Buchpremiere Stolperstein Geschichten – Weimar aus dem Eckhaus Verlag

Gestern erfolgte die Veröffentlichung des
ersten Buches der Stolpersteinreihe in einer angenehmen Atmosphäre und vor vollem
Haus.
Zur musikalischen Untermalung war der Ameisenchor des Goethegymnasiums Weimar zu Gast. Mit Liedern wie „Shalom aleichem“, aber auch „Imagine“ verbreiteten sie die richtige Stimmung im Raum. 

Zwei Jahre lang wurde mit Hingabe und Herzblut recherchiert, geplant, organisiert und geschrieben.

Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Werk mit einem Inhalt, der gerade in der heutigen Zeit umso wichtiger scheint.
Verlagsleiterin Katja Völkel dankte vor allem Ulrich Völkel, dessen Streben von Beginn der Verlagsgründung an der Verwirklichung dieses Buches galt.
Während des Holocaust wurden nicht nur tausende von Menschen
deportiert und ihres Lebens beraubt. Nein, ganze Existenzen wurden vom
Naziregime geradezu akribisch ausradiert. Die Verlegung von Stolpersteinen in
vielen Städten Deutschlands ist ein erster Schritt, diesen Menschen zu gedenken,
das Vergessen aufzuhalten. Doch wer waren die Gesichter hinter diesen Namen und
Zahlen, welche Geschichten würden sie uns heute erzählen?
Genau hier schließt der Eckhaus Verlag mit seinem Buch
„Stolpersteine“ eine wichtige Lücke. Er gibt diesen Frauen, Männern und Kindern
ihr Gesicht zurück, holt sie aus der Vergessenheit und erinnert an ihr Leben.
Jana Rogge  brachte es auf den Punkt: „Es sind die kleinen Zahlen, Kleinigkeiten, die erschrecken und so tief
berühren.“
Die Autoren Steffi von dem Fange, Jonny Thimm und Rüdiger Haufe haben gegen eine eher symbolische Vergütung recherchiert und die
Lebensgeschichten derer, von denen oftmals nur Namen und die Geburts- bzw.
Sterbedaten blieben niedergeschrieben. 
Schicksale, die bewegen, unter die Haut
gehen und auch die Verlegerin Jana Rogge in ihrer Rede tief berührten.
Begonnen wurde mit den Familien, deren Stolpersteine wir in
Weimar vor ihren ehemaligen Wohnhäusern finden können. Von weiteren 25 Städten liegen dem Verlag Zusagen zur Unterstützung vor, um auch für diese eine
Stolpersteinchronik zu erarbeiten. Ich bin zuversichtlich, dass hier eine ganze Serie an Büchern folgen wird.  
Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Jana Rogge
erfolgte eine Laudatio durch den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Der Grundtenor seiner Rede beruht auf einem Ausspruch von Erich Kästner: „Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten«.
Schülerinnen der „Jenaplan-Schule“ hatten eine Lesung mit eigenen Gedichten und einer kurzen Zusammenfassung der Lebensgeschichte der Familie Ortlepp vorbereitet.  
Eine Überraschung hatte der Eckhaus Verlag auch im Gepäck. 
Sebastian Krumbiegel, der das Vorwort zum Weimar gewidmeten Buch verfasste, bereicherte die Buchpräsentation mit zwei musikalischen Darbietungen. 
Der in
diesem Bereich sehr engagierte Sänger der „Prinzen“ war auch nach der Veranstaltung
gern zu einem Gespräch mit den anwesenden Schülern und Gästen bereit und signierte die gekauften Bücher. 
Den Erlös, der an diesem Nachmittag verkauften Bücher, sprach
der Eckhaus Verlag dem Ameisenchor der Goetheschule zu.
Dank zahlreicher Sponsoren, können insgesamt 23 Klassensätze
an Weimarer Schulen verteilt werden. 
Eine symbolische Übergabe erfolgte am gestrigen
Spätnachmittag an die Vertreter dieser Schulbereiche. Mit Hilfe der Bücher kann
nun eine schulische Auseinandersetzung mit den geschichtlichen Fakten mit räumlicher Bezugsbasis erfolgen.
Wer es nicht zur gestrigen Veranstaltung geschafft hat, kann das Buch direkt beim Eckhaus Verlag beziehen.

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Auftakt der Herbstlese – Felix Leibrock & Gäste – Ein literarisches Quartett

Heute eröffnete Monika Rettig die 20. Herbstlese in der
Stadtbibliothek Erfurt. Ein Jubiläum, auf das die Initiatoren dieser
Veranstaltung zu Recht stolz sein können.
In der Erfurter Stadtbibliothek trafen Felix Leibrock (Leiter des
ev. Bildungswerk München), Matthias Gehler (Hörfunkchef MDR Thüringen), Dietmar
Herz (Universität Erfurt, Staatswissenschaftliche Fakultät) und Dirk Löhr
(Vorsitzender des Vereins „Erfurter Herbstlese“) in gemütlicher Runde
aufeinander und läuteten traditionsgemäß die Erfurter Herbstlese ein. Ich hatte
das Vergnügen, das literarische Quartett hautnah zu erleben.

Auf diesen Abend habe ich mich besonders gefreut, bedeutete er
auch ein Wiedersehen mit Felix Leibrock, der meinen Mann und mich vor 15 Jahren
getraut hat. Sympathisch und humorvoll hat er diesen Tag unvergesslich werden
lassen. Ein gutes Omen möchte man meinen. Uns hat sein Segen auf jeden Fall
Glück gebracht. Und wieder einmal bestätigt sich der Ausspruch: „Man trifft sich immer zweimal im Leben.“ – oder auch öfter.
Bereits damals beherrschte es Felix Leibrock, seine Texte sowie
auch unsere Traurede in einer ausdrucksvollen Bildersprache zu formulieren. Er
verglich eine gute Ehe mit dem Backen eines Kuchens. Das Fehlen von
Kleinigkeiten wie zum Beispiel Backpulver kann dem Gelingen eines Kuchens
schaden. So muss auch beim Führen einer guten Ehe auf die Kleinigkeiten
geachtet und eine Beziehung immer wieder neu gepflegt werden.
Münzen wir dies nun einmal auf den Bereich der Literatur um. Eine
Geschichte ist nur so gut, wie der Autor, der sie erzählt. Bereits die ersten
zehn Seiten entscheiden, ob ein Lektor sich weiter mit dem Text beschäftigt
oder nicht bzw. der Autor seine Leser einfangen kann. Doch was ist gut und was
schlecht? Liegt dies nicht immer im Auge des Betrachters? Gerade über Literatur
lässt sich streiten. Und genau dies haben die vier Herren des literarischen
Quartetts heute Abend getan. Vier Bücher, die wir im Rahmen der Herbstlese noch
kennenlernen werden, wurden von Herrn Leibrock für diesen literarischen Disput
ausgesucht.
Das diesjährige Motto lautet: „Fürchtet Euch nicht?“
Dieser Ausspruch hat nicht nur einen christlichen Bezug. Gerade
aktuell müssen Ängste und die Furcht vor dem Fremden im Alltag überwunden
werden. Felix Leibrock zitierte in diesem Zusammenhang aus Matt Haigs aktuellem
Buch „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“:
„Für mich waren Bücher der Weg aus Einsamkeit und Krise
heraus.

