Rezension „Irgendwo im Glück“ von Anna McParlin – Rowohlt Verlag – rororo

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (26. August 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499272237
ISBN-13: 978-3499272233
Originaltitel: Somewhere Inside of Happy
D: 12,99 Euro

Inhalt:

Von der Autorin des Bestsellers «Die letzten Tage von Rabbit Hayes»: Ein neuer Roman voller Humor, Liebe, Traurigkeit und Hoffnung.

Dublin, 1995: Maisie Bean ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Ihr erstes Date vor siebzehn Jahren endete so schlimm, dass es ihr für den Rest des Lebens den Appetit auf Pommes verdarb. Die Ehe, die folgte, war die Hölle für Maisie, doch sie gab ihr zwei wundervolle Kinder: den sensiblen, humorvollen Jeremy und die starrsinnige, schlaue Valerie. Mit Hilfe der beiden schafft es Maisie sogar, ihre demente Mutter zu Hause zu pflegen. Alle packen mit an.

Als Maisie denkt, ihr Leben läuft endlich rund, geschieht das Unfassbare: Jeremy verschwindet eines Tages spurlos. Sie steht einem neuen Kampf gegenüber, dem Kampf ihres Lebens – für die Wahrheit über Jeremy, gegen Vorurteile und Ablehnung. Doch Aufgeben kommt für Maisie niemals in Frage.

Quelle: Amazon

Die Autorin:

Anna McPartlin wurde 1972 in Dublin geboren und verbrachte dort ihre frühe Kindheit. Wegen einer Krankheit in ihrer engsten Familie zog sie als Teenager nach Kerry, wo Onkel und Tante sie als Pflegekind aufnahmen. Nach der Schule studierte Anna ziemlich unwillig Marketing, doch sie blieb dabei ihrer wahren Liebe, der Stand-up-Comedy, und dem Schreiben treu. Bei der künstlerischen Arbeit lernte sie ihren späteren Ehemann Donal kennen. Die beiden leben in der Nähe von Dublin.

Quelle: Amazon

Rezension:

Betrachtet man nur den Titel „Irgendwo im Glück“ und das wunderschön gestaltete Cover, erwartet der Leser eine leichte schöne Liebesgeschichte. Weit gefehlt. Anna McParlin hat mit diesem Buch etwas viel umfassenderes geschaffen. 

„… Mein Sohn Jeremy wurde gewaltsam gezeugt und er starb gewaltsam, aber während er lebte, war er das Licht meines Lebens…“
Bereits am Anfang erfahren wir, dass es für Jeremy kein Happy End geben wird. Dennoch bleibt bis zum Schluss die Frage über das Wie und Warum. Dabei entwickelt sich die Geschichte anders, als anfangs erwartet.
Das Leben ist nicht fair!
Maisie Bean muss dies schon in jungen Jahren erfahren. Anstatt jedoch daran zu zerbrechen, gewinnt sie an innerer Stärke. Die Liebe, die sie ihren Kindern, ihrer Mutter, aber auch den Menschen in ihrem Umfeld schenkt, scheint grenzenlos.
Maisie hat keine hohe Schulbildung, ihre Sprache wird von derben Flüchen durchzogen, dennoch hat sie ein Herz aus Gold. Ihre Kinder sind typische Teenager und sie muss sich mit den alltäglichen Sorgen einer Mutter herumschlagen. Sie muss sich und ihre Familie gegen Ungerechtigkeiten und Vorurteile verteidigen. Dabei hat sie mit Spott und Demütigungen von Außenstehenden zu kämpfen. 
Und da ist noch Bridie. Einst für alle der Fels in der Brandung. Doch das Leben fordert seinen Tribut und entgleitet ihr von Tag zu Tag mehr. In klaren Momenten erwacht ihr Kampfgeist und im entscheidenden Moment steht sie Maisie noch einmal bei.
Anna McParlin versteht es, das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere und die tiefen Gefühle ohne kitschige Schnörkel und sehr authentisch zu übermitteln. Interessant waren für mich die wechselnden Perspektiven in den verschiedenen Handlungssträngen.
Die Autorin hat einen sehr eindringlichen und dennoch leichten Schreibstil, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Ich fühlte mich wie in einer warmen Oase geborgen.
Dieses Buch gibt Mut, zeigt, welch schöne Seiten das Leben bereithält, selbst wenn alles trist und grau erscheint. Eine Geschichte, bei der ich mehr als nur eine Träne vergossen habe.
„Irgendwo im Glück“ ist ein Buch voller Liebe, intensiver Gefühle und tiefer Einsichten. Es handelt von Abschied und Neuanfang. Es ist eine Geschichte über Missverständnisse, Freundschaft, Zusammenhalt und ein Appell an die Toleranz in unserer Gesellschaft. 
Ja, das Ende ist auf seine Art sehr traurig und besonders der Epilog rührt noch einmal tief an das Herz jedes einzelnen Lesers.

Doch gleichzeitig es ist auch eine Hommage an das Leben.
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Die Frauen im viktorianischen Zeitalter – Blogtour Tag 3 zu „Engel der Themse“

Wer träumt nicht davon, einmal in die Vergangenheit reisen zu dürfen?


Was reizt uns so daran? Sind es die traumhaften Kleider, wundervolle Ballabende, Männer, die uns als Helden erscheinen und jede Dame in Not erretten? Ich denke, es sind die nostalgischen Vorstellungen, die wir mit einem Leben z. B. im viktorianischen England verbinden. Aber waren die Zeiten wirklich so romantisch?

Romane, die in dieser Zeit spielen, vermitteln vor allem die romantischen Seiten, dass wovon Frauenherzen immer träumen. Die weniger schönen Seiten dieser Zeit verblassen und rücken dabei weit in den Hintergrund. In Romanen rettet der Earl das arme Küchenmädchen und die kleine Lady erlebt kuriose Abenteuer. Beide gewinnen am Ende das Herz ihres Helden.



Queen Victoria   © Wikipedia





Doch wie verlief das Leben einer Frau damals wirklich?

