festmachen. Ein Mutterherz schlägt lebenslang für die Kinder und wir alle können immer und überall sagen: “Mama, ich habe Dich lieb!“.

Aufmerksam bin ich auf das Buch aus dem Hause der dtv Verlagsgesellschaft geworden, da darin eine Geschichte von Frank Goldammer enthalten ist und ich einfach neugierig war. Dabei befindet er sich in illustrer Gesellschaft, wie z. B. von Dora Heldt, Doris Lessing, Heinrich Böll und Erich Kästner, um nur einige Namen aufzuführen. Mal witzig, mal nachdenklich, traurig oder voller Liebe beleuchten sie die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Verhältnis zwischen Müttern und ihren Kindern.

Insgesamt dürfen sich die Leser auf fünfundzwanzig Kurzgeschichten freuen, die so unterschiedlich sind, wie die in dieser Anthologie vereinten Autoren.

“Mutterherz” kann man wirklich immer und überall lesen. Mal an einem Stück oder jeden Tag eine weitere Geschichte. Als Geschenkidee ist es zu allen Gelegenheiten geeignet.

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Rezension “Canterbury Symphony: Ein Krimi aus Kent und Schottland” von Gitta Edelmann – Dryas Verlag

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Dryas Verlag; Auflage: 1 (5. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940258911
  • ISBN-13: 978-3940258915
  • D: 11,95 Euro

Inhalt:

Auf Bitten des Pubbesitzers Canny ist Ella Martin, Liebesromanautorin und Hobbydetektivin, nach Schottland gereist. Sie soll dort nach dem Rechten sehen, denn Cannys Tante Flora behauptet, in ihrem Altenheim bestohlen zu werden. Oder wird die alte Dame langsam dement, wie die Leiterin von Scorrybreac House es behauptet?

Ella nutzt die Reise in den Norden auch, um sich über ihre Gefühle für Detective Inspector Alex Drake klar zu werden. Sie träumt von einsamen Wanderungen und gemütlichen Schreibabenden mit einem Gläschen Whisky.

Doch bei ihrer Ankunft auf der Isle of Skye wirkt die alte Dame auf Ella kein bisschen verwirrt. Dafür scheinen einige Leute in Scorrybreac House Geheimnisse zu haben: der charmante Witwer ebenso wie die blauhaarige Krankengymnastin. Was bleibt Ella anderes übrig, als den Dingen auf den Grund zu gehen?

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Die Autorin:

Gitta Edelmann wurde in Offenburg geboren. Bevor sie das Schreiben zum Beruf machte, arbeitete sie als Fremdsprachenassistentin, Übersetzerin und Sprachlehrerin in Deutschland, Brasilien und Schottland. Jetzt lebt sie in Bonn.
Geschrieben hat sie eigentlich immer – Briefe, Gedichte, Reisetagebücher, später Geschichten für ihre vier Kinder. Seit 2004 veröffentlicht sie Romane und Kurzgeschichten in verschiedenen Genres für Kinder und Erwachsene.
Besonders Gitta Edelmanns Canterbury-Krimi-Reihe und ihre historischen Romane “Badisches Wiegenlied” und “Himmelsliebe” haben ein breites Publikum gefunden.
Die Autorin ist Mitglied in mehreren Autorenvereinigungen und gibt neben Lesungen auch Workshops für Kreatives Schreiben.
www.gitta-edelmann.de

Quelle: Amazon

Rezension:

Ich liebe es, zwischendurch immer mal wieder einen Cosy-Krimi zu lesen. Hier geht es weniger blutig zu und das Augenmerk richtet sich vorrangig auf die Handlungsorte und Menschen, denen man dort begegnet. Der Einladung, mit Ella nach Schottland zu reisen, konnte ich daher nicht widerstehen.

Um es gleich vorweg zu nehmen. Bei “Canterbury Symphony” handelt es sich um die Fortsetzung einer Reihe. Da mir die bisher erschienen Teile nicht bekannt sind, kann ich mit gutem Gewissen sagen, es liest sich auch als einzelnes Buch prima.

Ella ist Schriftstellerin und betätigt sich in ihrer Freizeit gern einmal als eine Art Miss Marple. So war für Canny klar, sie muss in einem sehr heiklen Fall, seine Familie betreffend, ihre kriminalistischen Fähigkeiten nutzen.

Ella besucht daher Cannys Tante Flora in ihrer Altersresidenz in Schottland.
Leidet Tante Flora unter beginnender Demenz oder ereignen sich wirklich unerklärliche Dinge rings um sie herum?