Warum gerade diese Bücher? Weil sie eine bunte Mischung
verschiedener Genre bedeuten und somit genügend Diskussionsstoff liefern.
Ja, die Gemüter haben sich teils sehr erhitzt und die Meinungen
trifteten auseinander.
So rührte „Vom Ende der Einsamkeit“ Matthias Gehler zu
Tränen und auch Dirk Löhr gab zu, ein Tränchen vergossen zu haben. Dagegen
zeigte sich Felix Leibrock nicht ganz so gefühlsbetont und kritisierte die
Fülle von Weisheiten, die sich auf zu engem Raum tummeln. Dietmar Herz
betrachtete das Werk von Benedict Wells eher nüchtern: „Das Lesen des Buches ist vergleichbar mit dem Genuss
eines schweren Abendessens, bei dem man das Gefühl hat, gut gegessen zu haben,
den Tisch aber mit einem unangenehmen Völlegefühl verlässt.“

Das Buch stieß zwar von drei Seiten auf herbe Kritik, erklärte
sich aber zum Herzensbuch von Herrn Gehler: „Ein Buch ganz dicht am Leben.“
Dagegen beschäftigen sich das Quartett bei „Warum Europa eine
Republik werden muss!“ mit der Frage: „Was kann ein Buch leisten?“ Unstrittig bescheinigten sie der Autorin
eine grandiose Idee, deren Umsetzung und Format jedoch von der Grundaussage
weit entfernt sind. Felix Leibrock fasste es in kurzen Worten zusammen: „Eine brillante Kernaussage, aber jenseits der
Realität.“
Bei der „Die S. E. A. Expedition“ waren sich alle einig,
dass diese Abenteuerreise mit dem heutigen Wohlstandstourismus nicht dieselbe
Außenwirkung aufweisen kann, wie das Original von Ernest
Shackleton. Wird das Buch noch als „sprachliches Desaster“
bezeichnet, ist man auf den Vortrag mit vielen Fotos und persönlichen
Gesprächen sehr gespannt und erwartet einen interessanten Abend. Diese
Eindrücke lassen sich nicht per Buch, eher im direkten Gedankenaustausch und
der Untermalung mit einzigartigem Bildmaterial wiedergeben.

Zum Schluss der Roman, der alle vier Herren beeindrucken konnte. Mit kurzen
prägnanten Sätzen geht es in „Weit über das Land“ um das Verschwinden
an sich und die Frage: 

„Ist dies große Kunst oder großer Mist?“ 

Einig waren sie sich jedoch, dass Peter Stamm ein tief
psychologische Werk geschaffen hat, das keine wirkliche Aussage trifft, ohne
eigentliche Handlung auskommt, aber viel Raum für Interpretationen lässt. Und
genau durch diesen Mix an Stilmitteln sowie der Eindringlichkeit seines
Schreibens wird das Buch nachhaltig wirken und die Gemüter bewegen.
Jetzt ist es an Euch, Euch eine eigene Meinung zu den genannten
Büchern zu bilden.

So verging der erste kurzweilige Herbstleseabend viel zu rasch.
Es war zu spüren, dass sich Felix Leibrock, Matthias Gehler,
Dietmar Herz und Dirk Löhr seit Jahren kennen und verstehen. Trotz stellenweise
hitzigem Disput, herrschte dennoch eine harmonische Grundstimmung zwischen den
Kritikern.
Humorvoll, mit viel Witz und Verstand konnte mich das literarische
Quartett restlos begeistern.
Definitiv ist den vier Herren mit Ihrer Diskussionsrunde ein
perfekter Auftakt der Erfurter Herbstlese gelungen.
Es wird eine Reihe von bunten, spannenden und facettenreichen
Lesungen folgen, seid gespannt. Weitere Artikel werden hier, in der Thüringer
Allgemeinen und auf Onlineportal der Thüringer Allgemeinen veröffentlicht.

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Herbstlese 2016 in Erfurt – Ich bin der Herbstleseblogger!

Im August startete die Thüringer Allgemeine einen  Aufruf und suchte nach begeisterten Lesern,
die Bücher lieben und gern über die Herbstlese schreiben würden. Also nahm ich
meinen Mut zusammen und schickte eine Bewerbung als Herbstleseblogger ab. Ihr
könnt Euch meine Überraschung und Freude nicht vorstellen, als vor ein paar
Tagen der Rückruf von Herrn Ingo Glase von der Thüringer Allgemeinen erfolgte.

Ja, ich bin der Herbstleseblogger für die Thüringer
Allgemeine.

Ich darf in den nächsten Wochen über verschiedene Veranstaltungen im Rahmen der Herbstlese in Erfurt berichten. Meine Artikel werden in der Thüringer Allgemeinen, dem Onlineportal der Thüringer Allgemeinen und auch hier auf dem Blog veröffentlicht.

Freut Euch auf eine bunte Mischung an literarischen Eindrücken.
Ich kann schon jetzt verraten, es sind wunderbare Lesungen, die wir zusammen ausgesucht haben. Meine Wünsche wurden komplett berücksichtigt und in die Planung eingeflochten. Dafür ein riesen Dankeschön an Herrn Glase, die Thüringer Allgemeine und die Initiatoren der Herbstlese, da mindestens zwei der Veranstaltungen bereits restlos ausverkauft sind.

Ich stürze mich dann gleich einmal kopfüber ins Abenteuer.
Schon heute Abend starte ich zu meiner ersten Lesung bzw. literarischen Diskussionsrunde.
In der Erfurter Stadtbibliothek eröffnen Felix Leibrock & Gäste – Ein literarisches Quartett die Herbstlesesaison 2016. 

Warum mir gerade dieser Termin sehr am Herzen liegt verrate ich später.




