Wenn Iris malt, verliert sie sich ganz in den Farben und Formen. Doch bevor sie zu einem Wunderkind wurde, war sie vor allem ein Kind, das ein Wunder brauchte. Denn Iris Grace hat Autismus. In den ersten Lebensjahren war sie unerreichbar, lebte in ihrer eigenen Welt, die Familie verzweifelte. Dann entdeckte ihre Mutter, wie fasziniert Iris mit Pinsel und Farbe umging. Und schließlich war es die kleine Katze Thula, die die Verbindung zwischen Iris und der Außenwelt herstellte. Eine zauberhafte, wahre Geschichte.
Arabella Carter-Johnson ist Iris Graces Mutter und freischaffende Fotografin. Sie wuchs in der sanften Hügellandschaft des Leicestershire auf. Nach einem längeren Aufenthalt in Frankreich zog sie 2008 mit ihrem Mann Peter-Jon dorthin zurück. Die Geburt ihrer Tochter Iris Grace 2009 änderte ihr Leben von jetzt auf gleich und für immer. Arabella hat ihre große gemeinsame Lebensreise in Fotos und Tagebucheinträgen festgehalten und erzählt ihre Geschichte in ihrem ersten Buch.
Fast scheint es, dass ich mich in der Annäherung an dieses Buch ein wenig wie Iris Grace verhalte und langsam und vorsichtig vorgehe.
Ich habe gelernt, dass es sehr unterschiedliche Spektren von Autismus gibt. Das Asperger-Syndrom ist wohl die bekannteste und nicht erst seit der Verfilmung von „Fuck ju Göthe“. Obwohl hier die Erkrankung meiner Meinung nach arg ins Lächerliche gezogen und verharmlost wird. Für diesen Film akzeptabel, aber dennoch irreführend.
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Über die von Arabella Carter-Johnson ins Leben gerufene Seite Iris findet ihr folgende Definition zu Autismus:
„Autismus ist eine lebenslange Entwicklungsstörung, die beeinflusst, wie eine Person mit anderen Menschen kommuniziert und sich auf sie bezieht. Es beeinflusst auch, wie sie die Welt um sie herum sinnvoll machen.
Es ist eine Frequenzbedingung, was bedeutet, dass alle Menschen mit Autismus bestimmte Schwierigkeiten haben, aber ihr Zustand wird sich auf jede von ihnen unterschiedlich auswirken. Einige Menschen mit Autismus sind in der Lage, ein relativ unabhängiges Leben zu führen, aber andere haben möglicherweise begleitende Lernschwierigkeiten und benötigen eine lebenslange fachliche Unterstützung. Menschen mit Autismus können auch über oder unter Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Berührungen, Geschmäckern, Gerüchen, Licht und Farben leiden.
Autismus betrifft derzeit 1 von 100 Menschen in Großbritannien.
Es gibt etwa 100.000 Kinder mit Autismus in Großbritannien, mit etwa einer halben Million Familienmitglieder, die direkt von der Krankheit betroffen sind.
Frühe Intervention, Bildung und Unterstützung sind entscheidend, damit Kinder und Jugendliche mit Autismus ein erfülltes Leben führen können.„
Iris Grace befindet sich sehr weit im Spektrum dieser Krankheit gefangen und dementsprechend bauen sich vor ihr und ihrer Familie anfangs sehr große, manchmal unüberwindlich erscheinende Probleme auf.
Als werdende Eltern freut man sich auf den Nachwuchs, möchte nur das Beste und entwickelt Träume von der gemeinsamen Zukunft als Familie. Jeder weiß, dass sich mit einem Kind das bisherige Leben verändert. Prioritäten werden neu verteilt und der Blick auf die Umgebung wird ein anderer.
Anfangs hält Arabella Carter-Johnson die Probleme mit ihrem Baby für normal, so wie die, die alle Eltern mit einem Neugeborenen irgendwann einmal durchmachen. Doch nehmen diese kein Ende. Es gibt keine Erholungsphasen, keine Besserung und auch die Kraftreserven versiegen.