Ab einem gewissen gesellschaftlichen Rang, war das Leben in dieser Zeitepoche sicher recht angenehm. Doch auch in den gehobeneren Schichten besaß eine Frau so gut wie keine Rechte. Frauen durften nicht wählen, keinen Besitz ihr Eigen nennen und auch nicht vor Gericht klagen. Sie waren Ihrem Vater, Bruder oder Ehegatten unterstellt. Nur deren Wort zählte und eine Frau war vom Wohlwollen einer Männerdominanten Umwelt abhängig. 
Im 19. Jahrhundert durften Frauen, die mit 21 Jahren noch ledig waren zwar über eigenen Besitz verfügen, dieser ging jedoch bei einer Heirat unwiderruflich in den des Ehemannes über. 

Heute sind wir stolz auf unser Bildung. 

Doch zu dieser Zeit durften Frauen nicht studieren und erhielten meist nur eine geringe Schulbildung. Die schulische Ausbildung junger Mädchen belief sich vorrangig auf die schöngeistigen Fächer wie Musizieren, Malen oder Handarbeiten. Eventuell erhielten sie zusätzlich Unterricht in der französischen Sprache. Mathematik, Naturwissenschaften allgemein, Philosophie oder Latein wurden als überflüssig oder zu schwer für den weiblichen Geist empfunden.

Eine Ehe wurde selten aus Liebe geschlossen. 

© gemeinfrei

Selbst in den niedersten Gesellschaftsschichten spielte die Liebe nur eine untergeordnete Rolle. Dabei waren Liebesheiraten sicher nicht ausgeschlossen, allerdings recht selten zu finden. In der Regel diente die Eheschließung politischen, finanziellen oder den gesellschaftlichen Vorteilen der Elternhäuser und wurde von diesen arrangiert. 
Das Leben einer Frau im viktorianischen Zeitalter war darauf ausgerichtet, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein und den Haushalt zu führen. Gehorsam und unterwürfig sollte sie sein und ihrem Mann jeden Wunsch von den Augen ablesen. 
Seelische Misshandlungen und häusliche Gewalt gab es oft hinter den herrschaftlichen Türen, blieben aber der Außenwelt verborgen bzw. verschloss man die Augen vor derartigen Vorfällen und gab den Frauen die Schuld. Der Mann hatte die alleinige Macht. Der Wert einer Frau stieg mit der Anzahl der Kinder, vorrangig der männlichen Erben, die sie ihrem Mann gebar. 

Gehörten Frauen nicht der oberen privilegierteren Gesellschaft an, wurde das Leben oft zu einem Überlebenskampf.

Einstellung einer Gouvernante
© gemeinfrei

Für mittellose Frauen der Mittelschicht ohne Familie blieb die Möglichkeit, als Gouvernante eine Art standesgemäßen Beruf auszuüben, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Auch die Anstellung als Kindermädchen oder Zofe galt als erstrebenswert. Für junge Mädchen und Frauen der unteren Schichten bedeutete es einen großen Schritt, die Stelle eines Küchenmädchens oder einer Dienstmagd zu erhalten. Manchen gelang über die Jahre hinweg der Aufstieg zur Köchin oder gar Haushälterin. Weniger Glückliche darbten in den Elendsvierteln der Städte, streiften durch die Gassen Londons und verkauften Tand oder gar ihren Körper. Auch sie waren vor allem der Willkür der Männer um sie herum ausgesetzt.

Ausnahmen von diesen Schilderungen gab es bestimmt auch. Liebesheiraten oder Eltern, die ihren Töchtern mehr Freiheiten und Selbstbestimmung einräumten, ihnen eine höhere Bildung angedeihen ließen, wird man in der Geschichte sicher finden, nur leider viel zu selten. 

Was uns bleibt sind nostalgische Schwärmereien und romantische Träume, die wir mit dieser Zeit verbinden. Geschichten, die uns in eine Art Märchenwelt entführen und vom Alltag ablenken.

An diesem Punkt komme ich auch direkt zu meiner heutigen Gewinnspielfrage.

Im London welcher Zeitspanne hättet ihr gern als Frau gelebt und warum?

Ich freue mich auf Eure Antworten.

Teilnahmebedingungen

  • Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
  • Der Versand erfolgt nur innerhalb Deutschland, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
  • Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
  • Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass im Gewinnfall die Adresse dem Verlag übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
  • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
  • Das Gewinnspiel wird vom Verlag im Rahmen der Blogrunde veranstaltet.
  • Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
  • Das Gewinnspiel endet am 12.10.2016 um 23:59 Uhr.
  • Ausgelost wird in der Folgewoche.

Nachfolgend die weiteren Stationen unserer Blogtour. 
Klickt einfach die jeweiligen Beiträge an und schon seit ihr dabei.

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Buchvorstellung „Engel der Themse“ von Anne Breckenridge – Dryas Verlag – Blogtour Tag 2





Willkommen zum zweiten Tag unserer Blogtour!
Taschenbuch, 272 Seiten, 
Dryas Verlag
ISBN: 978-3-940855-66-4,

12,00 € [D], 12,40 € [A]

E-Book, ISBN 978-3-941408-88-3, 7,99 €

Sicher möchtet ihr erst einmal erfahren, worum es in unserem aktuellen Buch „Engel der Themse“ von Anne Breckenridge geht.

Der Dryas Verlag ist mittlerweile für mich eine Art Geheimtipp für spannende historische Krimis. Speziell das viktorianische London spielt darin oft eine Rolle. So auch hier.

Folgt mir in das England um 1864. Es ist eine Zeit des Aufschwungs, aber auch großer sozialer Unterschiede. 

Als eines Tages Babys verschwinden, nimmt die Polizei kaum Notiz von den Ereignissen, handelt es sich doch um die Kinder der Ärmsten. Bald wird nur noch von „Dem Schatten“ gesprochen, der umgeht und Kinder entführt. Gladys gehört zur untersten Gesellschaftsschicht und als ihr neugeborener Bruder verschwindet, erfährt sie keine Hilfe. Vielmehr finden ihre Mutter, ihr jüngerer Bruder und sie selbst sich im Arbeitshaus wieder.

Doch dann geschieht das Unfassbare. 

