Rezension “Gott wohnt im Wedding” von Regina Scheer – Penguin Verlag

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag (25. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3328600167
  • ISBN-13: 978-3328600169
  • D: 24,00 Euro

Inhalt:

Ein Haus. Ein Jahrhundert. So viele Lebensgeschichten.

Alle sind sie untereinander und schicksalhaft mit dem ehemals roten Wedding verbunden, diesem ärmlichen Stadtteil in Berlin. Mit dem heruntergekommenen Haus dort in der Utrechter Straße. Leo, der nach 70 Jahren aus Israel nach Deutschland zurückkehrt, obwohl er das eigentlich nie wollte. Seine Enkelin Nira, die Amir liebt, der in Berlin einen Falafel-Imbiss eröffnet hat. Laila, die gar nicht weiß, dass ihre Sinti-Familie hier einst gewohnt hat. Und schließlich die alte Gertrud, die Leo und seinen Freund Manfred 1944 in ihrem Versteck auf dem Dachboden entdeckt, aber nicht verraten hat. Regina Scheer, die großartige Erzählerin deutscher Geschichte, hat die Leben ihrer Protagonisten zu einem literarischen Epos verwoben voller Wahrhaftigkeit und menschlicher Wärme.

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Die Autorin:

Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Von 1972–1976 arbeitete sie bei der Wochenzeitschrift «Forum». Danach war sie freie Autorin von Reportagen, Essays und Liedtexten und Mitarbeiterin der Literaturzeitschrift «Temperamente». Nach 1990 wirkte sie an Ausstellungen, Filmen und Anthologien mit und veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte. Für ihren ersten Roman «Machandel» erhielt sie 2014 den Mara-Cassens-Preis.

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Rezension:

Regina Scheer erzählt mit „Gott wohnt im Wedding“ eine recht außergewöhnliche Geschichte. Hier verweben sich Schicksale, Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Wir erleben mit den Erinnerungen einen Teil deutscher Geschichte und treffen auf Menschen unterschiedlichster Herkunft. Zwischen ihnen knüpft sich ein Band, wegweisend für die Zukunft. Zentraler Punkt des Romans ist das Haus im Wedding. Hier finden die Enden der einzelnen Schicksalsstränge zueinander.

Die Autorin würdigt nicht nur die jüdische Vergangenheit Berlins. Ihr geht es auch um die Schicksale der Roma und Sinti Familien, deren Verfolgung und Ausgrenzung nicht mit dem Zweiten Weltkrieg endete. Auch heute herrschen gegen diese Bevölkerungsgruppen massive Vorurteile.

Die dargestellte Gruppendynamik zwischen den einzelnen Bewohnern des Hauses ist sehr gut gezeichnet. Sie zeigt die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen auf.

Leos Erinnerungen an seine Zeit in Berlin während des Krieges und an den Naziterror sind gut aufgearbeitet und man merkt den Zeilen eine gründliche Recherchearbeit an.

Die Idee, das Haus selbst zu Wort kommen zu lassen ist interessant, tat dem Buch aber nicht gut. Die Ausführungen sind mir zu oberflächlich und ohne tiefer gehende Aussagekraft.

Das Buch ist vielschichtig, wirkt aber zwischendurch recht konstruiert. Auf kleinstem Raum werden Informationen zu einer Vielzahl an Themen aufgegriffen und zu geballt dargestellt. Die Geschichte wird mit historischen Fakten und Schicksalen überladen. Man verliert dadurch den Blick auf das Wesentliche.

Die Themenvielfalt und wechselnde Perspektiven überfordern den Durchschnittsleser. Man muss sehr konzentriert lesen, um die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen nicht aus den Augen zu verlieren. Da hilft das Personenregister am Ende des Buches nur bedingt.

Der Schreistil basiert auf einer Mischung aus Roman und Sachbuch, als wäre sich Regina Scheer nicht sicher gewesen, wie sie ihre Geschichte an den Leser bringen möchte.

Der sachliche Tonfall des Romans lässt eine Nähe zu den Protagonisten kaum zu. Leider blieb ich auch aufgrund der Vielzahl an handelnden Personen und Nebenfiguren sowie deren fehlender Tiefe zu distanziert und fühlte mich als stiller Beobachter oft nicht angesprochen.

„Gott wohnt im Wedding“ ist trotz meiner Kritik ein interessanter Gesellschaftsroman, der versucht uns unsere Zeitgeschichte näher zu bringen, aktuelle politische Themen aufgreift und zum Nachdenken anregen sollte.

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