Foto: Ingo Glase



Einen tollen Artikel von Ingo Glase zum obigen Foto in der Thüringer Allgemeinen findet ihr unter dem nachfolgenden Link: Herbstlese 

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Rezension „Lügentanz“ von Ivonne Keller – Knaur TB

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Knaur TB (4. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426515733
ISBN-13: 978-3426515730
D: 9,99 Euro

Inhalt:

„Liebst du mich noch?“ Als Michaela Michalsen ihrem Mann David diese Frage stellt, rechnet sie nicht mit einem „Nein“. Oder gar damit, dass er sich von ihr trennen will. Liegt es am Schock über seine Antwort, dass ihr die Erinnerung an ein wichtiges Telefonat fehlt, bei dem es um ihre eigene Tochter ging? Oder kehren die Aussetzer zurück, die sie schon vor zwölf Jahren im Griff hatten? Spielt ihr Mann ein falsches Spiel? Will er sie loswerden? In den Wahnsinn treiben?

„Mich fasziniert, was mit Menschen passiert, die kurz davor sind, auszuflippen.“ Ivonne Keller, Autorin von „Hirngespenster“.

Quelle: Amazon


Die Autorin:

Seit ihrer Kindheit liebt Ivonne Keller das Spiel mit der Sprache. Aufgewachsen in einem hessischen Dorf, begeisterte sie sich bereits in der Schule für englischsprachige Literatur und lernte später während eines Auslandsstudiums im andalusischen Granada Spanisch. Die Faszination für Sprache, gekoppelt mit dem Interesse für alles Menschliche, führte sie neben ihrer früheren Tätigkeit als Personalerin zum Schreiben. Dabei interessiert es sie besonders, was mit Menschen passiert, die kurz davor sind, auszuflippen. Wenn das Leben so anstrengend wird, dass die Fassade bröckelt und man auf das schauen kann, was dahinter liegt.
Dem Genre „Romantic Comedy“ hat sie sich unter dem Pseudonym ALICE GOLDING verschrieben. Mehr über die Autorin erfahren Sie auf ivonne-keller.de oder vernetzen Sie sich via Facebook unter https://www.facebook.com/IvonneKeller.AliceGolding

Quelle: Amazon

Rezension:

„Liebst du mich noch?“

Eine kurze und doch bedeutsame Frage. Die Antwort sollte in einer normalen Beziehung klar sein und in Michaelas Fall der Auftakt in ein neues Lebensjahr. Sie wollte eigentlich nur eine Bestätigung zur Stärkung ihrer angeschlagenen Psyche. Nie hätte sie erwartet, welch unaufhaltsame Lawine von Ereignissen diese kleine Frage ins Rollen bringen würde.

Ich liebe Spannungsliteratur und das Spiel mit der Psyche der Protagonisten und Leser.
Was ist Wirklichkeit, was Einbildung? Spielt David ein perfides Spiel mit seiner Frau oder hat Michaela echte Probleme? Leidet unsere Protagonistin unter Wahnvorstellungen? Welche Rollen spielen Michaelas Freundin Bea oder die junge Lena, die plötzlich in ihrem Leben auftaucht?

Die handelnden Personen sind sehr lebendig und vielschichtig gezeichnet. Es ist ein intensiver Einblick in das alltägliche Leben und doch ein tiefer Blick in seelische Abgründe. Welche Geheimnisse verbergen sich hinter den geschlossenen Türen unserer Nachbarn?

Ivonne Keller versteht es einzigartig einen tiefen Sog zu erschaffen, der einen fest in das Geschehen einbindet und bis zum Schluss nicht loslässt. Kleine Stolperfallen hier und da, so ganz nebenbei und unscheinbar eingebaute Fallstricke führen die Leser immer wieder in die Irre. So ist man wirklich bis kurz vor Schluss am Rätseln. Dadurch lassen sich kleinere Leselängen gut verzeihen und haben mich nicht wirklich gestört.

Selbst nach Auflösung aller Geheimnisse bleibt das Gelesene im Kopf und wirft Fragen nach weiteren möglichen Verwicklungen auf. Man möchte gern noch einen Moment verweilen und den Protagonisten beistehen. Dabei kommt die Autorin ohne blutige Szenarien aus und lässt das Kopfkino für sich wirken.

Ein fesselnder und spannungsreicher Psychoroman, den ich sehr gern weiterempfehle.

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Rezension „Verliebt in einen Ritter“ von Dana Graham – CreateSpace

Taschenbuch: 378 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (19. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1519155557
ISBN-13: 978-1519155559
D: 12,99 Euro

Inhalt:

Vom Freund betrogen und zurueck als Kellnerin im Dorfcafé ihrer Eltern – schlimmer kann ihre Lage kaum werden, denkt Julia. Ihre Meinung aendert sich schlagartig, als sie durch einen Zeittunnel ins Jahr 1515 geraet und dort als Hexe angeklagt wird. Einzig dem Ritter Severian verdankt sie, dass sie dem Scheiterhaufen entkommt. Für seine Hilfe zahlt Severian allerdings einen hohen Preis: Er muss zusammen mit Julia ins Jahr 2015 fliehen. Der Alltag mit dem von Standesduenkeln behafteten, eigensinnigen Adligen stellt Julias Geduld auf eine harte Probe: Wie geht man am besten mit einem Kerl um, für den Autos Teufelswerk sind und Emanzipation ein Fremdwort? Doch je besser sie Severian kennenlernt, desto weniger will Julia ihm in die Vergangenheit zurueckverhelfen. Denn im Jahr 1515 wartet nicht nur seine Verlobte auf den gut aussehenden Ritter, sondern auch ein furchtbares Schicksal …

Quelle: Amazon

Die Autorin:

Dana Graham lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt am Main.
Ihr Debütroman „Greystone Saga: Mit Schwert und Feder“ stand auf der Shortlist des autoren@Leipzig Award der Leipziger Buchmesse 2013.

Weitere Informationen:
www.danagraham.de
www.facebook.com/danagraham.de

Quelle: Amazon

Rezension:

Wenn ihr witzig spritzige Romantikstorys liebt und gern auf Zeitreisen geht, dann lade ich euch ein, mit mir in „Verliebt in einen Ritter“ einzutauchen.

