Rezension “Revolution im Herzen – Die heimliche Liebe des Karl Marx” von Claudia und Nadja Beinert – Knaur HC

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Knaur HC (3. April 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426654334
ISBN-13: 978-3426654330
D: 19,99 Euro

Inhalt:

Der historische Roman zum 200. Geburtstag von Karl Marx von den Autorinnen Claudia und Nadja Beinert und gleichzeitig eine große Liebesgeschichte.
In Zeiten todbringender Armut und Ausbeutung muss sich Lenchen Demuth schon früh als Dienstmädchen verdingen. Im Haushalt der Familie Marx wird sie der jungen Ehefrau Jenny zur engen Freundin – und bald auch Vertraute des großen Philosophen Karl Marx. Fasziniert verfolgt sie seine Studien und erkennt bald, dass diese auch mit ihrem eigenen Leben zu tun haben.
Doch dann verliebt sich Lenchen rettungslos in Karl Marx.. Als sie ein Kind erwartet, steht nicht nur ihre Freundschaft mit Jenny, sondern auch das Werk von Marx und Engels auf dem Spiel.
Mit tiefer historischer Kenntnis verweben die Beinert-Schwestern Fakten und Fiktion zu einem einfühlsamen Roman um eine geheime große Liebe.

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Die Autorinnen:

Kennen Sie das Gefühl, Menschen “zu begegnen”, die Sie magisch anziehen? Die ein besonderes Charisma besitzen und etwas Geheimnisvolles zu ergründen haben? Für uns geht dieser Zauber von historischen Frauenfiguren aus. Aktuell haben uns Margarethe Luther und ihr Einfluss auf den berühmten Sohn Martin Luther in den Bann gezogen.

Wir sind schreibende Zwillingsschwestern und berichten auf unseren Lesungen über unser schwesterliches Autorenleben, über unsere Romanhintergründe und Dinge, die uns während der Recherche ins Staunen versetzt oder zum Schmunzeln gebracht haben. Wir wollen unsere Roman-Epochen wirklich verstehen, die damaligen Denkweisen und gesellschaftlichen Normen wieder lebendig werden lassen.

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Rezension:

…Meine liebe Jenny, ich schicke Dir das treue liebe Lenchen, als das Beste, was ich Dir schicken kann…
Wieviel Wahrheit in diesem Satz ihrer Mutter steckt, wird Jenny erst nach vielen Jahren erkennen.
Wer war Lenchen (Helena) Demuth? 
Die Geschichten um Karl und Jenny Marx oder Friedrich Engels hat sicher jeder schon einmal gehört. Im Leben dieser Personen spielte aber eine Frau eine wichtige Rolle, die gern übersehen wird – Helena Demuth, genannt Lenchen. Den Überlieferungen nach war sie sehr energisch, herzlich und die gute Seele im Hause Marx. Die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert haben mit diesem schonungslos offenen, aber herzlichen Roman das Leben von Lenchen recherchiert und bringen sie uns Lesern sehr nahe. 
Verbriefte historische Fakten vermischen sich gekonnt mit fiktiven Einschüben. Um einen flüssigen, aber nicht zu ausschweifenden Plot zu erhalten, wurden geschichtliche Daten stellenweise in schriftstellerischer Freiheit ein wenig verändert. Diese werden aber am Ende des Romans entsprechend erläutert und fallen dem Leser nicht auf. Das Buch ist ein Balanceakt, vor allem wenn man bedenkt, welch unterschiedliche Empfindungen allein die Person Karl Marx bei den Menschen auslöst. 
Karl und auch Jenny Marx waren Kinder ihrer Gesellschaft und des Rangs, in den sie hinein geboren wurden. Ihre Ideale, Hoffnungen und Bestrebungen für eine bessere Gesellschaftsordnung für alle kamen von Herzen, dennoch haben sie es selbst nie verstanden, mit den Ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln zu haushalten. Marx war ein Visionär und Träumer. Die Familie und vernünftige Entscheidungen standen hinter den Idealen seiner Arbeit zurück. Lenchen besaß die Vernunft und das praktische Wesen, das der Familie ein ums andere Mal das Leben rettete. Sie war klug, umsichtig und weltoffen. Ihr Arbeitsverhältnis wich rasch einer tiefen Freundschaft zu den Marxens. Auch nach ihrem Vertrauensbruch gegenüber Jenny, wussten alle, was sie mit Lenchen verlieren würden.
Mit 10 Jahren habe ich “Mohr und die Raben von London” gelesen. Inwieweit hier Lenchen überhaupt in Erscheinung tritt, müsste ich nun direkt einmal nachlesen. Ich gebe zu, mir war bislang nicht direkt bewusst, dass Karl Marx noch einen unehelichen Sohn hatte und dieser Aspekt ist sehr spannend. Auch hier verhielt sich die Familie entsprechend den hierarchischen Gepflogenheiten. Beim Lesen schwankt man immer wieder zwischen Sympathie und Verdammnis gegenüber diesem recht vielschichtigen Mann. In beiden Büchern wird sein Verhältnis zu seinem Sohn Musch aber ähnlich dargestellt. Und auch wenn ich wusste, welches Schicksal diesen kleinen, fröhlichen Jungen erwartete, litt ich mit der Familie und Lenchen mit. Marx war neben allen politischen Ambitionen ein warmherziger Ehemann und Familienvater. Gerade, wenn man sich das Familienschicksal vor Augen führt und die offenen Gefühle, die Marx aufgrund des Verlustes von Musch zeigte, ist es schwer zu verstehen, wie er sich seinem unehelichen Kind gegenüber verhielt. 
Die Autorinnen verstehen es hervorragend, die Gefühle der einzelnen Charaktere hervorzuheben. Es gibt nicht nur gut oder schlecht. Sie vereinen alle Wesenszüge in sich. Ich hatte das Gefühl, hier den wahren Marx gegenüber zu stehen, ungeschönt oder auf ein Podest erhoben. Er war ein Mann mit visionären Ideen, deren Umsetzung aber allein schon am angeborenen Egoismus des einzelnen Menschen scheitern musste. Er selbst war nicht frei davon. So bestritt er zum Beispiel den Großteil seines Lebens auf Kosten anderer und lebte überwiegend von geborgtem bzw. geschenktem Geld. 
In “Revolution im Herzen – die heimliche Liebe des Karl Marx” steht aber nicht Karl Marx alleinig im Vordergrund. Es ist Lenchens Blick auf die Welt und die Menschen um sich herum, den wir erhaschen dürfen. Wir lernen hier viele weitere Personen kennen und ich kann mir vorstellen, dass es diese zum Teil genauso wie dargestellt auch gegeben hat. Die Person Friedrich Engels zum Beispiel ist eine Art umstrittener Wohltäter dieser Zeit. Wir treffen ihn zwischen innerer Zerrissenheit, Arroganz und unerschöpflicher Freundschaft ohne einen Gegenwert zu fordern. Um seine Ziele zu erreichen, war er weitsichtig genug, seine Ideale auch einmal hinten anstehen zu lassen und die für sein Empfinden unangenehmeren Wege zu gehen. 
Eindringlich und warmherzig lassen uns die Beinert-Schwestern in das Leben von Lenchen und der Familie Marx eintauchen. Bedrückend leuchten sie das harte Leben der armen Bevölkerungsschichten aus, aber auch die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft, die diese Menschen untereinander zu geben bereit waren. 
Es ist eine spannende Zeitreise, die mit viel Herz sowie bekannten und neuen geschichtlichen Fakten von Beginn an bis hin zur letzten Zeile fesselt. 

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