Rezension “Das Kind von Gleis 1” von Gill Thompson – Aufbau Verlag

  • Taschenbuch ‏ : ‎ 502 Seiten
  • Herausgeber ‏ : ‎ Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (19. Juli 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • übersetzt von Gabriele Weber-Jarić
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3746637864
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3746637860
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Child On Platform One
  • D: 13,00 Euro

Inhalt:

Wie weit muss eine Mutter gehen, um ihr Kind zu schützen? 1939: Die jüdische Pianistin Eva sucht in Prag verzweifelt nach einem Weg, ihre Tochter Miriam vor den heranrückenden Deutschen in Sicherheit zu bringen. Als letzter Ausweg bleibt ihr, sie mit einem Kindertransport nach London zu schicken. Doch wie wird ihr Kind die Reise ins Ungewisse überstehen? In England bemüht sich die Britin Pamela, der kleinen Miriam ein Zuhause zu geben, muss aber gleichzeitig um ihre eigene Familie fürchten. Während beide Mütter erst glauben, das zu verlieren, was ihnen das Liebste ist, finden sie inmitten der Kriegswirren die Hoffnung auf Glück. „Eine warmherzige Geschichte über Liebe, Verlust und die Kraft der Menschlichkeit.“ Kathryn Hughes

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Die Autorin:

Gill Thompson studierte Kreatives Schreiben an der Chichester University. Beim Schreiben wird sie oft von wahren Begebenheiten inspiriert, besonders die Schicksale von Kindern während des Zweiten Weltkrieges liegen ihr am Herzen. Thompson lebt mit ihrer Familie in West Sussex und arbeitet dort als Englischdozentin.

Quelle: Amazon

Rezension:

Es ist eine unsichere Zeit. Jede getroffene Entscheidung könnte die falsche sein. Eva weiß aus schmerzlicher Erfahrung, wie sehr ein einzelner Moment das gesamte Leben verändern und Träume zerplatzen lassen kann. Doch das eigene Kind in die Obhut fremder Leute zu geben, es in ein fremdes Land zu schicken, bedarf großen Mutes und immenser Verzweiflung.

Viele jüdische Menschen gaben sich dem Schein einer wagen Sicherheit hin und verpassten den Moment, in dem Sie dem Grauen noch hätten entfliehen können. Gerade Gelehrte, wie Evas Mann, glaubten an die eigene Unentbehrlichkeit und dachten so, ihre Familien schützen zu können.
Eva dagegen zweifelt und widersetzt sich der Tradition und ihrem Mann. Sie bleibt an seiner Seite, doch für die Sicherheit ihrer Tochter, ist sie bereit alles zu geben auch wenn es ihr das Herz bricht. Es tut weh, Evas Schmerz zwischen den Zeilen zu spüren.

Wie groß ihre Mutterliebe und der damit verbundene Kampfgeist wirklich sind, erfahren wir im Laufe des Romans. Aber auch an anderer Stelle erleben wir, dass Eltern in diesen Ausnahmesituationen lieber ihr eigenes Leben opfern, wenn sich dadurch eine Chance zum Überleben der Kinder eröffnet.

Gill Thompson gewährt uns einen Einblick in das Leben der Prager Juden und die Kindertransporte nach England, die viele Leben retten konnten. Aber wir reisen auch nach England selbst, erleben dort, mit Pamela und Hugh, wie die Kriegsjahre die Menschen prägten.

Ich hatte beim Lesen oft einen Kloß im Hals und musste viele Tränen herunterschlucken. Die Macht der Hoffnung, der Liebe und auch der Musik erstaunt immer wieder. So bedrückend die Geschichte selbst ist, so viele helle Momente dürfen wir dennoch erleben.

Wir tauchen ein in eine Zeit, die so nie wieder zurückkommen darf. Lebendige Charaktere und ein sehr authentischer Plot lassen den Schrecken des Krieges noch einmal an uns vorbei ziehen. Die Schicksale zweier Familien verweben sich und beeinflussen ihre Zukunft nachhaltig.

Auch wenn ” Das Kind von Gleis 1″ eine fiktive Geschichte erzählt, wird hier so viel Realität mit historischen Fakten verknüpft, dass die Schicksale von Eva, Miriam, aber auch Hanna, Pamela, Hugh, Will, Tomasz und all den anderen für all diejenigen stehen, die in diesen Zeiten ähnliches Glück oder Leid erleben mussten, in den Tod gingen oder überlebten.

Der von Gill Thomson gewählte Schluss ist ein rührender Appell an das Erinnern. Abschließend sorgen die letzten Szenen noch einmal für tiefe Gänsehautmomente.

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