Rezension “Der Buchhalter von Auschwitz” von Reiner Engelmann – cbj Verlag

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: cbj; Auflage: Originalausgabe (26. März 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570165183
  • ISBN-13: 978-3570165188
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren
  • D: 16,00 Euro

Inhalt:

»Auschwitz war ein Ort, an dem ich nicht hätte mitmachen dürfen«, so die späte Erkenntnis des Oskar Gröning.

Oskar Gröning ist 21 Jahre alt, als er als überzeugter SS-Mann nach Auschwitz abkommandiert wird. Seine Aufgabe besteht darin, die Wertsachen der Häftlinge zu verwalten. Obwohl Gröning von der Ermordung der Menschen weiß, rechtfertigt er seine Arbeit damit, dass er nicht unmittelbar an den Tötungen beteiligt ist. In einem der letzten großen Auschwitz-Prozesse wurde Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord an 300.000 Juden verurteilt. Reiner Engelmann hat seine Lebensstationen anhand von Interviews und Gerichtsprotokollen aufgeschrieben – ein wichtiger Beitrag über eine verführte Jugend, versäumte Gewissensentscheidungen und ein Leben mit Schuld.

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Der Autor:

Reiner Engelmann wurde 1952 in Völkenroth geboren. Nach dem Studium der Sozialpädagogik war er im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Für Schulklassen und Erwachsene organisiert Reiner Engelmann regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Anthologien und Bücher zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen.

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Rezension:

Wer sind die schlechteren Menschen? Diejenigen, die Grausamkeiten begehen oder diejenigen, die tatenlos zusehen und anschließend versuchen, ihre Hände in Unschuld zu waschen?

Oskar Gröning, hat in den Konzentrationslagern keinem Menschen direkt etwas angetan, er hatte ja „nur“ mit deren Wertsachen zu tun. Dennoch stand er daneben, als Kinder Frauen, Männer jeden Alters gefoltert und brutal ermordet wurden. Er hatte das Elend der Häftlinge jeden Tag vor Augen und sah dennoch darüber hinweg. Welcher Mensch kann sich über die Art und Weise der Ermordung eines Kindes aufregen, dass es geschehen ist, aber als selbstverständlich hinnehmen?

Die Grausamkeiten während des Zweiten Weltkrieges gegenüber Juden, anderen Bevölkerungsgruppen und Gegnern des Regiments sind bekannt. Ich habe auch schon sehr viel über diese Zeit und verschiedene Schicksale gelesen. Die Bücher von Reiner Engelmann berühren mich immer tief. Sie sind in einer für junge Heranwachsende gut verständlichen und dennoch überaus eindringlichen Sprache geschrieben.

In seinem Buch „Der Buchhalter von Auschwitz – Die Schuld des Oskar Gröning“ wertet er nicht, verdammt nicht, aber er gibt das Wesen dieses Mannes sehr deutlich wieder. Gröning war ein Mitläufer, wie so viele damals. Die Gedankengänge von ihm, auch viele Jahre später, als er sich zumindest der Öffentlichkeit stellt und die Existenz der Vernichtungslager nicht leugnet, sind für mich unvorstellbar. Ist es Selbstschutz, Ignoranz oder wirklich eine nicht nachzuvollziehende Dunkelheit in der Seele, die ihn zu dieser Sichtweise bringt. Ist es wirklich nur das anerzogene Denken in der Jugend oder auch eine Art Phlegmatismus, Behäbigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben anderer, die sein Handeln bestimmte?

Oskar Gröning wollte an seinem Lebensabend eine Art Absolution erhalten, Vergebung für seine Taten und Verständnis für sein Handeln. So ein bisschen Gewissen scheint ja doch noch in ihm geschlummert zu haben. Gibt dieses Wissen doch ein wenig Hoffnung?

Das ihm die gewünschte Straffreiheit nicht gewährt wurde und das Gesetz noch einmal durchgegriffen hat, ist erleichternd. Es geht nicht darum, wie viele Jahre die Gräueltaten des SS-Regiments zurück liegen, wie alt die Täter heute sind. Es geht darum, dass Recht gesprochen wird und die Opfer mit all ihren Verlusten und Erinnerungen geachtet werden.

Die Zeit verrinnt und bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, die aus eigenem Erleben heraus berichten, die ihre Erinnerungen mit uns teilen können. Damit die Opfer und Überlebenden nicht vergessen werden, sich die Geschichte nicht wiederholt, ist es wichtig, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Dieses Buch ist auch im Hinblick auf aktuelle politische Entwicklungen sehr wichtig und notwendig.

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