Der kleine Sohn eines Lords verschwindet. Sofort ist alle Welt in Bewegung, um den Jungen zu finden. Rasch steht das französische Kindermädchen unter Verdacht. Doch auch Emma, die seit kurzem als Küchenmädchen im Haushalt arbeitet, gerät in den Focus der Ermittlungen. Emma muss fliehen und trifft auf Gladys. Emma und Gladys stehen auf unterschiedlichen Sprossen der Gesellschaftsleiter, könnten aufgrund ihres bisherigen Lebens nicht unterschiedlicher sein. Und doch finden sich zwischen ihnen mehr Gemeinsamkeiten als anfangs vermutet. Als auch noch der zweite, gerade wenige Stunden alte Sohn, des Lords verschwindet, sind die beiden aufeinander angewiesen. Nur gemeinsam kann es ihnen gelingen, den Schatten zu enttarnen und das Baby zu retten.

Wir erhalten im Laufe der Handlung einen spannenden Einblick in den  Lebensalltag der Menschen und die geltenden Hierarchien im viktorianischen Zeitalter. Wir begegnen Vorurteilen und lernen die Macht von Liebe und Freundschaft kennen. Gladys beeindruckt durch eine innere Größe, vor der man, mit Blick auf ihr bisheriges Leben, den Hut ziehen möchte. Aber auch Emma wächst über sich selbst hinaus und ist zäher, als der Leser anfangs vermutet.

Die Auflösung des Falls verspricht einige überraschende Wendungen, stimmt aber auch traurig. Doch dadurch wirkt die Geschichte authentisch und glaubwürdig. Anne Breckenridge erweckt den Eindruck, von wahren Ereignisse der Vergangenheit zu erzählen.

Ein spannender Fall vor einem historisch beeindruckenden Hintergrund.

Zum Schluss noch ein paar Informationen zur Autorin des Buches.


Anne Breckenridge ist das Pseudonym der Krimi-Autorin Christiane Dieckerhoff.
Die gelernte Kinderkrankenschwester und Mutter zweier erwachsener Kinder schreibt seit mehr als zehn Jahren. 2008 erschien ihr erster Kriminalroman. Seit 2013 durchstreift sie die Jahrhunderte und ist nach einem Abstecher in die Karibik im London des 19. Jahrhunderts gelandet.

Quelle: Dryas Verlag

Gewinnspiel:

In Zusammenarbeit mit dem Dryas Verlag und der Autorin gibt es für Euch an allen Tagen der Blogtour die Möglichkeit an unserem Gewinnspiel teilzunehmen und am Ende tolle Preise zu gewinnen. Um welche Überraschungen es sich dabei handelt, verraten wir in Kürze. Bleibt einfach dabei und schaut immer wieder mal rein.

Die Teilnahme ist ganz einfach, beantwortet mir in den Kommentaren die nachfolgende Frage und beachtet die Teilnahmebedingungen. 

Lest Ihr gern Romane oder Krimis, die im viktorianischen Zeitalter spielen? 
Wenn ja, welche Bücher würdet Ihr mir ans Herz legen?

Ich bin neugierig auf Eure Antworten.

Teilnahmebedingungen

  • Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
  • Der Versand erfolgt nur innerhalb Deutschland, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
  • Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
  • Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass im Gewinnfall die Adresse dem Verlag übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
  • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
  • Das Gewinnspiel wird vom Verlag im Rahmen der Blogrunde veranstaltet.
  • Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
  • Das Gewinnspiel endet am 12.10.2016 um 23:59 Uhr.
  • Ausgelost wird in der Folgewoche.

Nachfolgend die weiteren Stationen unserer Blogtour. 
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Erfurter Herbstlese – Geschichtsträchtiger Abend mit Claudia und Nadja Beinert am 30.09.2016

Heute Abend habe ich mich weit zurück in
die Zeit des 13. Jahrhunderts begeben. Gemeinsam mit Claudia und Nadja Beinert
ging es auf Spurensuche nach dem Naumburger Meister. 

Leider finden sich über diesen so gut wie
keine geschichtlich verbrieften Fakten in den historischen Unterlagen der
Bibliotheken. Selbst sein Name bleibt auf ewige Zeiten unbekannt. Dafür lebt er
in seinen lebensechten Stifterfiguren weiter und lässt die Fantasie der
Menschen immer wieder aufleben. Hier war er seiner Zeit weit voraus. 

Eine dieser Stifterfiguren soll Uta
darstellen, deren Geschichte uns in den beiden vorangegangenen Büchern erzählt
wird. Über die Identitäten der Stifterfiguren wird noch heute viel diskutiert,
da diese bisher nicht eindeutig geklärt werden konnten. Fest steht, dass mehr
als eine der dargestellten Persönlichkeiten zu Lebzeiten mindestens eine große
Sünde beging. Daher auch der Buchtitel „Der Sünderchor“.

Ursprünglich waren „Die Herrin der
Kathedrale“ und „Die Kathedrale der Ewigkeit“ nicht als
Fortsetzungsreihe geplant. Doch mit „Der Sünderchor“ hat sich nunmehr
das dritte Buch hinzugesellt.

Während des heutigen Abends gewährten uns
die Autorinnen mit drei Szenenlesungen einen kurzen Blick auf vier der
wesentlichen Protagonisten im Buch. Hortensia, Agnes, Matizo und den Bischof
von Naumburg kamen zu Wort. Wobei Hortensia eindeutig Nadjas Favoritin der
Geschichte ist und Agnes die von Claudia. Gern hätten sie uns auch den Meißner
Markgrafen Heinrich von Wettin und Pauline aus Freiberg vorgestellt. Dies hätte
aber den zeitlichen Rahmen der Veranstaltung gesprengt.

Der Naumburger Meister hat die
Zwillingsschwestern bereits vor sieben Jahren in seinen Bann gezogen. Damals
wurde die Grundidee zu „Der Sünderchor“ geboren, aber vorerst in
einer Art Ideenkiste verstaut. Nach dem letzten Buch platzte – wie sie selbst
sagen – eine Art Gärballon und Matizo von Mainz war geboren. Im dritten Buch
stecken erneut viel Herzblut und detaillierte Recherchearbeit. 