Es ist ein schlimmer Moment zu erkennen, dass etwas nicht stimmt, sich die gestellte Diagnose einzugestehen, diese zu akzeptieren. Doch ist es auch eine Erklärung und den Eltern von Iris fällt eine erste Last von den Schultern. Mit der Akzeptanz, dass Iris Grace an Autismus leidet, eröffnet sich für ihre Eltern der Weg, damit umgehen und ihrem Kind helfen zu können. Beeindruckt hat mich die Stärke von Arabella Carter-Johnson und ihrem Mann. Sie hadert mit dem Schicksal, gibt aber nie auf. Am Ende einer Sackgasse dreht sie um und sucht nach neuen Wegen und Möglichkeiten. Die Unterstützung ihres Mannes ist ihr sicher und immens wichtig. Sie akzeptieren ihr Kind so, wie es ist.

„…Mit einem autistischen Kind Kontakt aufzunehmen, mit ihm interagieren zu wollen, ist manchmal wie einen fernen Sender am Radio einzustellen, aber hat man einmal die exakte Frequenz zwischen all dem Rauschen und Knistern gefunden, ist der Empfang glasklar…“
Durch die Liebe und Fürsorge ihrer Familie entwickelt sich Iris Grace zu einem lebensfrohen glücklichen Kind, das sogar beginnt, die engere Nähe anderer Personen zuzulassen bzw. zu genießen. Ein Schlüsselmoment hierfür war die Aufnahme von Thula in den Kreis der Familie.
Tiere werden schon lange zu Therapiezwecken eingesetzt, dennoch kommt es auch hier auf die richtige Chemie zwischen Mensch und Tier an. Im Fall von Iris Grace war es nicht die anfangs erhoffte Freundschaft zu einem Hund, sondern die zu einer Katze. Hier habe ich sehr viele neue Informationen zu der Rasse Main Coon bekommen. Die Symbiose zwischen beiden ist faszinierend.
Iris hat eine wunderbare Entwicklung durchgemacht und entgegen aller Prognosen sogar sprechen gelernt. Sie verfügt über eine hohe Intelligenz. Ohne die Liebe, den Willen und die Kraft ihrer Eltern, wäre ihr Weg sicher anders verlaufen.
„…Timing ist alles im Leben…Die Wahl des richtigen Augenblicks unterscheidet zwischen Erfolg und Misserfolg. Auch das Leben mit Autismus kann eine Frage des Timings sein…“
Das Buch ist kein Jammertal. Die Autorin schreibt offen und ehrlich über ihre Liebe zu ihrer Tochter, ihre Wut auf das Schicksal, über Verzweiflung, Scheitern und Erfolge, Traurigkeit und Freude, Glück und Hoffnungen. Sie gibt mit ihrem Buch anderen Eltern Hoffnung und zeigt Wege auf. Zwischen allen Zeilen spürt man die Liebe zu ihrem kleinen Mädchen.
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Faszinierend ist das Gefühl, das Iris Grace mit ihren Bildern hervorruft. Das Zusammenspiel der Farben in ihren Bildern und ihre Technik, die nicht auf ein so kleines Mädchen schließen lassen, haben mich sehr berührt. Ihre Bilder drücken die Gefühle aus, die dieses kleine Mädchen auf andere Weise nicht zeigen oder in Worten verpacken kann. Ja, ich würde mir diese Bilder auch an die Wand hängen.
Die Welt mit anderen Augen betrachten und einzelne Momente genießen. Weit weg von der Hektik und Schnelligkeit des Lebens unsere Welt entdecken. Sich an Erfolgen erfreuen und Niederlagen als neuen Ansporn nehmen. Kleine Schritte planen und manchmal einen Schritt voran, aber dafür wieder drei Schritte rückwärtsgehen – dennoch nie aufgeben. Diese Botschaft, Verständnis und sehr viel Hoffnung für betroffene Eltern vermittelt das Buch.