Ella ist in ihrer Art, die Ermittlungen zu führen, recht unbeholfen und tollpatschig. Dafür sind die Bewohner von Scorrybreac House umso interessanter. Über diese hätte ich sehr gern mehr erfahren. All diese Personen waren wunderbar schillernd gezeichnet.

Die Handlung selbst plätschert ein wenig vor sich hin und lebt vorrangig von den Geschichten rund um Tante Flora und ihre Mitbewohner. Am Ende gibt es für die Leser dann doch noch einen kurzen Adrenalinschub.

Auch wenn die Auflösung schon sehr schnell erkennbar war, habe ich mich mit Ella in Scorrybreac House rundherum wohl gefühlt.

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Rezension “Die Alpen sehen und sterben” von Isabella Archan – Emons Verlag

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (21. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3740805412
  • ISBN-13: 978-3740805418
  • D: 11,90 Euro

Inhalt

Killerjagd mit Alpenblick

Ein kaltblütiger Mord im idyllischen Kufstein. Die einzige Zeugin ist Mitzi, eine naive junge Frau. Was sie zunächst aus der Bahn wirft, übt bald eine düstere Faszination auf sie aus, und sie kommt dem Täter immer näher. Kann die ehrgeizige Inspektorin Agnes Kirschnagel, die mit der Aufklärung des Falls betraut ist, ihr trauen? Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Menschen sterben. Und der Killer findet immer größeren Gefallen an der »MörderMitzi«.

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Die Autorin:

Nach vielen Jahren als Schauspielerin an Staats- und Stadttheatern in Österreich, der Schweiz und Deutschland lebt und arbeitet Isabella Archan heute freiberuflich in Köln. Hier begann auch ihre Laufbahn als (Krimi-)Autorin. Neben dem Schreiben ist die gebürtige Grazerin immer wieder im TV zu sehen, u.a. im Kölner »Tatort« und in der »Lindenstraße«. Ihre MordsTheaterLesungen zu ihren Krimis erfreuen sich großer Beliebtheit. www.isabella-archan.de

Quelle: Amazon

Rezension:

Isabella Archan schreibt Krimis mit wunderbar chaotischen, dafür umso liebenswerteren Protagonisten. Die Mischung aus Kriminalroman, Komik und einem unverwechselbaren Humor begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Mitzi ist eine traumatisierte junge Frau, die im Leben noch nicht wirklich angekommen ist. Unversehens stolpert sie in das Szenario eines Mordes und das Leben des Auftragskillers. Fasziniert von der unheimlichen Atmosphäre und dem düsteren Charisma von Sam gerät sie in einen Strudel der Ereignisse, aus dem ich fast keinen Ausweg mehr erkennen konnte.

Ihre Naivität ist so schräg, dass man Mitzi bereits nach den ersten Seiten für immer lieb gewinnt. Auch Sam bleibt nicht unbeeindruckt. Mitzi nistet sich in einer kleinen Ecke des Herzens dieses kaltblütigen Mörders ein.

Aber auch mit Kriminalhauptkommissar Heinz Baldur hat Isabella Archan einen wundervollen Charakter ins Spiel gebracht. Trotz seines gespaltenen Wesens, ist er hochsensibel und intelligent. Manchmal ist Luis an seiner Seite, aber nur er selbst kann ihn sehen und mit ihm sprechen. Heinz Baldur hat mich extrem fasziniert.

Der Mörder ist bereits zu Beginn der Handlung bekannt und doch tut dies der Spannung an keiner Stelle Abbruch. Die Interaktionen zwischen Mitzi und Sam halten den Leser in Atem. Ich hatte neben dem Herzklopfen und meiner Angst um Mitzi unheimlich Spaß.

“Die Alpen sehen und sterben” ist ein ungewöhnlicher Krimi und verspricht pure Unterhaltung.

Isabella Archan veranstaltet immer wieder tolle Theaterlesungen. Leider konnte ich selbst noch keine erleben, dafür hatte ich das Vergnügen die Mörder-Mitzi auf der Buchmesse in Leipzig kennenzulernen. Ich kann nur sagen, sollte sich für Euch die Gelegenheit ergeben, besucht unbedingt eine dieser besonderen Lesungen.