Dadurch, dass sie bezüglich der Person des
Bildhauermeisters kaum auf historisch belegte Fakten zurückgreifen konnten,
blieb ein großer Spielraum für ihre schriftstellerische Fantasie. 

Doch wo beginnt Claudia und wo endet Nadja
Beinert?
Der Übergang ist so fließend, dass sie selbst es nicht recht benennen
können. Sie schreiben in einer Art geschlossenen Symbiose und verschmelzen
dabei zu einer einzigen Person. Im Zeitalter ihrer Romanfiguren würden wir an
Magie und Teufelswerk glauben, doch heute ist es einfach faszinierend. 

Wie muss man sich die Schreibarbeit des
Autorinnenduos vorstellen? Leben doch beide Kilometerweit entfernt an
unterschiedlichen Orten. Nadja in Erfurt und Claudia in Würzburg.
Von der Idee bis zum fertigen Buch vergeht
ca. ein Jahr. Wobei die Besprechungen und Recherchearbeiten in etwa die Hälfte
dieser Zeit in Anspruch nehmen. Das historische Hintergrundrecherchen nicht
staubtrocken und langweilig sein müssen, bewiesen sie und mit kurzen Passagen
aus einem Versbüchlein dieser Zeit. Auch die im Roman aufgeführten Rezepte
wurden von den Schwestern auf Herz und Nieren geprüft, was sich teils als ein
abenteuerliches Unterfangen entpuppte. Als Grundlage diente ihnen „Das Buch von guter Speise: Mittelalterlich kochen –
Gerichte und ihre Geschichte“
Die restliche Zeit besteht aus reiner
intensiver Schreibarbeit.

Zu Beginn eines Romanentwurfes sitzen die
Schwestern gern gemeinsam an einem Tisch und diskutieren, planen und plotten
die ersten Szenenentwürfe. Nach entsprechender Hintergrundrecherche u. a. in
der Erfurter Unibibliothek, wobei hier oftmals die kleinen Randdetails des
Lebensalltags im Mittelalter, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen,
begibt sich Claudia in Schreibklausur. Es entsteht der erste Rohentwurf des
neuen Buches. Im Anschluss macht sich Nadja an die Verfeinerung der
geschriebenen Szenen. Nun wandert das unfertige Manuskript mehrfach hin und
her, bis beide mit dem geschaffenen Werk zufrieden sind. Um ein einheitliches
Bild der Protagonisten zu erschaffen, halten sie sich an Porträtskizzen, die
man auch auf ihrer Website finden kann. Die dazugehörigen Klarbilder bleiben
geheim, damit der Leser die Geschichten mit eigenen Vorstellungen und Gedankenbildern
ausfüllen kann. 

Jetzt heißt es nur noch nach dem Buch
greifen, sich in das Thüringen um 1248 versetzen lassen und der Magie dieser
Zeitepoche und seiner Menschen folgen.

Im Februar 2017 können wir uns bereits auf
ein weiteres Buch aus der Feder der Beinert Schwestern freuen – „Die
Mutter des Satan“. Dieses Mal dürfen wir mit den Augen einer Mutter einen
Blick auf den Privatmenschen Martin Luther werfen. 
Foto: Linnea Müller

Weitere Artikel zu Erfurter Herbstlese
2016 findet ihr auf meinem Blog, in der Thüringer Allgemeinen und auf dem Onlineportal der Thüringer Allgemeinen.

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Buchvorstellung „Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen“ von Lars Simon – dtv Verlag

Am 14.Oktober 2016 erblickt ein magisches Mops-Buch im dtv Verlag das Licht der Welt.

Worum geht es im Buch?


Lars Simon schickt seinen Protagonisten auf eine magisch verträumte Reise. Ein merkwürdiger Leierkastenmann verfolgt ihn bis in seine Träume. Als er auch noch seinen Job verliert, ist das Letzte, was er gebrauchen könnte ein Hund. Aber genau diesen erbt er mitsamt einem Zauber- und Scherzartikel laden von seinem skurrilen Nachbarn Buri. Mops Bölthorn hört nicht nur auf einen äußert merkwürdigen Namen, er kann sogar sprechen…
An dieser Stelle beginnt das eigentliche Abenteuer. Es gilt einen Mord aufzuklären und Lennart muss zu seinen magischen Wurzeln finden. 
EUR 9,95 € [DE], EUR 10,30 € [A]
dtv Allgemeine Belletristik
Originalausgabe, 432 Seiten,
ISBN 978-3-423-21651-7

Ein magisches Buch, nicht nur für Mopsfreunde. 

Möchtet Ihr mehr Informationen zum Buch oder den Autor persönlich treffen? Dann folgt mir direkt zum Buchspecial
Die Teilnahme ist nur noch heute möglich! Viel Glück.

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Rezension „Der Angstmann“ von Frank Goldammer – dtv Verlag

Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (23. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342326120X
ISBN-13: 978-3423261203
D: 15,90 Euro

Inhalt:

Dresden, November 1944: Die Bevölkerung leidet unter den anhaltenden Kriegszuständen und den täglichen Entbehrungen. Flüchtlingsströme drängen in die Stadt. Bombenalarme gehören zum Alltag. Da wird Kriminalinspektor Max Heller zu einer grausam zugerichteten Frauenleiche geholt. Schnell geht das Gerücht um: Das war der Angstmann, der nachts durch die Gassen schleicht. Heller gibt nichts auf das Gerede. Inmitten der Wirren des letzten Kriegswinters macht er sich auf die Suche nach einem brutalen Frauenmörder. Nicht nur sein linientreuer Vorgesetzter Rudolf Klepp legt Heller dabei Hindernisse in den Weg. Als im Februar 1945 die Stadt in einem beispiellosen Bombenhagel dem Erdboden gleich gemacht wird, hält man auch den Mörder für tot. Doch der Angstmann kehrt zurück … 
Quelle: Amazon
                                                                                                                                                                                                                                         
 

Der Autor:

Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist Maler- und Lackierermeister. Mit Anfang zwanzig begann er zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag und schrieb drei erfolgreiche Regionalkrimis über Dresden und Umgebung. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in Dresden.                                                                                                                                                                                                                                                     

Quelle: Amazon
 
                                                                       
                                                                                                                                                               
 

Rezension:

Wer sich auf diesen Krimi einlässt sollte gewarnt sein. Ihr begebt euch mit Max Heller nicht nur auf kriminalistische Tätersuche, sondern taucht ein in eine Zeitspanne unserer Geschichte, die weit mehr Angst und Schrecken auslöste, als die Taten des Mörders.