Wer von euch hat nicht schon von einem Ritter in glänzender Rüstung geträumt?  Leider gibt es diese nur noch in Märchen oder vielleicht doch nicht?
Was, wenn ihr plötzlich einem Fremden gegenübersteht, der sich merkwürdig verhält und als ihr ihm folgt, findet ihr euch ohne Vorwarnung im Mittelalter wieder. Nur ist es dort nicht halb so romantisch, wie uns die Geschichten glauben machen…

Julia passiert genau das. Ihr gelingt die Rückkehr in unsere Zeit, doch ist sie dabei nicht allein. Wie verwirrend und turbulent es werden kann, wenn ein echter Edelmann und Ritter aus dem 16. Jahrhundert mit den Errungenschaften und Gepflogenheiten der Gegenwart konfrontiert wird, könnt ihr in „Verliebt in einen Ritter“ hautnah erleben. Wenn dieser dann auch noch auf eine Gruppe „Möchtegernritter“ trifft und diese unter seine Fittiche nimmt, wird es interessant. Mixt das Ganze mit einer Prise Liebe und Eifersucht, dann kann es nicht turbulenter werden oder doch? Wird Severian zurück in seine Zeit finden oder die Zukunft auf den Kopf stellen?

Dana Graham schafft es mit Leichtigkeit, ihre Leser in den Bann der Zeiten zu ziehen. Neben witzigen Begebenheiten erwarten euch spannende Momente, in denen ihr mit den Helden und ihren Verbündeten mitfiebern könnt.
Eine spannende Zugabe sind die vielen Kampfszenen, die detailliert und bildreich ausgearbeitet wurden. Für die realistische Darstellung und Beschreibung hat die Autorin selbst, einen Schwertkampfkurs besucht und viel Spaß beim Erlernen der einzelnen Techniken gehabt. Genau dieses Gefühl spiegelt sich in den einzelnen Szenen im Buch wieder.

Romantik, Liebe, Eifersucht und eine Mischung aus Spannung und Humor versprechen ungetrübtes Lesevergnügen. Ich habe beim Lesen regelrecht die Zeit vergessen, mitgefiebert und mich köstlich amüsiert. Meine Mädchenträume haben mit „Verliebt in einen Ritter“ Gestalt angenommen und kurzzeitig war Severian auch mein Ritter.

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Rezension „Falsche Schwestern“ von Cat Clarke – FISCHER FJB


    Broschiert: 400 Seiten
    Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (25. August 2016)
    Sprache: Deutsch
    Aus dem Englischen von Jenny Merling
    ISBN-10: 3841402259
    ISBN-13: 978-3841402257
    Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
    D: 14,99 Euro



    Inhalt:

      Vor 13 Jahren verschwand meine Schwester. Jetzt ist sie wieder da. Nichts ist, wie es war. ›Falsche Schwestern‹ von Cat Clarke ist ein psychologischer Spannungsroman, der unter die Haut geht.

      Stell dir vor, du hast deine Schwester verloren. Kidnapping. Seit der Entführung vergehen deine Eltern vor Kummer. Das Loch, das deine Schwester in der Familie hinterlassen hat, ist immer schmerzhaft präsent. Alles fällt auseinander.
      Stell dir vor, deine Schwester taucht plötzlich wieder auf. 13 Jahre später! Bei deinen Eltern ist die Freude riesig. Alle scheinen glücklich, aber sie drängt sich so in den Mittelpunkt, dass für dich kein Platz mehr in der Familie ist. Sogar deinen Freund spannt sie dir aus.
      Doch dann passiert etwas, das alles verändert.

      Faith kennt ihre Schwester Laurel eigentlich nur von einem Foto. Ein lächelndes sechsjähriges Mädchen, das eines Tages spurlos aus dem Garten verschwand. Für Faith Familie beginnt ein Albtraum: Angst, Kummer, Pressekonferenzen, großangelegte Polizeisuche und Paparazzi. Doch dann, mehr als 13 Jahre später kommt ein Anruf. Eine junge Frau ist aufgetaucht. Und sie hat Laurels Teddy im Arm. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen: Endlich hat Faith ihre große Schwester zurück. Dann aber schlägt ihre Freude um. Irgendetwas fühlt sich verdammt falsch an … In Faith wächst ein schrecklicher Verdacht.

      Jeder erinnert sich an den Fall Natascha Kampusch. ›Falsche Schwestern‹ ist in packender Was-wäre-wenn-Roman über eine Entführung, bei der das Mädchen nach 13 Jahren zurückkehrt. Das Drama was sich in der Familie und zwischen den Geschwistern anbahnt, ist aufwühlend und höchst berührend.

      Quelle: S. Fischer Verlage

      Die Autorin:

      Cat Clarke wurde in Sambia geboren, hat aber den Großteil ihres Lebens in Schottland verbracht. Bevor sie ihren ersten Roman schrieb, arbeitete sie in einem englischen Verlagshaus als Kinderbuchlektorin. Selbstgestrickte Wollmützen sind ihr Markenzeichen – spannende YA-Bücher ihre Leidenschaft. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in London.

      Quelle: S. Fischer Verlage

      Rezension:

      Ein Kind verschwindet. Was bleibt sind Angst, Verzweiflung und eine nie endende Hoffnung. Selbst nach Jahren ist die Ungewissheit quälender als das endgültige Wissen.

      „Falsche Schwestern“ lässt uns diese Situation einmal nicht aus der Perspektive des Opfers sondern der Familie, insbesondere der Schwester betrachten.
      Wie fühlt sich das verbliebene Kind, wenn die Schwester nicht mehr da ist, aber dennoch im Vordergrund steht? Ein interessanter Blickwinkel auf ein ernstes Thema.

      Wir erleben, wie die Suche nach Laurel das Leben von Faith und ihren Eltern bestimmt und auch in gewissem Sinn zerstört hat. Selbst nachdem die große Schwester nach 13 Jahren gefunden ist, kann man nicht von einem normalen Alltagsleben sprechen. Sie sind sich fremd und der Umgang miteinander ungewohnt. Medienbelagerung und Sensationsgier bestimmen die Regeln. 

      Jedoch kann man aufgrund der intensiven Schilderungen ein Stück weit nachvollziehen, warum sich Menschen nach Jahren der seelischen Belastungen dem Medienrummel aussetzen.
      Zum Teil geht es um die Faszination, die Film- und Fernsehen auch heute noch ausüben. Das Bad in der Menge und der Hunger nach Aufmerksamkeit und Mitgefühl stellen anscheinend einen Ersatz für die verlorene Zeit dar. Aber es geht auch um existenzielle Überlegungen. Ohne finanzielle Mittel ist ein Leben in unserer Gesellschaft nicht möglich. Doch was tun, wenn einem die Jahre der Bildung und Entwicklung im herkömmlichen Sinne verwehrt wurden und man in eine ungewisse Zukunft blickt. Kann man es da den Opfern und deren Familien verdenken, aus der Not und dem eigenen Unglück einen finanziellen Vorteil herauszuschlagen zu wollen? Bleibt ihnen überhaupt die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen? 