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Rezension “Kurt” von Sarah Kuttner – S. Fischer Verlag

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: S. FISCHER; Auflage: 5. (13. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3103974248
  • ISBN-13: 978-3103974249
  • D: 20,00 Euro

Inhalt:

Von der Suche nach Familie, der Sehnsucht nach dem richtigen Ort und darüber, dass nichts davon planbar ist 

»Ich bin mit zwei Kurts zusammengezogen. Einem ganzen Kurt und einem Halbtagskurt. Jana und Kurt haben sich entschieden, dass sie ihr Sorgerecht teilen, vor allem wenn Kurt schon extra aufs Land zieht. Und so pendelt das Kind nun wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle Menschen, die er liebt. 
Und dann bin da noch ich.«

Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhause sein soll. Doch als der kleine Kurt bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, deren Zentrum in Trauer implodiert. 

Sarah Kuttner erzählt von einer ganz normalen komplizierten Familie, davon, was sie zusammenhält, wenn das Schlimmste passiert. Sie erzählt von dieser Tragödie direkt und leicht und zugleich mit einer tiefen Ernsthaftigkeit, so einfach und kompliziert, wie nur Sarah Kuttner das kann.

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Die Autorin:

Sarah Kuttner wurde 1979 in Berlin geboren und arbeitet als Moderatorin. Sie wurde mit ihren Sendungen »Sarah Kuttner – Die Show« (VIVA) und »Kuttner.« (MTV) bekannt und arbeitete mehrfach für die ARD. Bei zdf.neo hat sie das Großstadtmagazin »Bambule« und die Talkshow »Kuttner plus Zwei« moderiert. Seit 2016 produziert und moderiert sie die monatliche Veranstaltungsreihe »Kuttners schöne Nerdnacht« und seit 2017 moderiert sie gemeinsam mit Stefan Niggemeier den Podcast »Das kleine Fernsehballett« auf Deezer. Ihre Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress wurden im Fischer Taschenbuch Verlag veröffentlicht. Ihr erster Roman »Mängelexemplar» erschien 2009 und stand wochenlang auf der Bestsellerliste. Danach erschienen die Romane »Wachstumsschmerz« (2011) und »180 Grad Meer« (2015). Sarah Kuttner lebt in Berlin.

Quelle: Amazon

Rezension:

“Kurt” lag bereits einige Zeit vor der Leipziger Buchmesse auf meinem Tisch. Ich nahm das Buch immer wieder zur Hand und traute mich dann doch nicht, es zu lesen. Dabei hatte ich es willentlich ausgesucht und wusste, was auf mich zukommen würde. Am Ende fehlte mir fast der Mut.

Doch dann kam die Leipziger Buchmesse und Bini von Literatwo nahm mir ein wenig die Angst vor dem, was mich mit dieser Geschichte erwartete. Nachdem ich dann auch noch Sarah Kuttner im Gespräch zu “Kurt” in Leipzig erleben durfte, war die Tür endgültig geöffnet. So ließ ich mich auf eine bittersüße, traurige, lustige, warmherzige und bewegende Geschichte ein.

Ich traf auf zwei Kurts gleichzeitig und musste mittendrin einen gehen lassen. Mein emotionales Problem mit dem Buch war und ist es noch immer, ich bin selbst Mutter eines süßen und aufgeweckten sechsjährigen Jungen. Ich sah nicht den kleinen Kurt vor mir, sondern meinen eigenen Sohn. Sarah Kuttner hat es allerdings geschafft, diesen gefährlichen Eisblock gekonnt zu umschiffen, bevor die Emotionen überschwappten.

Kurts Verlust schmerzt tief. Dieser Verlust ist das Zentrum aus dem heraus sich die weiteren Ereignisse und Gefühlswelten entwickeln. Dennoch legt die Autorin nicht den Focus auf diesen einen Moment. Es ist passiert, niemand war schuld und niemand kann dafür bestraft werden. Doch gerade diese Situation ist so schlimm. Man kann seine Wut und Trauer nicht auf jemanden loslassen. Es gibt keine Schuldzuweisungen, die die Last vielleicht ein wenig verringern könnten. Und auch schöne Erinnerungen können grenzenlosen Schmerz auslösen.

Wie kann man den Verlust eines Kindes überwinden? Das Karussell des Lebens dreht sich unaufhörlich weiter. Die Welt ringsherum bleibt nicht stehen. Nur man selbst fühlt sich wie festgefroren und aus der Bahn geworfen.

Es ist vor allem Lena mit ihrer Unsicherheit, ihrer Liebe und Trauer, die mich angesprochen hat. Der Schmerz der Eltern und Großeltern findet Beachtung und Verständnis. Doch an Lena denkt dabei niemand. Es spricht auch niemand wirklich mit ihr. Sie selbst verbirgt ihre Unsicherheit. Gerade nach Kurts Unfall fühlt sie sich ins Abseits gedrängt. Sie ist durcheinander, einsam und fragt sich, inwieweit sie das Recht hat zu trauern. Dabei ist Lena viel stärker als sie selbst glaubt.