Frank Goldammer nimmt uns mit in das Dresden wenige Monate vor Kriegsende sowie die Zeit kurz danach. Als Leser fühlt man sich nicht nur als unbeteiligter Beobachter, nein, man ist mitten drin. Die Hitze der Feuer nach der Bombardierung kann man förmlich auf der Haut spüren. Der Hunger, die Angst, das Leid, aber auch Wut sind allgegenwärtig. Dies ist ein Krimi, der allein schon durch die gewählte Szenerie fesselt und aufwühlt.

Wieviel ist ein einzelnes Menschenleben wert?

Diese Frage stellt sich beim Lesen dieses Buches immer wieder.

Frank Goldammer bewegt sich innerhalb einer Zeitspanne, in der das bloße Überleben zu einem Glücksgriff, einem harten Kampf wird. Das Leben jedes Einzelnen hängt an einem seidenen Faden und manch ein Zufall entscheidet über Leben und Tod.

Auch Oberkriminalinspektor Max Heller werden einige glückliche Fügungen und schicksalhafte Begegnungen das Leben retten.

Für unseren Protagonisten bedeuten die sinnlos ausgelöschten Leben der Mordopfer noch etwas. Er setzt sein eigenes Wohlergehen aufs Spiel, um den Täter zur Strecke zu bringen. Max Heller hat sich trotz aller Grauen seine Menschlichkeit bewahrt, zeigt Rückgrat und Mut. Mit dem Herz am rechten Fleck und viel Einfühlungsvermögen setzt er sich für die Opfer ein.

Hilfe seitens der Bevölkerung oder seiner Dienststelle findet er kaum. Sind doch alle mit dem eigenen Überleben beschäftigt. Einzig die nächtens immer wiederkehrenden angsteinflößenden Geräusche beunruhigen die Menschen der Stadt. Diese werden aber rasch vom Bombenhagel und später der der Furcht vor den sowjetischen Besatzungstruppen verdrängt. An diesem Punkt beschreibt der Autor auch das Zusammenspiel zwischen der Dresdner Bevölkerung und den sowjetischen Besatzern. Wir erleben Feindschaft, Angst und Hass. Max Heller verdient sich deren Respekt durch sein beherztes Verhalten und erfährt mehr über deren Schicksalsschläge. Hierdurch ergibt sich auch für den Leser das Verständnis für die Verhaltensweisen der Soldaten. Ein Blickwinkel, den man beachten sollte.

Rasch wird dem Mörder ein Name gegeben: Der Angstmann. Er ist für alle die Verkörperung des Grauens, schleicht nachts um die Häuser und mordet scheinbar wahllos und brutal hilflose Frauen. Er ist das Schreckgespenst, vor dem Eltern ihre Kinder warnen. Leicht könnte er sich im Aberglauben der Leute verankern und zur Legende werden. In Dresden ist er dagegen sehr real.

Frank Goldammer versteht es, uns alle Beteiligten und Ereignisse in einer Intensität zu beschreiben, dass diese förmlich vor uns stehen und greifbar werden. Umso intensiver fühlt man all das Grauen, aber auch die Freude und Liebe mit, die der Hauptprotagonist erlebt. Verschnaufpausen sind dem Leser kaum vergönnt. Rasant und mit einigen überraschenden Wendungen wird man in den Strudel der Ermittlungen gerissen. Perfekt eingearbeitete Sackgassen führen vom eigentlichen Täter weg und offenbaren neue Geheimnisse.

Max Heller ist einer dieser Ermittler, die man direkt ins Herz schließt und bereits am Ende des Buches auf das nächste hofft.

Der Autor verwebt den Aberglauben der Menschen mit historisch verbrieften Ereignissen, einer Portion Fiktion und den Zutaten eines Kriminalfalles. 

Ein Werk, für das mir der schlichte Begriff Kriminalroman zu wenig ist. 
 
 

Wir haben „Der Angsmann“ in unserem Campus Libris parallel gelesen und ihr dürft Euch auf weitere interessante Einblicke zum Buch freuen.
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Chris Carter – Leseabend zur Erfurter Herbstlese am 21.09.2016

Chris Carter weilt das erste Mal überhaupt in Deutschland. Den Auftakt seiner Rundreise bildete die gestrige Lesung im Rahmen der Herbstlese in Erfurt und ich hatte das Vergnügen, ihn am Abend live zu erleben.

Chris Carter spricht kein Wort Deutsch, außer – ich zitiere: „Rammstein!“, deren Musik er einfach cool findet.

So saßen ihm am gestrigen Abend der Schauspieler Christian Berkel, als Deutschlands bekanntester Fernseh-Kriminalist sowie Margarete von Schwarzkopf, als Moderatorin und Dolmetscherin zur Seite. Einige Gäste waren erstaunt, wieviel sie auch ohne Übersetzung verstehen konnten. 
Die Stimmung war locker und entspannt. Thrillerautoren scheinen zudem mit einer großen Portion Humor ausgestattet zu sein. Während der zweistündigen Veranstaltung wurde trotz des düsteren Buches sehr viel gelacht.
Nachdem der Autor die erste Seite von „I Am Death – Der Totmacher“ im Original vorgelesen hatte, übernahm Christian Berkel das Lesen weiterer Passagen aus der deutschen Übersetzung. Chris Carter schien vom Klang seines Textes, in der ihm fremden Sprache, überrascht zu sein und warf immer wieder einen suchenden Blick in sein eigenes Exemplar. Christian Berkel zog die Zuhörer im Saal in seinen Bann und nutzte seine Stimmgewalt aus, um für den einen oder anderen Adrenalinschub zu sorgen.

Chris Carter war nicht immer Autor und begann sein vierjähriges Studium in Forensischer Psychologie bereits mit 16 Jahren. Sechs lange Jahre war er als Ermittler und psychologischer Berater tätig, bevor er sich der Musik zuwandte. Wie er selbst sagt, lässt sich mit einer Gitarre in der Hand ein Mädchen eher erobern, als mit Geschichten aus dem Alltag eines Ermittlers. 