      Unterschwellig spürt man bereits von Beginn an, dass irgendetwas nicht so ist, wie vermutet. Auch wenn alle Fakten stimmig zu sein scheinen, ist da immer ein Hauch von Zweifel. So bleibt der Spannungsbogen erhalten und als Leser hinterfragt man immer wieder das Handlungsgeschehen. Kleine, von der Autorin geschickt eingesponnene Hinweise, sorgen für Verwirrung.

      Leider hat mich der Plot dennoch nicht überzeugt und bis auf das Ende zu sehr an die Geschichte von Natascha Kampusch erinnert. Natürlich stimmen die Daten nicht direkt überein, doch die Grundidee besitzt sehr viele Parallelen. Gerade diese Details haben mich arg gestört. Es ist, als würde man die eine Geschichte lesen und eine andere im Hinterkopf haben. Ich empfand diese Verknüpfungen nicht als positiv. 

      Es ist ein schwieriges Thema. Einige Szenen waren für mich nicht überzeugend oder realistisch genug dargestellt. Daher hinterließ das Buch einen unangenehmen Nachgeschmack und ich konnte mich mit der Geschichte selbst nicht wirklich anfreunden.

        Aufgrund des Klappentextes und Buchtitels hatte ich mir erhofft, mehr über die Beziehung zwischen Laurel und Faith erfahren zu können. Der Handlungsstrang beschäftigt sich sehr einseitig und überwiegend mit Faiths Gefühlen, ihren Gedanken und Umgehen mit der Situation. Natürlich erfährt der Leser auch viel über Laurel und kann beobachten, wie sie die gewonnene Freiheit und die ihr unbekannte neue Welt entdeckt. Die Beziehung der beiden Schwestern wird für mich als Leser nicht greifbar und die Gefühlsebene nur leicht angekratzt. Hier hätte ich mir ein tieferes Eintauchen gewünscht. Es fehlt eine Verbindung zwischen den beiden jungen Frauen, ganz unabhängig von einer familiären Beziehung.

        Trotz meiner Kritikpunkte las sich das Buch stilistisch sehr gut und es war interessant zu verfolgen, welche Gefühle beim Lesen aufkommen. Nicht immer liegen die Sympathien auf dem eigentlichen Opfer, sondern bei denen, die im Laufe der Ereignisse auf ihre Art ebenso leiden, aber kaum Beachtung finden.

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      Rezension „Am Ende aller Zeiten“ von Adrian J Walker – FISCHER Tor

      Broschiert: 432 Seiten
      Verlag: FISCHER Tor; Auflage: 1 (25. August 2016)
      Sprache: Deutsch

      übersetzt von Nadine Püschel und Gesine Schröder 
      ISBN-10: 3596037042
      ISBN-13: 978-3596037049
      D: 14,99 Euro

      Inhalt:

      Wie weit würdest du gehen … für die, die du liebst?

      Adrian J Walker hat mit ›Am Ende aller Zeiten‹ einen postapokalyptischen Roman geschrieben, in dem ein ganz normaler Familienvater vor die größte Herausforderung seines Lebens gestellt wird.

      Edgar Hill ist Mitte dreißig, und er hat sein Leben gründlich satt. Unzufrieden mit sich und seinem Alltag in Schottland als Angestellter, Familienvater und Eigenheimbesitzer, fragt er sich vor allem eins: Hat das alles irgendwann einmal ein Ende? Er ahnt nicht, dass sich die Katastrophe bereits anbahnt.
      Als das Ende kommt, kommt es von oben: Ein dramatischer Asteroidenschauer verwüstet die Britischen Inseln. Das Chaos ist gigantisch, die Katastrophe total. Ganze Städte werden ausgelöscht. Straßen, das Internet, die Zivilisation selbst gehören plötzlich der Vergangenheit an. England liegt in Schutt und Asche. Ist dies der Weltuntergang?

      Edgar und seine Familie werden während der Evakuierung voneinander getrennt, und ihm bleibt nur eine Wahl: Will er Frau und Kinder jemals wiedersehen, muss er 500 Meilen weit laufen, durch ein zerstörtes Land und über die verbrannte Erde, von Edinburgh nach Cornwall. Zusammen mit einigen wenigen Gefährten begibt sich Edgar Hill auf einen Ultra-Marathon durch ein sterbendes Land. Doch sein Weg ist gefährlich: Im postapokalyptischen England kämpft jeder gegen jeden ums blanke Überleben.

      Quelle: Amazon

      Der Autor:

      Adrian J Walker wurde Mitte der 70er Jahre in einem Vorort von Sydney geboren, verbrachte aber einen guten Teil seiner Jugend in England. Er studierte in Leeds, arbeitete als Informatiker und lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in London.

      Quelle: Amazon

      Rezension:

      Fast, als hätte es der Verlag geahnt, erschien am 25.August 2016 der Endzeitroman „Am Ende aller Zeiten“. Irgendwie passt dieser Titel zur aktuellen Panikmache und den Aufrufen zu Hamsterkäufen und Vorratshaltung.

      Und eigentlich lese ich gar keine Science Fiction-Bücher oder doch? Auf der Leipziger Buchmesse habe ich mich nach einer sehr eindringlichen Vorstellung der neuen Sparte TOR der S. Fischer Verlage entschlossen, das Wagnis einzugehen, und „Am Ende aller Zeiten“ eine Chance zu geben. Der Klappentext hatte seinen Reiz.

      Ich kann nur sagen, dass mich die Geschichte von Beginn an für sich eingenommen hat und ich diese Entscheidung nicht bereue. Science Fiction ist eben nicht immer Science Fiction. Verpackt in der richtigen Geschichte, einfach fesselnd.