Jetzt denkt aber nicht, dass die Geschichte von Traurigkeit durchzogen ist und die Leser schwermütig durch die Seiten schleichen. Sarah Kuttner schreibt leicht und bildhaft. Kleine Einschübe lockern die ernste Stimmung auf. Sie zeigt uns ebenso die schönen Seiten des Lebens und viele verschiedene Facetten der Liebe.

“Kurt” ist intensiv und geht unter die Haut. Es ist weder kitschig, noch zeigt uns Sarah Kuttner einen rosaroten Ausweg. Wie sagte Sarah Kuttner im Gespräch so schön. Sie möchte nur einen ganz normalen Alltag beschreiben.

Wir begleiten die Protagonisten eine Zeitlang auf ihren Wegen durch eine harte Zeit. Es ist ein Suchen und Finden.
Wir sind an ihrer Seite, verlaufen uns mit ihnen in der Finsternis und entdecken am Ende einen Lichtstrahl, der uns in eine Zukunft führt, die als noch unbeschriebenes Blatt darauf wartet, entdeckt zu werden. Alles ist möglich.

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Rezension “Liebe Mrs. Bird” von AJ Pearce – Kindler Verlag

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Kindler Verlag; Auflage: 3. (25. September 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • übersetzt von Silke Jellinghaus
  • ISBN-10: 9783463400976
  • ISBN-13: 978-3463400976
  • ASIN: 3463400979
  • Originaltitel: Dear Mrs Bird
  • D: 20,00 Euro

Inhalt:

Der Sunday Times Top Ten Bestseller: Eine Liebeserklärung an die Macht der Freundschaft und den Mut einfacher Menschen in schwierigen Zeiten.
London 1941. Emmeline Lake träumt davon, Kriegsreporterin zu werden. Als sie eine Anzeige für einen Job beim London Evening Chronicle sieht, scheint ihr Traum in greifbare Nähe gerückt zu sein. Stattdessen stellt sich heraus, dass sie als Sekretärin bei der respekteinflößenden Kummerkastentante Henrietta Bird arbeiten soll. Ihre Hauptaufgabe wird darin bestehen, die Leserbriefe für Mrs.Bird vorzusortieren. Die Anweisungen ihrer Chefin sind unmissverständlich: Alle Briefe, die irgendwie anstößig sind, gehen sofort in den Papierkorb. Doch Emmy liest Briefe von Frauen, die mit ihren Verlobten zu weit gegangen sind oder die sich von ihren Männern mehr körperliche Aufmerksamkeit wünschen. Emmy fühlt mit ihnen: Sie beginnt, den Frauen Antworten zu schreiben. Und unterzeichnet mit Mrs. Bird …

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Die Autorin:

AJ Pearce wuchs in Hampshire auf uns studierte an der University of Sussex. Sie arbeitete in Zeitschriftenverlagen und im Marketing. Heute lebt sie in Südengland. “Liebe Mrs Bird” ist ihr erster Roman. Sie hat unzählige Kisten mit Fotos, Zeitschriften und Flyern aus der Zeit durchforstet, in der ihr Buch spielt.

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Rezension:

Wenn es um die Zeit des Nationalsozialismus geht, sprechen wir vorrangig über die Opfer oder Täter. Die Helden dieser Zeit werden geachtet und in vielen Dokumenten gewürdigt und am Leben gehalten. Auch ich lese und schreibe oft über diesen Bereich unserer Geschichte.

Doch über die kleinen Alltagshelden, diejenigen, die wie selbstverständlich einen kleinen, für uns alle normal erscheinenden Beitrag, für den Fortgang des Lebens leisteten und mit Einsatz ihres eigenen Lebens, viele Menschen retteten, sprechen wir kaum.

Emmeline eine Heldin zu nennen, klingt für viele Leser sicher unrealistisch. Dennoch empfinde ich es für mich so. Neben ihrer nicht immer ungefährlichen Arbeit bei der Feuerwache, ist sie ein Wagnis eingegangen. Um zu helfen, hat sie ihre Träume und ihre Zukunft aufs Spiel gesetzt. Sie hat Grenzen überwunden und damit Leben verändert.