Eine Weile genoss er es, als Musiker durch die Welt zu ziehen, bis ein Traum sein Leben erneut veränderte. Chris Carter hatte nie vor, Autor zu werden. Doch als er seiner Freundin von diesem speziellen Traum erzählte, war sie einfach nur begeistert. So schrieb er das erste Kapitel zu einem inhaltlich völlig anderen Buch. Parallel entstand das erste Kapitel zu einer Kriminalgeschichte. Letztere fanden Freunde noch fesselnder und so gesellten sich rasch zwei weitere Kapitel hinzu. Um ein objektives Feedback zu den Kapiteln zu erhalten, verschickte der Autor diese an 40 ihm unbekannte Personen. Zum Glück fielen die Rückmeldungen positiv aus und der Geburt des Ermittlerduos Hunter & Garcia stand nichts mehr im Wege.
Chris Carter verriet, dass er damals nicht an eine ganze Buchreihe dachte und Hunter am Ende des Buches sterben sollte. Sein Lektor/Agent legte Veto ein und er schrieb ganze 15 Kapitel noch einmal neu. Im Laufe der ersten Bücher entwickelte sich Hunter positiv weiter. Aber auch Garcia und seine Frau Anna sind Carterlesern ans Herz gewachsen. Ihm wurde sogar gedroht, er solle ja nie darüber nachdenken, einen dieser drei Charaktere sterben zu lassen. Soweit zum Einfluss der Leser auf die Arbeit eines Autors.
Chris Carters Bücher bewegen sich am Rande extremer Brutalität. Dennoch gibt es eine Grenze, die der Autor nie überschreiten wird. In seinen Büchern wird es nie um Fälle mit Kindern gehen. Er selbst hat zwar keine eigenen Kinder, dennoch ist ihm bewusst, welche Ängste viele Eltern um ihre Kinder täglich ausstehen. Sein aktueller Thriller bildet zwar eine gewisse Ausnahme von dieser Regel, jedoch wird im Laufe der Handlung deutlich, warum hier ein kleiner Junge mitten im Geschehen auftaucht. Dies ist wichtig, um das Ende verstehen zu können. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht dazu ausführen, da ich Spoilern müsste, aber niemandem die Lesefreude rauben möchte.
Fiktive Kriminalfälle unterscheiden sich extrem von der Realität. Für den Autor gibt es verschiedene Hürden bei der Umsetzung seiner Ideen zu nehmen. Am Ende der Geschichte möchte der Leser den Fall bis ins kleinste Detail aufgeklärt haben, einer Logik folgen und Handlungen nachvollziehen können. Die Realität bietet dies oftmals nicht. Täter folgen keiner verständlichen Logik oder liefern eine plausible Erklärung für ihre Taten. Ein Massenmörder, ermordete z. B. aufgrund eines Streites mit einem Mann dessen komplette Familie. Auf die Frage von Chris Carter nach dem Warum antwortete er: „Sie waren Zu Hause.“

Die Bücher von Chris Carter spielen alle in Los Angeles. Hier hat er viele Jahre gelebt, kennt sich in den Straßen der Stadt aus und erhält immer neue Inspirationen für weitere Fälle. Das Gefälle zwischen Arm und Reich, Hollywoodglamour und Gangrivalitäten ist in kaum einer anderen Stadt so groß wie in Los Angeles.

Bei uns erschien gerade der 7. Band um das Ermittlerteam Hunter & Garcia. Band 8 ist fertig und wird im Februar 2017 in Großbritannien herauskommen. Momentan schreibt Chris Carter fleißig am neunten Buch und hat bereits Ideen für die Bände zehn bis zwölf in der Schublade. Wir dürfen auf viele weitere Bücher aus seiner Feder gespannt sein.

Die Verfilmung der Buchreihe steht leider noch aus, wäre aber auch für den Autor ein Traum. Einen Besetzungswunsch hat Chris Carter allerdings bisher nicht. 

Chris Carter ist ein absoluter Frauenschwarm, was sicher auch den großen Anteil an weiblichen Gästen des Abends erklärt. Der Autor gab sich sehr Publikumsnah und erfüllte im Anschluss an die Veranstaltung geduldig die vielen Foto- uns Signierwünsche.















Dieser Abend war für mich eines meiner Highlights der Erfurter Herbstlese 2016.





Weitere Artikel findet Ihr, in der Thüringer Allgemeinen und auf dem Onlineportal der Thüringer Allgemeinen.

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Rezension „I Am Death – Der Totmacher“ von Chris Carter – Ullstein Buchverlage

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (17. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548287131
ISBN-13: 978-3548287133
Originaltitel: I Am Death
D: 9,99 Euro

Inhalt:

 
Denn ich bin der Tod …Eine brutal zugerichtete Leiche wird vor dem Los Angeles International Airport gefunden. Sie wurde wie ein Pentagramm in Menschenform hindrapiert. In ihrem Hals steckt ein Zettel mit einer Botschaft: Ich bin der Tod. Detective Robert Hunter ist sich sicher, den Mörder zu kennen. Doch langsam kommt ihm der Verdacht, dass er den Falschen jagt. Und der wahre Täter ein Geheimnis verbirgt, so entsetzlich, dass kein Mord seinen Hunger nach fremdem Leid jemals stillen kann.

Quelle: Ullstein Buchverlage

Der Autor:

Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er studierte in Michigan forensische Psychologie und arbeitete sechs Jahre lang als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, wo er als Musiker Karriere machte. Gegenwärtig lebt Chris Carter in London. Seine Thriller um Profiler Robert Hunter sind allesamt Bestseller.

www.chriscarterbooks.com  

Quelle: Ullstein Buchverlage

Rezension:

Auch der neue Chris Carter ist nichts für zarte Gemüter.

Fesselnde, gleichzeitig abschreckende und an einigen Stellen extrem detaillierte Beschreibungen der grausam zugerichteten Opfer rühren an der Psyche des Einzelnen. Einige Passagen bringen den Leser an die Grenze seiner Vorstellungskraft. Dennoch sind es gerade die Feinheiten der psychologischen Tiefe, die faszinieren und den Lesenden dazu veranlassen, in die Materie von „Der Totmacher“ einzutauchen.