      Ed ist nicht vorbereitet, als die Apokalypse über die Erdbevölkerung hereinbricht. Das Leben plätschert an ihm vorbei, er fühlt sich von alltäglichen Dingen überfordert und auch seine Familie interessiert ihn nur bedingt. Kurz vor der Katastrophe erwacht er aus seiner Lethargie und schafft es ihm letzten Moment, sich, seine Frau und die Kinder in Sicherheit zu bringen. Statt dankbar über die Rettung zu sein und die Nähe seiner Lieben zu schätzen, reagiert Ed gereizt und unzufrieden. Immer öfter entflieht er der familiären Nähe, bis es fast zu spät ist…

      Ja, Ed ist kein Protagonist, den man in sein Herz schließen möchte oder kann. Er war mir von der ersten Seite an unsympathisch und doch war genau aus diesem Grund auch der Reiz zum Weiterlesen gegeben. Es war interessant mitzuverfolgen, wie sich Ed im Laufe der Zeit den Herausforderungen stellt, welche inneren Kräfte und Werte er in sich entdeckt. Unser Protagonist verändert sich positiv. In Rückblenden erfahren wir mehr darüber, welche Erfahrungen ihn zu dem Menschen gemacht haben, der er zu Beginn der Geschichte ist. Wir nehmen an seinen Gedanken Anteil und können mitverfolgen, wie er zu überraschenden Selbsterkenntnissen gelangt. Ed ist wahrlich kein Sympathieträger, beeindruckt aber durch eine gnadenlos ehrliche Selbsteinschätzung. Schlussendlich erfährt er eine Wandlung, die achtenswert ist.

      Neben Ed verfolgen wir den Weg einer bunt zusammengewürfelten Gruppe Menschen, die aufeinander angewiesen sind, um zu überleben, Freundschaften entstehen. Doch werden diese den Herausforderungen der Reise gewachsen sein? Werden sie das Ziel gemeinsam erreichen?

      In den auf sie zukommenden Grenzsituationen zeigen sich Charakterstärken und Schwächen jedes Einzelnen. Manch einer wächst über sich hinaus, andere offenbaren ihre verborgenen seelischen Abgründe. Hoffnung kann ungeahnte Kräfte freilegen und ein nicht zu unterschätzender Antrieb werden.

      Wir erleben verschiedene Szenarien, wie einzelne Menschen oder Gruppen mit der Situation, sich in einer von der Apokalypse zerstörten Welt zurechtfinden und einen neuen Alltag beginnen.

      Für mich gab es im Buch einen besonderen Sympathieträger – Bryce.
      Er gehört mit zum Kern der Gruppe um Ed, ist kein einfacher Charakter, vielschichtig und trotz vieler Eigenheiten hat er mich sehr schnell für sich eingenommen. Der Ausspruch: „Harte Schale, weicher Kern.“, trifft bei ihm perfekt zu. Seine Erkenntnisse sind an vielen Stellen treffend, auch wenn sie unschöne Wahrheiten widerspiegeln.

      Das Ende des Romans gestaltete sich völlig anders, als von mir erwartet. Viele offene Fragen stehen weiterhin im Raum und es gibt einen großen Spielraum für eigene Überlegungen.

      Was bleibt, ist ein Hoffnungsschimmer am Horizont.





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      Rezension „George“ von Alex Gino – S. FISCHER Verlag

      Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
      Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (25. August 2016)
      Sprache: Deutsch
      übersetzt von: Alexandra Ernst
      ISBN-10: 3737340323
      ISBN-13: 978-3737340328
      Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren
      D: 14,99 Euro

      Inhalt:

      Sei, wer du bist!

      George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen.

      ›George‹ erzählt einfühlsam und unprätentiös vom Anderssein und ermutigt, den eigenen Weg zu gehen. Der erste Kinderroman zum Thema Transgender, der auch ältere Leser fesseln wird und der die Botschaft vermittelt: Sei, wer du bist!

      Quelle: Amazon

      Der Autor:

      Alex Gino, geboren und aufgewachsen in Staten Island, New York, mag die Natur und Geschichten, die die Vielfalt des Lebens widerspiegeln. Heute lebt Alex Gino mit Partner und zwei Katzen in Kalifornien, USA. Alex Gino ist seit über zwanzig Jahren in der queeren und transgender Bewegung aktiv. Persönliche Erfahrungen und das Wissen, dass transgender Kinder Romane brauchen, die sie bestärken und ihnen Mut machen, waren der Anlass <i>George</i> zu schreiben.

      Literaturpreise:

      ›George‹:
      Stonewall Book Award

      Quelle: Amazon

      Rezension:

      „Für dich, als du das Gefühl hattest, nicht dazuzugehören.“

      Heute möchte ich Euch George vorstellen. Die erste Beschreibung, die mir bereits nach wenigen Seiten im Buch in den Sinn kam: „George ist zauberhaft“. In diesem Moment bezieht sich meine Aussage einmal nicht auf das Buch selbst, sondern die Person George. Dieser Eindruck verstärkte sich mit jeder gelesenen Seite. 

      Transgender sind seit geraumer Zeit ein Thema in der Buchwelt. Ob Jugendliche in der Pubertät, am Rande zum Erwachsen werden (z. B. in „Zusammen werden wir leuchten“) oder gestandene Persönlichkeiten in der Gesellschaft. Doch ein Buch über ein Kind, sprich hier den 10jährigen George, gab es soweit noch nicht. Es ist ein Wagnis, das Alex Gino eingegangen ist und ein Bedürfnis zugleich. Doch „George“ ist wichtig und ein großer Schritt zur richtigen Zeit.

      Was gleich nach den ersten Seiten auffällt, der Autor lässt George von Anfang an als Mädchen auftreten. Als Leser hat man George gefühlt immer als Mädchen im Blick. Würde man das Buch ohne Kenntnis des Klappentextes beginnen zu lesen, käme man erst nach mehreren Seiten auf den Rückschluss, dass es sich bei George zumindest rein äußerlich um einen Jungen handelt.

      Alex Gino weiß worüber er hier schreibt und kennt die innere Zerrissenheit, wenn Körper und Geist nicht miteinander harmonieren bzw. dem gesellschaftlichen Bild entsprechen aus eigener Erfahrung. Alex Gino´s Genderidentität ist genderqueer (männlich-weiblich dual). Und in diesem Zusammenhang habe ich auch wieder etwas hinzu gelernt.

      Wie nehmen Kinder ihren Platz in der Gesellschaft ein? 
      Sie werden geprägt durch ihre Umfeld. Doch wie viel Einfluss besitzen innere Instinkte, angeborene Eigenschaften?
      Jedes Kind ist anders und wenn man drei Kinder annähernd gleich erzieht, wird sich doch jedes individuell entwickeln. Ich spreche aus Erfahrung und jedes meiner Kinder hatte von Geburt an seine Eigenheiten, die sie bis heute nicht abgelegt haben.
      Wer oder was bestimmt, ob wir ein Junge oder ein Mädchen sind? Sind es rein die Gene und äußerlichen Merkmale, unser Verhalten oder Gefühle?
      Jungen spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen. Was aber, wenn das Mädchen eher Autos liebt und der Junge glücklich ist, einen Puppenwagen durch den Garten zu schieben? Ein Junge kann genauso aufgeregt sein kann, wenn er einen Bagger bei der Arbeit sieht, wie beim Puppenwagen schieben. Das Mädchen hat genauso Spaß daran, stundenlang Autos hin und her zu schieben, wie ihre Barbiepuppen neu einzukleiden. Toll, wenn sie ihre Umgebung und Möglichkeiten spielerisch erkunden können. Was zukünftig daraus wird können wir als Eltern nur bedingt beeinflussen. Wir müssen offen sein und sie bei ihrem Tun unterstützen. 

