Rezension “Ein Versteck unter Feinden: Die wahre Geschichte von zwei jüdischen Schwestern im Widerstand” von Roxanne van Iperen – Hoffmann und Campe Verlag

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH; Auflage: 1 (1. April 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • übersetzt von Stefan Wieczorek
  • ISBN-10: 3455006450
  • ISBN-13: 978-3455006452
  • D: 24,00 Euro

Inhalt:

Die wahre Geschichte von Anne Franks Freundinnen und ihrem Kampf gegen die Nazis

Nach Kriegsende überbrachten die Schwestern Lien und Janny Brilleslijper der Familie Frank die Nachricht vom Tod ihrer Töchter Anne und Margot. Dass sie darüber hinaus während der Besatzungszeit Teil einer einmaligen Geschichte jüdischen Widerstandes waren, war bislang unbekannt. Als die Autorin Roxane van Iperen im Jahr 2012 in eine Villa einzieht, ahnt sie nichts von den doppelten Böden und Hohlräumen, die es hier gibt: Die jüdischen Schwestern hatten zahlreichen verfolgten Juden hier Unterschlupf gewährt. ’t Hooge Nest, so der Name des Hauses, war umzingelt von den Villen hochrangiger Nazis, unter deren Augen hier der Widerstand für die gesamten Niederlande organisiert wurde. Bis das Versteck im Sommer 1944 verraten und gestürmt wurde. Janny und Lien überlebten mehrere Konzentrationslager – bis zum Tod von Margot und Anne Frank blieben sie an deren Seite.

Eine außergewöhnliche Geschichte des niederländischen Widerstandes in der Zeit der Nazi-Besatzung, fesselnd erzählt wie ein Roman.

Quelle: Amazon

Die Autorin:

Roxane van Iperen, 1976 geboren, ist Juristin und Publizistin. Für ihren Debütroman Schuim der Aarde wurde sie 2016 mit dem Hebban-Debütpreis ausgezeichnet. Für t’Hooge Nest wurde sie 2019 mit dem niederländischen Opzij-Literaturpreis ausgezeichnet, der an Autorinnen vergeben wird, die sich in ihrem Werk für die Emanzipation von Frauen einsetzen.

Quelle: Hoffmann & Campe

Rezension:

Ich habe mich mit Roxane van Iperen auf eine Zeitreise in die Niederlande begeben. Unsere Zeitkapsel war eine mit Hohlräumen, verborgenen Zimmerfluchten und doppelten Böden versehene Villa am Waldrand. Nach und nach entlockten wir dem im holländischen Naarden gelegenen Haus, das man dort als „Das Hohe Nest“ kennt, seine Geschichte.

Es ist die wahre Lebensgeschichte zweier jüdischer Schwestern, die trotz der Gefahren für das eigene Leben und das ihrer Familie aktiv im Widerstand gegen das Naziregime agierten.

Es ist eine traurige, düstere Geschichte, die sich hinter diesen Mauern verbirgt. Und doch strahlt sie auch sehr viel Kraft, Lebensfreude und Hoffnung aus. Lebensbejahend und mutig, mit viel Einfallsreichtum und Courage stellten sie sich die Schwestern Brilleslijper gemeinsam mit vielen Mitstreitern gegen den Naziterror.

Roxane van Iperen belässt es nicht einfach nur dabei, uns vom Leben einer Familie zu erzählen. Wir erfahren sehr viel über die jüdische Gemeinschaft in Holland und die dortigen politischen Entwicklungen vor, nach und während des Zweiten Weltkrieges.

„Das Hohe Nest“ sollte zu einer Zuflucht werden. Mitten unter den Augen der Nazis entwickelte sich hier eine Zentrale des Widerstandes. Die Villa diente einer großen Zahl von Verfolgten als Zwischenstation und rettete ihnen das Leben.
Doch wie so oft in diesen Tagen scheitern auch die Schwestern Brilleslijper am Ende durch den Verrat Einzelner. Für die Bewohner der Villa endet der Weg in Bergen-Belsen.

Dort treffen Lien und Janny auch auf Anne Frank und ihre Familie. Schicksale, die mich immer wieder tief berühren und beschäftigen. Das Lesen war gerade während dieser letzten Passagen nicht einfach und doch so wichtig.

Roxane von Iperen legt mit „Ein Versteck unter Feinden“ ein authentisches Zeitzeugnis vor. Ohne Inszenierung und Dramatik, dafür mit viel Gefühl für das Wichtige und einem offenen Blick, hält sie das Andenken an diese mutigen Frauen und Männer aufrecht.

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