Neben der Zeitungsredaktion ist die Feuerwache ein wichtiger Schauplatz der Ereignisse. Es war interessant, diesen Männern und Frauen über die Schultern schauen zu dürfen. Sie standen nicht direkt an der Front, retteten aber täglich mit großem Einsatz viele Menschenleben. Auch unter den Feuerwehrmännern und Sanitätern blieben Verluste nicht aus.

In “Liebe Mrs. Bird” geht es nicht um den Krieg selbst, sondern die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Das Leben lief nebenbei weiter und blieb nicht stehen. Die Menschen gingen ihrer Arbeit nach, versorgten die Familie, hingen ihren Träumen nach und mussten sich mit ganz normalen Problemen herumschlagen. Der Krieg überschattet alles und die Alltagsprobleme wurden in den Hintergrund gedrängt. Diese gingen den Betroffenen jedoch genauso nah, wie zu friedlichen Zeiten. Hier kommt Emmeline ins Spiel.

Emmeline hat einen großen Traum. Sie möchte eine ernstzunehmende Journalistin werden. Unverhofft landet sie jedoch bei einem Frauenmagazin. Kann sie hier wahren Journalismus betreiben, evtl. die Welt verändern? Ja und wir erleben bald wie.

Noch besitzt unsere Heldin keine große Lebenserfahrung, aber sie hat ein mutiges, mitfühlendes Herz. Sie möchte den Leserinnen helfen, die sich mit echten, unbequemen Problemen herumschlagen. Oft sind ein offenes Ohr, aufmunternde Worte oder ein guter Ratschlag Gold wert. So beginnt sie, eigenmächtig Leserbriefe zu beantworten. Briefe, aus denen echte Verzweiflung, Angst, Trauer und Hoffnungslosigkeit sprechen. Briefe, die von Henrietta Bird abgelehnt und der sofortigen Vernichtung übergeben worden waren.

“Liebe Mrs. Bird” ist ein Buch über Mitgefühl und Anteilnahme in schwierigen Zeiten. Fernab vom Kanonendonner werden manchmal kleinere Kriege ausgefochten, die für die Betroffenen nicht weniger dramatisch sein können.

AJ Pearce hat ein sehr lebendiges Zeitbild entworfen. Ihre Protagonistin hat direkt mein Herz erobert und wurde zu einer liebenswerten Freundin.
Für mich war es interessant, einmal einen ganz anderen Blick auf das Leben in dieser Zeit werfen zu dürfen.

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Rezension “Tiefer Grund – Ein Cherringham Krimi” von Matthew Costello & Neil Richards – Bastei Lübbe

Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: 1. Aufl. 2018 (26. Januar 2018)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Sabine Schilasky
ISBN-10: 9783404176540
ISBN-13: 978-3404176540
ASIN: 3404176545
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Originaltitel: Dead in Wather
D: 9,90 Euro

Inhalt:

In der Nacht der Abschlussfeier an der Cherringham High School ertrinkt der junge Lehrer Josh Owen in der Themse. Und alles spricht für einen Unfall unter Drogeneinfluss. Die neue Schuldirektorin will der Sache auf den Grund gehen und bittet Hobbyermittlerin Sarah diskret um Hilfe.

Nach vielen gemeinsamen Ermittlungen mit ihrem Freund Jack muss diese nun zum ersten Mal einen Fall auf eigene Faust lösen. Dabei ahnt sie nicht, dass sie einem dunklen Geheimnis auf der Spur ist, das auch ihre eigene Familie in Gefahr bringt. Glücklicherweise kehrt Jack nach Cherringham zurück. Wird er Sarah auch diesmal wieder unterstützen?

Ein atmosphärischer Wohlfühlkrimi mit sympathischen Ermittlern

Quelle: Amazon

Die Autoren:

Neil Richards (England) und Matthew Costello (USA) sind die Verfasser zahlreicher Drehbücher und Romane und die Autoren der erfolgreichen digitalen Krimiserie Cherringham mit einer ständig wachsenden Fangemeinde.

Quelle: Amazon


Rezension:

Dieser Krimi entführt uns in das beschauliche Cherringham. Dass es sich um eine Serie handelt, habe ich anfangs nicht gewusst, kann aber nun bestätigen, dass sich das Buch sehr gut separat lesen lässt.

Wer gern Krimis liest, die sich neben dem Fall selbst auch mit den einzelnen Charakteren der Ermittler sowie ihrem Umfeld beschäftigen und neben dem Hauptstrang einen dazugehörigen Nebenstrang entwickeln, ist hier gut aufgehoben.