      George ist erst zehn Jahre alt und doch weiß sie bereits ganz genau wer sie ist, ein Mädchen im Körper eines Jungen. Ihr ganzes Wesen ist davon geprägt. Es fehlt nur noch der Mut, sich ihren Eltern und Freunden anzuvertrauen. Sie hat Angst, ihre Familie mit der Wahrheit zu verletzen oder nicht ernst genommen zu werden. Anders zu sein ist für niemanden leicht. 
      Ihre Sehnsüchte verfolgt sie bisher nur im geheimen. George lebt mit ihrer gespaltenen Gefühlswelt allein und traut sich nicht, sich jemandem zu offenbaren. Allein der Drang dazu wächst ständig. 
      Bis auf ihre Freundschaft mit Kelly, die noch sehr wichtig werden wird, gehört George nirgendwo richtig dazu. Sie fühlt sich ausgeschlossen und allein. Sicher kennen fast alle von Euch dieses Gefühl, wenn man nicht dazugehört und können nachvollziehen, um wie viel stärker sich diese Gefühle bei einem Kind äußern.

      George lebt ihr wahres Ich nur im geheimen, bis ihre Schule eines Tages ein Theaterstück aufführt und George sich nichts sehnlicher wünscht, als die Hauprolle, eine Mädchenrolle, darin spielen zu dürfen. Als Junge wird ihr dies jedoch verwehrt. Warum eigentlich? In früheren Zeiten wurden die weiblichen Theaterrollen nur von Männern verkörpert und es war völlig normal. Unser Gesellschaftsbild hat sich in Klischees verrannt. 

      Und an dieser Stelle bin ich auch direkt beim ersten Kritikpunkt dieser Buchbesprechung angelangt. Selbst Alex Gino bedient sich in seinen Beschreibungen althergebrachter Klischees, die er doch eigentlich mit diesem Buch ausräumen möchte. Auch bei ihm fallen die Personen in von der Gesellschaft geprägte Verhaltensmuster. Außer George und Kelly verhalten sich die handelnden Personen überwiegend katalogisiert. An diesem Punkt wünschte ich mir von ihm mehr Offenheit.

      George liebte es, mit drei Jahren, in den Kleidern ihrer Mum zu posieren. Was sich mir im Buch allerdings nicht so ganz erschlossen hat ist, dass aufgrund dieser Tatsache und dass George z. B. Mädchenzeitungen liest sowie diese in einer typischen Mädchentasche verwahrt, alle denken, dass George schwul wäre. Mir fehlte da so ein wenig die Differenzierung zwischen Transgender und Homosexualität als Erklärung für die Kinder und Jugendlichen, die dieses Buch lesen werden. Für viele wird es die erste Berührung mit dem Thema „Transgender“ und dem „Anderssein“ sein.

      Zum Glück gibt es Kelly, für die George einfach George ist. Für Kelly ist George, nachdem diese sich ihr geöffnet hat, eben einfach die beste Freundin. Sie ermöglicht ihr die Erfüllung eines großen Traumes. Ohne zu wissen, welche Auswirkungen dieses öffentliche Outing für George haben wird, beschreiten beide gemeinsam diesen Weg. Kelly akzeptiert „Melissa“ und nimmt sie an der Hand und gibt ihr Halt. Bekommt „Melissa“ eine Chance?

      An diesem sehen wir, wie viel offener Kinder im Umgang miteinander sein können. George hat sich ja auch vom Wesen her nicht geändert, nur der Blick der Außenstehenden auf sie als Person ist nun ein anderer. So lernen bereits Kinder Verständnis für diejenigen aufzubringen, die nicht dem normalen Gesellschaftschema entsprechen.

      Eine beeindruckende Geschichte voller Empathie, der man sich von der ersten Seite an nicht entziehen kann. Der ideale Einstieg, um Kinder mit der Thematik des Andersseins und dessen Akzeptanz in Berührung zu bringen.

      Wenn ein Buch von zwei Personen gelesen wird, sind die Einblicke und Emotionen nicht immer dieselben, doch manche Bücher erzeugen einfach einen Gleichklang der Gefühle. 
      Ein Blick zu Arndt von AstroLibrium und seiner Sicht auf den Roman, wird Euch dies zeigen.


      Und noch eine Stimme zum Buch: Ronja von Bücherstöberecke

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      Rezension „Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell“ von Alice Hoffmann – FISCHER Sauerländer

      Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
      Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (28. Juli 2016)
      Sprache: Deutsch
      übersetzt von: Sibylle Schmidt
      ISBN-10: 3737353875
      ISBN-13: 978-3737353878
      Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren
      D: 12,99 Euro

      Inhalt:

      Als Twig mit ihrer Mutter in dem idyllischen Städtchen Sidwell ankommt, ist sie nicht die einzige Person auf dem Rücksitz. Von ihrem Bruder darf jedoch nie jemand etwas erfahren, genauso wenig wie von dem Fluch, der auf ihrer Familie lastet. Deshalb macht Twig sich so unsichtbar wie möglich und entdeckt dabei jede Menge Geheimnisse in Sidwell: Dinge verschwinden, seltsame Graffiti tauchen auf … Ob das alles mit dem geflügelten Ungeheuer zu tun hat, das sich in mondhellen Nächten über ihrem Haus in die Lüfte schwingt?

      Während die Leute in Sidwell reden und die aberwitzigsten Vermutungen anstellen, vergräbt Twig sich in Schweigen. Und macht einen besonders großen Bogen um Julia, das mitreißend fröhliche Nachbarsmädchen. Die lässt sich allerdings durch nichts und niemanden davon abhalten, Twigs beste Freundin zu werden, und dann ist es auf einmal vorbei mit der Geheimniskrämerei – zum Glück, denn gemeinsam ist alles plötzlich ganz leicht. Zusammen machen die beiden Mädchen sich daran, die Geheimnisse von Sidwell zu lösen. Eine magische Geschichte über das Normale am Anderssein, die Kraft der Freundschaft und einen Ort, an dem alles möglich ist.