Chris Carter hat alles genau strukturiert, überlässt kein Detail dem Zufall und erhöht immer wieder den bereits extremen Spannungsbogen. Seine Tatortbeschreibungen und die brutale Vorgehensweise des Täters sind keineswegs die Ausläufer seiner sadistischen Ader.

Nein, sie geben einen wichtigen Blick auf den Täter, um diesen und seine Handlungen verstehen zu können. Sofern man die Brutalität hinter den Verbrechen überhaupt verstehen kann. Wenn Kinder, wie im vorliegenden Buch, in derartige Fälle involviert sind, ist es ein harter Kampf, sich mit den beschriebenen Szenen auseinanderzusetzen.

Wieviel kann ein Mensch ertragen? Was braucht es, um die Psyche eines Menschen vollkommen zu zerstören?

Hunter und Garcia werden zu einem extremen Fall, der sich nach kurzer Zeit weiter zuspitzen soll, gerufen. Hier wird vor allem das analytische Geschick Hunters hinterfragt. Dennoch scheinen die Ermittler zeitweise an den Rand ihrer Fähigkeiten zu geraten.

Rasant und aktionsgeladen führt Chris Carter durch diesen Fall und gönnt uns nur wenige Verschnaufpausen. In diesen bringt er den Lesern seine Protagonisten und ihr Umfeld näher. Doch lange kann man sich nicht in Sicherheit wiegen.
Gekonnt fesselt er seine Leser an die Geschichte, so dass man das Buch nur ungern aus Hand legen möchte.

Der Täter bleibt bis zum Schluss im Verborgenen und als Leser darf man sich auf einige Überraschungen gefasst machen. Der Autor weiß genau, worüber er schreibt. Muss Chris Carter doch jede Menge Abgründe des menschlichen Daseins in seiner beruflichen Laufbahn kennengelernt haben.

Ein extrem fesselnder Thriller, der uns tief in die Abgründe der menschlichen Seele führt. 
Nichts für schwache Nerven!

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Rezension „Das schwarze Loch in mir“ von Anders Johansen – Beltz & Gelberg

Gebundene Ausgabe: 295 Seiten 

Verlag: Beltz & Gelberg; Auflage: 1 (11. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Gabriele Haefs
ISBN-10: 3407821727
ISBN-13: 978-3407821720
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre
Originaltitel: Hullet
Buch kaufen: Beltz & Gelberg
D: 14,95 Euro

Inhalt:

Die geschützte Welt des autistischen David gerät aus den Fugen, als der Fortschritt über das archaische färöische Dorf Fjeldvig hereinbricht und er ungewollt in einen tödlichen Unfall verwickelt wird.
Ganz Fjeldvig ist in Unruhe, denn ein Tunnel soll das völlig abgeschiedene Dorf mit dem Rest des Landes verbinden.
Auch der autistische David fürchtet die Veränderungen, die das »schwarze Loch« auslöst. Zum Glück hat er seinen Bruder Peter, der seine behütete Welt zu erhalten versucht. Doch Peters plötzlicher Entschluss, Fjeldvig durch das »schwarze Loch« zu verlassen, lässt Davids Leben zusammenbrechen und löst einen tragischen Unfall aus.

Ein berührender Roman zum Eintauchen, erzählt vor der faszinierenden Kulisse der Färöer-Inseln.

Quelle: Amazon

Der Autor:

Anders Johansen, geboren 1953, arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als Autor und Übersetzer. Er lebt in Ostjütland, in einer kleinen Stadt in der Nähe von Aarhus. In seiner Freizeit fotografiert und läuft er gerne. »Das schwarze Loch in mir« ist seine erste Veröffentlichung bei Beltz & Gelberg.

Quelle: Amazon

Rezension:

Anders Johansen nimmt uns mit auf Färöer-Inseln. Hier ist das Leben noch beschaulich und die Welt in Ordnung. Die Bewohner des idyllischen, aber abgelegenen Dörfchens leben abgeschottet von fast jeglicher modernen Zivilisation. Eines Tages jedoch hält auch hier der Fortschritt seinen Einzug. Niemand hat an den Bau des Tunnels geglaubt und so werden sie förmlich von den Ereignissen überrannt. 

David lässt uns die Ereignisse mit seinen Augen erleben. Und genau hier beginnt für mich die Besonderheit des Buches.
David ist kein gewöhnlicher Junge, denn David ist Autist. Was dem Leser rasch klar wird, bedeutet für die Dorfbewohner und seine Familie nur, dass David anders, überschlau und merkwürdig ist. Die Diagnose „Autist“ wurde vom ansässigen Dorflehrer zwar vorsichtig angesprochen, jedoch sind die Menschen gut im Verdrängen unangenehmer Tatsachen. Selbst seine Eltern wollen nicht wahrhaben, dass ihr Sohn spezielle Hilfe benötigt. So wächst David in seiner kleinen, relativ sicheren Welt wohlbehütet auf. Aber auch diese Sicherheit wird durch den Tunnelbau empfindlich gestört.


Davids Probleme mit emotionaler Empathie spiegeln sich im Erzählstil des Autors wieder. Der Junge hat Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle und dementsprechend auch die seiner Mitmenschen zu verstehen, einzuordnen und erwartungsgemäß zu reagieren. Diesen Ton hat Anders Johansen perfekt getroffen.
Wird der Stress für David zu groß, zeigt er unangemessene Reaktionen und wird zum Gespött der anderen. Dagegen ist für ihn die Familie ein wichtiger Anker. Gerade an seinem großen Bruder, seinem Beschützer, hängt er. Peter ist sein Fels in der Brandung. Routine, Rituale und Rückzugsmöglichkeiten sind ihm wichtig. Eines Tages wandelt sich die Situation und David fühlt sich zum Beschützer seines Bruders berufen. Für den Jungen bedeutet dies ein Gefühlschaos, das in einer Tragödie enden wird.