Die Protagonisten sind durchweg sehr authentisch und bildhaft beschrieben. Die Handlung ist durchweg spannend aufgebaut und mit falschen Fährten gespickt.

In „Tiefer Grund“ geht es um die Beweggründe, die zu der Tat führten und auch um die persönliche Entwicklung des Ermittlerduos Sarah und Jack.

Dementsprechend unblutig gestaltet sich der vorliegende Krimi. Es ist eben typische Cosy Crime. Vieles spielt sich im Kopf des Lesers ab, beflügelt durch die, die Fantasie anregende Schreibweise des Autorenduos.

Der bekannte britische Charm blitzt immer wieder durch und stößt auf die amerikanische Ungezwungenheit von Jack. Diese Mischung erzeugt so eine besondere Atmosphäre.

Auf jeden Fall macht dieses Buch Lust auf die bisher erschienen Bände der Cherringham-Reihe.

 

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Rezension “Junge ohne Namen” von Steve Tasane – FISCHER Sauerländer

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1. (27. Februar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • übersetzt von Dr. Henning Ahrens
  • ISBN-10: 3737356432
  • ISBN-13: 978-3737356435
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
  • D: 16,00 Euro

Inhalt:

So nennen sie uns – Kind A, Kind E, Kind I usw. Weil wir nicht nachweisen können, wie wir richtig heißen. Ich bin Kind I.

I hat weder Familie noch Papiere, das Einzige, was er hat, ist ein Buchstabe, I – so wird er genannt. Er lebt in einem Camp für Flüchtlinge, und als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling gehört er zu jenen, deren Zukunft am unsichersten ist. Doch die Kinder halten zusammen, und jeder Tag ist eine Zukunft für sich. Und I hofft. Auf einen neuen Namen oder sogar – einen Platz im Leben.

Steve Tasane erzählt die Geschichte von I ohne jeden Kitsch und Sentimentalität. I ist kein Opfer, er ist ein zehnjähriger Junge voller kindlichem Optimismus, welcher angesichts des großen Leids, das ihm widerfährt, den Leser gleichermaßen berührt wie aufrüttelt.

Steifbroschur mit Goldlackveredelung

Quelle: Amazon

Der Autor:

Steve Tasane wurde in Leeds, England, geboren und einem breiteren Publikum zunächst durch seine Slam-Poetry bekannt, mit der er u.a. auf dem Glastonbury-Festival auftrat. »Junge ohne Namen« ist sein erstes Jugendbuch, das der Sohn eines Flüchtlings vor allem aus seiner Erfahrung einer zerrütteten Kindheit heraus schrieb. Das damalige Gefühl des Ausgeschlossenseins teilt er mit seinem Protagonisten.

Quelle: Amazon

Rezension:

I ist ein kleiner Junge von 10 Jahren. Auf der Flucht hat er alles verloren, seine Familie, sein Zuhause, Fotos und Andenken, ja sogar seinen Namen. Im Flüchtlingslager wird er auf einen Buchstaben reduziert. Seinen Namen kennt er noch, zwingt sich immer wieder, diesen nicht zu vergessen, genauso wie sein Geburtsdatum. Doch ohne Papiere glaubt ihm niemand.

Kinder ohne Familie stehen nicht in der Schlange, sie bekommen keine Zuteilungen und sind auf die Almosen der Erwachsenen angewiesen. Dennoch bewahren sich I und seine Freunde ihre Träume. Träume von einem besseren Leben, genügend zu Essen und Spielsachen. Sie halten zusammen, passen aufeinander auf.

Die Zustände im Lager sind erschütternd und man mag kaum glauben, dass Menschen auf dieser Welt so leben müssen. Menschen ihre Identität verlieren, wie Vieh zusammengetrieben werden und Kinder Brotkrumen im Matsch aufsammeln. Wenn sich Erwachsene mit Kindern um ein paar getragene Schuhe prügeln, dann lernt man zu schätzen, in welchen Wohlstand wir leben. 

Aus kindlicher Sicht, schlicht und einfach, naiv und doch so weiße geschrieben. 


Ein Buch, das komplett ohne ein aufwendiges Cover auskommt. Die Geschichte nimmt ihren Anfang bereits auf dem Buchdeckel. Ohne Schnörkel und Pathos erhalten wir einen Einblick in den Alltag der Kinder in Flüchtlingslagern. Doch viel gravierender als die Lebensumstände in den Lagern selbst, ist der Identitätsverlust, der hier zur Normalität avanciert. Die eigene Geschichte, Familie und Herkunft verschwinden in der Namenslosigkeit. Die Kinder sind nur noch Buchstaben in einem System, das sie als Person gar nicht mehr wahrzunehmen scheint.