      Quelle: Amazon

      Die Autorin:

      Alice Hoffman wurde 1952 in New York geboren und lebt heute in Boston. Ihre Kinder- und Erwachsenenromane wurden in über 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Nun legt Alice Hoffman ihr neues Kinderbuch vor – und schreibt poetischer und bezaubernder als je zuvor.

      Quelle: Amazon

      Rezension:

      Nehmt Euch ein Stückchen Apfelkuchen, lehnt Euch zurück und hört auf das Schlagen der Flügel in der Stille der Nacht. Spürt Ihr den Windhauch auf Eurem Gesicht? Nein? Dann kommt mit mir nach Sidwell. Hier liegt einiges im Verborgenen und es gilt die Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken.

      Mit „Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell“ ist der Autorin ein Buch gelungen, das eine große Bandbreite an Lesern anspricht. Freundschaft, Liebe, ein großes Geheimnis, ein Fluch und alles umwebt von einem Hauch Magie. Zutaten, die nicht nur Liebhaber von Fantasyliteratur ansprechen. Es ist, als würde eine Prise Märchenluft über dem normalen Alltag einer Kleinstadt hinwegwehen.

      Sympathische und liebevoll gezeichnete Charaktere bestimmen den Verlauf der Handlung. Dabei stehen zwar Twig und ihr Bruder als Protagonisten im Focus, doch alle weiteren Figuren füllen einen großen Raum aus, sind wichtig und auf ihre Art einzigartig. Sie dienen nicht einfach nur als Randfiguren, was mir persönlich sehr gefallen hat.

      In „Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell“ geht es um den Zusammenhalt einer Familie, die Macht der Liebe und vor allem um Vertrauen. Wir erfahren, wie verheerend sich ungeklärte Missverständnisse noch auf spätere Generationen auswirken können. Wie falsche Rückschlüsse und die Angst vor dem Unbekannten unsere Handlungen negativ beeinflussen können. Anderssein ist nicht gleichbedeutend, das von demjenigen Gefahr ausgeht. Wir fürchten, was wir nicht kennen.

      Der Scheibstil der Autorin ist poetisch und bildhaft. Den Duft von frischem Apfelkuchen und Marmelade könnt ihr förmlich schnuppern. 


      Am Schluss des Buches verrät Alice Hoffmann noch zwei Rezepte für leckeren Apfelkuchen, womit nun auch das Geheimnis meines obigen Fotos gelöst ist. Ich habe direkt eines der Rezepte ausprobiert und kann sagen: „Es ist ganz leicht und schmeckt wunderbar.“
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      Rezension „Leons Erbe“ von Michael Theißen – Bastei Entertainment

      Format: Kindle Edition
      Dateigröße: 1855 KB
      Seitenzahl der Print-Ausgabe: 232 Seiten
      Verlag: Bastei Entertainment (2. Mai 2016)
      Sprache: Deutsch
      D: 5,99 Euro
      Taschenbuch: 300 Seiten
      Verlag: Bastei Entertainment (11. Juli 2016)
      Sprache: Deutsch
      ISBN-10: 3741300144
      ISBN-13: 978-3741300141
      Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
      D: 12,90 Euro

      Inhalt:

      Für Katja bricht eine Welt zusammen, als ihr Sohn Leon bei einem Autounfall ums Leben kommt. Es ist der zweite schwere Schicksalsschlag in kurzer Zeit. Erst vor sechs Monaten ist ihre Schwester spurlos verschwunden. Als Katja nach Leons Trauerfeier einen Anruf erhält, überschlagen sich die Ereignisse: Ein Notar ist im Besitz einer Kiste, die Leon seiner Mutter vererbt hat. Als Katja die Kiste öffnet, entdeckt sie darin ein Armband, das ihrer Schwester gehörte. Wie ist ihr Sohn in den Besitz dieses Armbandes gekommen? Und warum hat er es bei einem Notar hinterlegt? Was will Leon seiner Mutter aus dem Tod heraus damit sagen? Für Katja beginnt eine Suche nach der Wahrheit – nichtsahnend, dass sie damit die Tür zu einem dunklen Familiengeheimnis öffnet …

      Dieser Roman erscheint in der neuen Reihe von Bastei Entertainment: Psycho-Thriller voller „Hochspannung“.

      Quelle: Amazon

      Der Autor:

      Michael Theißen, ist 29 Jahre alt und lebt in der Nähe von Mönchengladbach.

      Quelle: Michael Theißen

      Rezension:


      Auf diesen Thriller wurde ich direkt durch den Autor aufmerksam gemacht. Ich bin froh, das Angebot angenommen zu haben, auch wenn ich das Buch selbst nur als eBook lesen konnte. Mittlerweile ist „Leons Erbe“ für alle Liebhaber echter Papierseiten auch als Taschenbuch verfügbar.

      Die Geschichte beginnt für Katja mit dem Verlust ihres einzigen Kindes. Auf der Suche nach Antworten und ihrer kurz zuvor verschwundenen Schwester gerät sie in einen Strudel aus merkwürdigen Ereignissen und wird mit bitteren Wahrheiten konfrontiert. Aber wir haben eine starke Protagonistin vor uns, die nicht aufgibt und sich auch den unschönen Seiten des Lebens stellt. 
      Der Spannungsbogen reist bis zum Schluss nicht ab. Ich habe trotz eBook nur kurze Zeit gebraucht, um das Buch zu lesen und diese Zeit genossen. 

      Der Autor spielt mit den Gefühlen seiner Leser und lässt uns verschiedene Emotionsebenen durchlaufen. Psychologisch gut durchdacht, mit immer wieder neuen Wendungen und Möglichkeiten, hat Michael Theißen einen fesselnden Psycho-Thriller geschaffen. Geschickt lenkt er die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Tätern ab und lässt uns Leser als Ermittler immer wieder der falschen Fährte folgen. Die Hintergründe und was wirklich passierte, hat mich daher zum Schluss dann doch überrascht.
      Am Ende wird die Auflösung ein wenig rasch abgehandelt und hätte ruhig noch etwas verschlungener ausgearbeitet werden können. Trotzdem ein gelungenes Debüt.

      Der Autor schafft es, dass der Leser vor allem Verständnis und Sympathien mit den Tätern aufbaut. Denn die eigentlichen Opfer sind hier die Täter selbst. 
      Orakel ich Euch zu viel? Dann nichts wie hin, greift Euch das Buch und fangt an zu lesen.

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