Mit dem Tunnelbau und der Eroberung der Insel durch den Tourismus gerät Davids stabile Welt aus den Fugen. Er versucht sein Bestes, mit der sich verändernden Umwelt zurechtzukommen. Dies gelingt mal besser, mal schlechter. Seine Eltern, insbesondere sein Vater und die gestandenen Dorfbewohner, sind ihm dabei keine Stütze. Sie sträuben sich gegen den Fortschritt und die Modernisierung.
Der Autor zeigt, wie schwer es fällt, sich Neuem anzupassen. Veränderungen sind unbequem. Die Menschen müssen sich aus ihrer Komfort-Wohlfühlzone herausbewegen und dem Neuen, Unbekannten stellen. Es ist eine Herausforderung für Jung und Alt.

Wir erleben, wie das friedliche Miteinander durch wenige Einflüsse von außen und Konkurrenzdenken gestört werden kann. Der Autor zeigt die Hilflosigkeit und Überforderung der Menschen auf, bietet aber gleichzeitig einen möglichen Ausweg.

Umrahmt wird die Geschichte von intensiven landschaftlichen Beschreibungen, die die Idylle dieses Fleckchen Erde greifbar werden lassen.

Anders Johansen hat David ausgewählt, seine Geschichte zu erzählen. Er lässt sich voll auf die Persönlichkeit des autistischen Jungen ein. Ich empfand diese Sichtweise sehr interessant, da David ein guter Beobachter ist und wir als Leser auch auf kleine Details aufmerksam gemacht werden. Der Blick auf die Welt um uns herum verschärft sich und gibt Denkanstöße. 

Jedoch wird der Erzählstil dadurch gerade auf die eigentliche Zielgruppe der jugendlichen Leser recht kühl und emotionslos wirken. Für einen Jugendroman fehlt der nötige Biss. Ich bin mir nicht sicher, ob Zwölfjährige sich von „Das schwarze Loch in mir“ beeindrucken und fesseln lassen. Dafür ist es an vielen Stellen trotz der flüssig leichten Schreibweise doch recht trocken und daher schwierig zu verstehen. Für die jüngere Altersgruppe empfand ich diesen Roman nur bedingt geeignet. 
Es ist kein leichtes Thema, das der Autor aufgreift und man muss die Persönlichkeit und das Wesen von David verstehen, um die Tiefe des Textes begreifen zu können.
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Erfurter Herbstlese – Leseabend mit Melanie Raabe „Die Wahrheit“ am 16.09.2016

Meine erste Begegnung mit Melanie Raabe hatte ich auf der Leipziger Buchmesse 2015. Dort stellte sie während einer Veranstaltung von Lovelybooks ihr Debüt „Die Falle“ vor.

Seither ist im Leben der Autorin viel passiert.

„Die Falle“ wurde zu einer Sensation und verkaufte sich bisher in 21 Länder. Mittlerweile ist die Geschichte auf dem Weg nach Hollywood. Ginge es nach Melanie Raabe, stünde George Clooney ganz oben auf der Besetzungsliste. Ich drücke fest die Daumen, vielleicht erfüllt sich ja dieser Traum. 

Heute hatte ich das Vergnügen, Melanie Raabe in der Buchhandlung Hugendubel als Gast der Erfurter Herbstlese erneut zu erleben. 

Es war die erste Lesung der gebürtigen Thüringerin aus Ihrem aktuellen Buch „Die Wahrheit“ in heimatlichen Gefilden. Mit Erfurt verbindet sie zudem recht innige familiäre Gefühle und kam regelrecht ins Schwärmen.

Ihre Tante war es auch, die sich bereits im vergangenen Jahr wünschte, Melanie sollte doch einmal eine Lesung, am besten im Rahmen der Herbstlese, in Erfurt halten. Aus dem Wunsch wurde Realität. Leider kam ihre Tante jedoch nicht in den Genuss der Lesung, da sie sich gerade im wohlverdienten Urlaub befindet.
Doch auch ohne diese Unterstützung wurde es eine souveräne witzige Lesung. Gekonnt hielt sie das Publikum in Atem. Neben kurzen, ausdrucksstark vorgetragenen Szenen aus dem Buch, lockerte die Autorin die Stimmung durch lustige Anekdoten aus ihrem Leben auf.

War es bei „Die Falle“ noch recht einfach, von einer Grundidee aufbauend, eine spannende Geschichte zu entwickeln, fiel ihr dies bei „Die Wahrheit“ schon schwerer. 
Die Grundidee zu ihrem ersten Buch ist das Resultat eines besprochenen Magazinartikels an einem Flammkuchennachmittag. Dagegen gibt es zu „Die Wahrheit“ nur eine Art Bild, das sich im Kopf von Melanie Raabe festsetzte und zu einem großen Ganzen entwickelte. Sie beobachtet gern die Menschen in ihrer Umgebung. Mit dem Bild der Wiederbegegnung von Familien und Freunden an Flughäfen vor Augen, setzten sich die ersten Schritte zum aktuellen Buch in ihrem Kopf in Bewegung. 

Ein besonderes Augenmerk sollte man auch auf die musikalischen Bezüge in beiden Büchern legen. Hier spiegelt sich ihre Liebe zur Musik wieder, die zu ihrem Schreiben einfach dazugehört.
Die Autorin bezeichnet „Die Wahrheit“ als eine Art Liebesgeschichte im Gewand eines Thrillers. Es wird bei ihr kein blutiges Gemetzel geben. Dagegen findet der Leser intelligente psychologische Verkettungen. Melanie Raabe spielt mit der Vorstellungskraft des Einzelnen und erzeugt dadurch einen tiefen Sog der Spannung. 

So wundert es nicht, dass die Schlange derer, die sich am Ende der Veranstaltung eines der Bücher kauften und signieren ließen, immer länger wurde. Melanie Raabe signierte mit der ihr eigenen Fröhlichkeit und nahm sich viel Zeit für kurze Gespräche. Wie sie selbst sagt, quasselt sie gern mit ihren Lesern und bescherte damit allen einen tollen Ausklang für den heutigen Leseabend.

Weitere Artikel findet Ihr, in der Thüringer Allgemeinen und auf dem Onlineportal der Thüringer Allgemeinen.

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