Erschreckt ziehe ich Parallelen zu einer anderen Zeit, anderen Lagern, in denen die Menschen auf Nummern reduziert wurden. Auch heute hungern die Kinder in den Lagern, werden von Wachen in Schach gehalten und drangsaliert.

Ja, die Kinder könnten das Lager verlassen. Doch wohin sollten sie gehen? Wo liegt ihre Zukunft, wenn sie schon ihre Vergangenheit nicht mehr kennen?

Das Wenige, was sie vom Leben bisher kennen ist der Kampf ums Überleben und dennoch haben sie sich die Hoffnung bewahrt. Die Hoffnung auf ein besseres Leben, mit so wenigen Ansprüchen. Die Wünsche nach einem warmen Heim, einem eigenen Bett, Kleidung, ein wenig Spielzeug und Büchern. Sie möchten die Welt entdecken und einfach nur ein ganz normales Leben leben. Sie strahlen eine Lebensfreude aus, die ansteckend ist und die man an diesem Ort nicht erwarten würde.

Mich hat dieses Buch sehr berührt und aufgewühlt. Die Schlichtheit der ungewöhnlichen Aufmachung und der einfach gehaltene Schreibstil vermitteln eine tiefe Intensität, die lange nachhallt.

Ich hoffe, “Junge ohne Namen” findet die Aufmerksamkeit, die dieses Buch verdient und sorgt so für eine Bandbreite an Diskussionsstoff zum Gedankenaustausch.

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Rezension “Lennart Malmkvist und der überraschend perfide Plan des Olav Tryggvason:” von Lars Simon – dtv Verlag

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (21. Dezember 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342321760X
  • ISBN-13: 978-3423217606
  • D: 9,95 Euro

Inhalt:

Das zauberhafte Finale der Reihe um Lennart Malmkvist

Ein glückliches Ende der Abenteuer von Lennart Malmkvist ist genauso ungewiss wie ein sonniger Tag mit Plusgraden im schwedischen Winter. Denn Mops Bölthorn wurde im Kampf gegen Olav Krähenbein lebensbedrohlich verletzt, und der Schwarzmagier steht kurz davor, seine Macht zu vervollkommnen. Die Situation erscheint aussichtslos. Das Blatt wendet sich, als ein geheimnisvoller Muschelmann bei Lennart auftaucht – und offenbart, dass er nicht nur die beiden bisher unbekannten Wächter der Dunklen Pergamente kennt, sondern sogar weiß, wo diese versteckt sind. An Bord eines magischen Segelschiffes machen sie sich auf zur Insel Svolderoie. Gelingt dort die Rettung Bölthorns und der Welt?

Quelle: Amazon

Der Autor:

Lars Simon hat nach seinem BWL- und Politologie-Studium zuerst lange Jahre als Marketingleiter einer IT-Firma gearbeitet, bevor er als Touristen-Holzhaus-Handwerker mit seiner Familie mehr als sechs Jahre in Schweden verbrachte. Heute lebt er in der Nähe von Frankfurt/Main.

Mehr über den Autor und seine Bücher unter www.larssimon.de

Quelle: Amazon

Rezension:

Böthorn und Lennart Malmkvist sind wieder unterwegs. Der alles entscheidende Kampf gegen Olav Krähenbein steht an und sie bekommen jede Menge Unterstützung.

Ich verspreche, es wird noch einmal turbulent.

Endlich klären sich einige meiner brennendsten Fragen und auch unser brummiger Mops lüftet sein größtes Geheimnis.

Dieser dritte und abschließende Teil von Lars Simon ist wieder aufregend, spannend und beinhaltet jede Menge an humorvollen Episoden und Kommentaren. Die Welt der Magie gerät erneut vollkommen aus den Fugen und der Autor hält einige Überraschungen für uns bereit.

Turbulent geht es zu und unsere Welt gerät mächtig in Gefahr. Die Hüter der Pergamente sind so untypisch für ihre Position und passen dennoch perfekt. Wie kommt man nur auf solche Ideen?

Leider ist diese Reihe nunmehr abgeschlossen und ich werde diese so einzigartigen und speziellen Protagonisten vermissen.

Es war spannend und hat erneut sehr viel Spaß gemacht, mit Lennart, Bölthorn und ihren Weggefährten gegen Olav Krähenbein und seine Anhänger anzukämpfen.


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Rezension “Die Neue” von Sarah Bannan – Droemer Knaur

  • Broschiert: 368 Seiten
  • Verlag: Droemer TB (3. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783426304242
  • ISBN-13: 978-3426304242
  • ASIN: 3426304244
  • Originaltitel: Weightless
  • D: 14,99 Euro

Inhalt:

Als Carolyn Lessing neu an die Adam’s High kommt, sind zunächst alle angetan. Die Lehrer von ihrer Intelligenz, die Mädchen von ihrem Stil und die Jungs von ihrer Schönheit. Doch dann verliebt sie sich in den falschen Jungen, und dessen Ex-Freundin startet über Facebook eine fiese Hetzkampagne. Nach und nach kippt die Stimmung, bis die öffentliche Demütigung aus dem Ruder läuft und in einer Katastrophe mündet, nach der nichts mehr so ist wie es war.

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Die Autorin:

Sarah Bannan wurde 1978 in New York geboren. Ihre Familie zog häufig um, sie wuchs unter anderem in Texas, Florida und Alabama auf. Nach einem Abschluss in Literaturgeschichte an der Georgetown University zog sie nach Irland, wo sie seit 2007 die Literaturabteilung des Arts Council leitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Dublin. “Die Neue” ist ihr erster Roman.

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Rezension:

Nach dem Lesen des Klappentextes war ich neugierig auf den Debütroman von Sarah Bannan. Hier wird ein sehr wichtiges Thema angesprochen, denn es geht um Mobbing.

Du denkst, davon bin ich nicht betroffen, das wird mir nie passieren? Warum?

Mobbing hält sich nicht an Regeln. Wer gemobbt wird, ist keine Entscheidung auf Basis von logischen, nachvollziehbaren Gründen. Vielmehr kann es jeden treffen, mich, dich, die beste Freundin, den bislang beliebtesten Schüler, Lehrer – einfach jeden. Es gibt keine Altersbegrenzung, nur werden die Angriffe mit zunehmendem Alter subtiler und bösartiger.

Sarah Bannan sticht in ein Wespennest und lässt uns aufhorchen. Dabei hat sie es mir mit ihrem emotionslosen, fast klinischen Schreibstil richtig schwer gemacht, in die Handlung hineinzufinden. Ich gebe zu, ich wurde bis zum Schluss mit keiner der handelnden Personen warm. Sie blieben auf großem Abstand und auch zu Carolyn konnte ich keine Beziehung aufbauen. Sie blieb eigenartig farblos. Manchmal musste ich mich direkt zwingen weiterzulesen.

Vielleicht ist dieser kalte, sterile Tonfall auch gewollt, um im übertragenen Sinn zu zeigen, dies ist nur ein Beispiel. Es könnte ebenso gut dich treffen. Allerdings wird er viele interessierte Leser auch dazu bringen, das Buch nach wenigen Seiten beiseite zu legen.

Carolyn ist neu, hübsch, eine sehr gute Schülerin und scheint auch ein angenehmes Wesen zu haben. In einer Kleinstadt könnte man denken, sie würde mit offenen Armen aufgenommen werden. Jedoch sucht sie sich die falschen Freunde und bald werden Gerüchte in die Welt gesetzt. Neid bricht sich unkontrollierbar Bahn.
Schnell geraten die Dinge außer Kontrolle. Anfeindungen via Internet und SMS-Nachrichten nehmen zu, bis die Situation eskaliert.

Die Erzählstimme gibt uns Lesern die Möglichkeit, die Ereignisse aus mehreren Winkeln heraus zu betrachten. Einzig Carolyn bleibt seltsam konturlos.

Erschreckt hat mich am Ende, mit welcher Kälte und Gleichgültigkeit auch über den Verlust eines Lebens hinweg gegangen wird. Wie Schuldzuweisungen weit von sich selbst abgelenkt und auf andere übertragen werden. Selbst die Schule, Lehrer und Eltern übernehmen keinerlei Verantwortung. Viele sahen tatenlos zu, waren froh, nicht selbst im Focus der Anfeindungen zu stehen. Schlimm getroffen hat mich, als man dem Opfer selbst die Schuld an den Ereignissen gab.

Es stimmt traurig, wenn von den Beteiligten niemand wirkliche Konsequenzen zieht und sein Leben verändert. Mobbing hat viele Gesichter und breitet sich unbemerkt rasch allein durch die Vielfalt der heutigen Medien aus.

Ich hoffe, dieses Buch gibt einen Anstoß zum Nachdenken und Handeln.

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